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Berlin – Zehntausende Menschen eroberten bei sommerlichem Wetter am freien Feiertag die Straßen, Parks und Plätze der Hauptstadt. Voll Berlin, voll 1. Mai! In Kreuzberg ging teilweise nichts mehr. U-Bahn-Stationen und der berüchtigte Görlitzer Park mussten gesperrt werden.
Am Vormittag zog die DGB-Demo mit etwa 7000 Teilnehmern durch Berlin-Mitte zum Roten Rathaus, bei einer Fahrrad-Demo nach Grunewald machten 3600 mit. Unter dem Motto „Ihr wollt keine Reichen mehr! Wir wollen keine Armen mehr“ hielten etwa 5 FDP-Anhänger eine Gegenkundgebung zum Protest im Villenviertel ab.

Stimmung wie zur Loveparade der frühen 90er bei Rave-Protesten am Treptower Park
Foto: REUTERS
Bereits mittags war der Görlitzer Park gefüllt. Dort waren für den ganzen Tag Musik-Demos gegen den Görli-Zaun angemeldet. Ab 15 Uhr hielten die Züge der U-Bahn-Linien U1 und U3 nicht mehr zwischen Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof – zu voll. Später wurde der Bereich bis zum Halleschen Tor ausgeweitet, am späten Nachmittag mussten dann aus Sicherheitsgründen auch die Zugänge zum überfüllten Görlitzer Park geschlossen werden. Kurios: Der Zaun war durch einen zweiten Baustellenzaun geschützt worden.
Gleichzeitig demonstrierten und feierten etwa 15.000 bei diversen Musikveranstaltungen im Treptower Park, an der Puschkinallee und am Schlesischen Busch. Die Raver protestierten gegen Clubsterben, Kultursparen und den A100-Ausbau. Sie forderten ein autofreies Berlin und bezahlbaren Wohnraum.

Am Kreuzberger Mariannenplatz feierten Tausende die Berliner Rapperin Ikkimel
Foto: Fabian Sommer/dpa
Rapperin Ikkimel heizte Mariannenplatz ein
„Wir haben derzeit eine Stimmung in der Stadt, die ausgelassen und fröhlich ist“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) am Nachmittag. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel zeigte sich optimistisch: „Es besteht die Hoffnung, dass sich der friedliche Trend des 1. Mai in Berlin fortsetzt und die Stadt zukünftig für einen Tag der Arbeit mit Versammlungen und fröhlich feiernden Menschen in Parks und auf Straßen steht.“
Die wohl größte Menschenmasse zog die Berliner Rapperin Ikkimel an. Bei einer Veranstaltung der Linken auf dem Mariannenplatz gab die Musikerin am Abend ein Gratiskonzert. Tausende kamen, um die provokante Performance zu feiern.

Die U-Bahnen der Linie 1 fuhren an drei Stationen durch, weil Bahnhöfe und Umgebung überfüllt waren
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die umliegenden Straßen bis zum Kottbusser Damm wurden zur Party-Zone. An jeder Ecke legte ein DJ auf oder es wurde laute Musik gespielt. Kneipen, Cafés und Spätis wurden zu kleinen Klubs, vor denen Berliner und Touristen tanzten und feierten.

Die Demo am Abend in Kreuzberg startete schon zu Beginn mit Nebeltöpfen
Foto: Fabian Sommer/dpa
Mit fast zwei Stunden Verspätung setzte sich kurz vor 20 Uhr auch die „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“ in Bewegung. Laut Polizei etwa 10.000 Teilnehmer versammelten sich am Oranienplatz.
Die Route über Oranienstraße und Wiener Straße nach Neukölln zur Sonnenallee und weiter zum Südstern war zu Beginn von friedlich feiernden Menschen blockiert.

Bei der Demo gab es in der Sonnenallee vereinzelte Festnahmen
Schon zu Beginn vermummten sich einzelne Demo-Teilnehmer. Nebeltöpfe und Pyrotechnik wurden gezündet. Zu Ausschreitungen kam es zunächst nicht.