Der Pressesprecher des Präsidenten versicherte den Frauen, dass die Regierung mit der Problematik vertraut sei und hart daran arbeite, eine Lösung zu finden. Der Pressesprecher betonte: In dieser außergewöhnlichen Situation sei unser Land verpflichtet, gegen viele Feinde und Spione im Inneren des Landes und im Ausland zu kämpfen, deswegen war die Entscheidung, das Internet zu blockieren, unausweichlich.
Seiner Rede konnte man entnehmen, dass auch da oben im Kreml die heutige Situation in Russland angeblich als nicht normal empfunden wird, sondern als Ausnahmezustand. Auch da oben hege man die Hoffnung, dieser Zustand sei nur vorübergehend und bald solle alles wie früher werden. Aber wohin werden die ganzen Spione und Feinde dann plötzlich verschwinden? Oder sollen sie mit dem Präsidenten zusammen verschwinden, weil sie nur in seinem Kopf existieren? Das hat der Pressesprecher nicht gesagt, er hat nur gelächelt.
Denn der Präsident interessiert sich nicht fürs Internet, er führt den Krieg und hat nicht vor, haltzumachen. Er hat einen Tunnelblick, ausgelöst durch extremen Stress, Angst und Überforderung, er kann nämlich nur als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen. Den Sieg kann ihm aber gerade keiner liefern, weder die geschwächte russische Armee noch Trump mit seinen Tänzchen, alle haben versagt und die Ukrainer stehen wie eine Eins, sie beschützen ihre Heimat. Der Tunnel, in dem sich der Präsident weiter bewegt, wird mit der Zeit immer enger, die Umfragewerte des Präsidenten sinken.
Die russische Wirtschaft kann die Rezession nicht abwenden, das Geld für den Krieg fehlt, auf der Suche nach einigermaßen preiswerten Soldaten werden inzwischen sogar Patienten in den geschlossenen Abteilungen der Psychiatrien rekrutiert. In diesen Kliniken werden die Kranken zum Fernsehschauen gezwungen, dementsprechend ist der Anteil der Patrioten dort deutlich höher als unter den Gesunden. Ob diese Patrioten wirklich als Soldaten taugen, darüber wird nicht mehr diskutiert.
Die Bevölkerung beginnt langsam Geräusche des Unmuts von sich zu geben, trotz der repressiven Vorgehensweisen der Staatssicherheit. Die Entsorgung jeglicher Bürgerrechte, die Schließung von unabhängigen Medien, Museen und Theatern, die Vernichtung der Bücher, und zwar denen mit für die Führung unangenehmen Inhalten, haben die Bevölkerung kaltgelassen. Aber das Blockieren des Internets tat ihnen weh, plötzlich mehren sich die Stimmen des Protests. Trotz der Angst vor der Staatssicherheit.