Das Potenzial ist da, „es fehlen nur noch die Gäste“, sagt Alexander Svigir. Als er den Biergarten gesehen hatte, die Räumlichkeiten des Lokals und den Parkplatz, da sagte er zu. Am 1. Mai startet der neue Pächter im Tapach Garten im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen. Auch wenn das Vereinsheim des Kleingärtnervereins in einer idyllischen Landschaft oberhalb des Max-Eyth-Sees liegt, umgeben von Bäumen, mitten im Grünen, wird der Job trotzdem nicht leicht. Denn fast drei Jahre lang war die Gaststätte geschlossen, hatte in der Zeit die Vereinsmitglieder, Gemeinde- und Bezirksbeiräte sowie die Behörden beschäftigt. „Uns freut es sehr, dass ein traditionsreicher Ort wieder zum Leben erweckt wird“, sagt der Vereinsvorsitzende Sebastian Krause.
Der Innenraum im Lokal: Freundlich und schick. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Eigentlich sah alles nach einem geordneten Überhang aus: Nach mehr als 20 Jahren hatte sich Zoran Susic im August 2023 von seinem Restaurant Tapach verabschiedet, es damals an zwei Nachfolgerinnen übergeben. Was dann passierte, kann Sebastian Krause nicht genau erklären, „das Unheil nahm seinen Lauf“, fasst er die Situation zusammen. Von der Stadt Stuttgart gab es jedenfalls keine Genehmigung mehr für den Betrieb des Vereinslokals als öffentliches Restaurant, obwohl es bereits seit den 1980er Jahren als solches geöffnet war. Was der Auslöser dafür war und wer Schuld daran hatte, kann der Vereinsvorsitzen in Nachhinein nicht genau sagen. Bis „die Unklarheiten“ geklärt waren, dauerte es, was die Kleingärtner Geld und Energie kostete.
„Die Schließung war nicht nur schlecht für den Verein, sondern auch schlecht für Zuffenhausen“, betont Sebastian Krause. Das Lokal der Tapachgärtner war ein Treffpunkt gewesen für viele Stammtische, für Senioren zum Mittagstisch und für Familien am Wochenende. Weil es in Zuffenhausen kaum noch Gaststätten mit Räumlichkeiten für Feiern gebe, sei der Saal oft gebucht worden. Obwohl schon lange geschlossen war, erhielt Sebastian Krause jede Woche zweistellige Reservierungsanfragen. Mit Hilfe des neuen Wirts und der Lokalpolitik seien die Probleme schließlich aus dem Weg geräumt worden. Mitglieder und Wirt renovierten das Restaurant. Alexander Svigir verlegte einen schicken Boden in Holzoptik, kaufte neues Mobiliar, richtete die Küche neu ein. Tapach Garten hat er das Lokal genannt.
Für den Verein ist der Pächter ein Glücksgriff: „Die Leute warten nicht gerade darauf, Gastronomie zu machen“, sagt Sebastian Krause. Alexander Svigir ist erfahren, Gastronom in dritter Generation, seit zehn Jahren führt er ebenfalls in Zuffenhausen die Gaststätte Kirchtal. Spezialitäten aus seiner Heimat Kroatien will er bei den Tapachgärtnern anbieten, Fleisch vom Grill, Fisch, Cevapcici, „für unsere Rinderleber sind wir bekannt“, sagt er. Er plant, einen speziellen Schmortopf aufzustellen. Für die Eröffnung am 1. Mai hat er Spanferkel, Kalbsbraten und Wildgulasch vorbereitet. Zwiebelrostbraten, Maultaschen und Schnitzel, eben „alles, was die Leute lieben“, wird außerdem auf seiner Speisekarte stehen. Den Mittagstisch will er wieder einführen. „Ich glaube, hier kann man etwas Gutes daraus machen“, ist Alexander Svigir überzeugt.
Ein Treffpunkt für Zuffenhausen
Verein
Die Tapachgärtner zählen aktuell 204 Mitglieder. Alle 196 Gärten sind verpachtet. Ein Generationenwechsel habe gerade stattgefunden, berichtet Marcel Noack, der stellvertretende Vorsitzende.
Umgebung
Die Kleingärten liegen im Naherholungsgebiet Tapachtal, wo sich auch ein Spielplatz befindet. Die Wetterstation und das Baseballfeld der Stuttgart Reds sind in der Nähe. Es gibt Wiesen und Grillstation und Liegestühle in der Grünfläche. „Im Sommer ist richtig viel los“, sagt Marcel Noack. In 15 Minuten erreichen Spaziergänger den May-Eyth-See.