Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt Homeoffice in Deutschland einer aktuellen Studie zufolge fest etabliert. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich ist Stuttgart, wie die Auswertung von Online-Stellenanzeigen durch die Bertelsmann-Stiftung zeigt. 38 Prozent aller Stellenanzeigen in der BW-Landeshauptstadt enthielten demnach die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten. Auch in Düsseldorf und Frankfurt am Main ist die Quote vergleichsweise hoch. In ländlichen Regionen ist das Angebot dagegen deutlich geringer.
Bei 20 Prozent aller Jobs Homeoffice möglich
Im bundesweiten Durchschnitt enthielten 20 Prozent der insgesamt 79 Millionen ausgewerteten Anzeigen die Möglichkeit zum Homeoffice, teilte die Stiftung am Mittwoch mit. Damit liege der Anteil in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil von Jobs mit Homeoffice-Option demnach nur bei 3,7 Prozent. Bis 2022 stieg er deutlich an und pendelt sich seit 2024 bei rund einem Fünftel ein. „Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, erklärte Studien-Co-Autor Gunvald Herdin. „Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht.“
Allerdings profitieren nicht alle Beschäftigtengruppen gleichermaßen. Besonders häufig wird Homeoffice laut der Studie in männerdominierten Berufen angeboten, vor allem in der IT-Branche. In frauendominierten Tätigkeiten wie etwa in Pflege, Erziehung und Gesundheit liegt der Anteil deutlich niedriger. Insgesamt bieten Arbeitgeber nur in 13 Prozent dieser Berufe Homeoffice an, während es in männerdominierten Berufen 22 Prozent sind. Bei hoch qualifizierten Jobs ist die Differenz noch ausgeprägter.
Akademiker profitieren besonders stark
Nach Einschätzung der Stiftung bleibt damit ein wichtiges Potenzial für mehr Gleichstellung ungenutzt. Homeoffice sei ein wichtiges Instrument zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so Co-Autorin Michaela Hermann. Gerade für Eltern oder pflegende Angehörige könne ortsflexibles Arbeiten entscheidend sein. Allerdings reiche Homeoffice allein nicht aus, um bestehende Unterschiede etwa beim Einkommen oder bei der Verteilung von Sorgearbeit zu beseitigen.
Besonders verbreitet ist Homeoffice weiterhin in qualifizierten Tätigkeiten. Mehr als ein Drittel der Akademiker kann von zu Hause arbeiten, während es bei Helfertätigkeiten nur etwa vier Prozent sind.
Reine Remote-Jobs bleiben selten
Reine Remote-Jobs sind laut den Studienautoren eine Ausnahme. Bei der jüngsten Analyse sei die Möglichkeit, zu 100 Prozent an einem frei gewählten Ort zu arbeiten, lediglich in einer von 1.000 Stellenanzeigen genannt worden, hieß es.
Die Analyse basiert auf Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 und wird regelmäßig aktualisiert. Die Autoren haben verschiedene Formen des mobilen Arbeitens berücksichtigt – von klassischen Homeoffice-Regelungen bis hin zu hybriden Modellen. Entscheidend ist, ob in einer Stellenanzeige überhaupt eine entsprechende Option genannt wird.