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Stuttgart – Der Wolkenkratzer wuchs in den Himmel und sollte zum neuen Wahrzeichen einer ganzen Region werden. Doch heute ist der 107 Meter hohe Schwabenland-Tower ein hässliches Mahnmal aus Beton, das seinen langen Schatten über Fellbach wirft. Knapp zwölf Jahre nach dem Spatenstich steht die riesige Bauruine leer und rottet vor sich hin.

Die einzigen Bewohner: ein Turmfalken-Paar und ihre Küken ganz oben auf dem Dach. Neun Kilometer weiter, unten im Talkessel von Stuttgart, sitzen die früheren Bauherren Michael Warbanoff (79) und sein Sohn Mark Warbanoff (46) auf der Anklagebank des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vorsätzliche Insolvenzverschleppung vor.

Dabei begann alles mit großen Plänen. Am 28. Mai 2014 erfolgte der Spatenstich für das dritthöchste Wohnhaus Deutschlands. Damaliger Projekt-Name: Gewa-Tower. Geplant waren 65 exklusive Eigentumswohnungen auf 34 Etagen sowie ein Business-Hotel mit rund 110 Zimmern.

Michael Warbanoff (79) und Sohn Mark auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts

Michael Warbanoff (79) und Sohn Mark (46) auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts

Foto: Michael Hahn

Beim Richtfest schon zahlungsunfähig?

Am 9. September 2016 wurde Richtfest gefeiert. Doch zu diesem Zeitpunkt soll die Firma der Warbanoffs, die „GEWA 5 to 1 GmbH“, bereits seit mehreren Monaten zahlungsunfähig gewesen sein. Das Minus soll bei rund sechs Millionen Euro gelegen haben.

Schon seit zehn Jahren überragt die 107 Meter hohe Bauruine den Ortskern von Fellbach bei Stuttgart

Schon seit zehn Jahren überragt die 107 Meter hohe Bauruine den Ortskern von Fellbach bei Stuttgart

Foto: Andreas Rosar

Den Antrag auf Insolvenz sollen Michael und Mark Warbanoff erst fünf Monate nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit beantragt haben. Zudem sollen sie gegenüber der Presse noch bis kurz vor der offiziellen Pleite den Eindruck erweckt haben, es gebe keine Zahlungsschwierigkeiten.

Wohnungskäufer bleiben auf Kosten sitzen

Am ersten Verhandlungstag erklärte Richter Christian Klotz (55), dass eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen von bis zu 260 Tagessätzen pro Angeklagtem geprüft wird. Die Gründe: Der Baufirma blieben sie am Ende nur eine halbe Million Euro schuldig. Im Vergleich zu anderen Insolvenzverschleppungen seien fünf Monate „eher gering“. Und sollte sich der Prozess bis in den November hinziehen, droht eine Verjährung.

Die Küken eines Turmfalken-Paars auf der Bauruine. Während diese Aufnahme entstand, lief der Prozessauftakt

Die Küken eines Turmfalken-Paars auf der Bauruine. Während diese Aufnahme entstand, lief der Prozessauftakt

Foto: NABU Fellbach

Für die Anleger, die dutzende teure Wohnungen im Gewa-Tower erworben haben, sind diese Aussichten bitter. Ein Großteil der 35 Millionen Euro aus den damaligen GEWA-Anleihen ging durch die Insolvenz verloren. Zur Finanzierung des Projekts wurde einst eine Anleihe im Gesamtwert von bis zu 35 Millionen Euro im Jahr 2014 aufgelegt. Sie war mit 6,5 Prozent jährlich verzinst. Die Angeklagten sollen den Anlegern falsche Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse und über den Stand beim Bau des Hochhauses gemacht haben. Gegenüber BILD wollte sich Michael Warbanoff am ersten Verhandlungstag nicht äußern.

Derweil rätseln die Menschen in Fellbach, wie es mit dem Schandfleck ihrer Stadt weitergeht. Im vergangenen Sommer kaufte der örtliche Investor Joachim Ebner die Bauruine mit dem aktuellen Namen „Schwabenland-Tower“. Noch ist unklar, wie er den Rohbau retten will.