Geschichten über Gewässer

Kölns Weiher und Seen verbergen Skandale und Mythen

Aktualisiert am 01.05.2026 – 22:15 UhrLesedauer: 3 Min.

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Aachener Weiher (Archivbild): Auf den Wiesen genießen Studenten, Spaziergänger und Partyvolk die sommerlichen Temperaturen. (Quelle: IMAGO/Christoph Hardt)

Nicht nur der Rhein verursacht Schlagzeilen: Auch Kölns Weiher und Seen bergen Skandale, Mythen und überraschende Geschichten.

Die Beziehung der Kölner zum Wasser ist besonders. Der Rhein hat die Stadt über Jahrhunderte geprägt und Köln sogar zu einem wichtigen Standort der Hanse gemacht. Bis heute wird seine Qualität – etwa im Karneval – gefeiert. Zahlreiche Geschichten und Legenden ranken sich um den Fluss. Doch auch abseits des Rheins haben Kölns Gewässer immer wieder für Aufsehen gesorgt.

Direkt am Museum für Ostasiatische Kunst führt eine unscheinbare Holzbrücke über den Aachener Weiher. Auf den ersten Blick wirkt sie unbedeutend – tatsächlich spielte sie jedoch eine zentrale Rolle in einem der größten Korruptionsskandale der Stadt. Über Jahre hinweg war ein Unternehmen für die Wartung zuständig und führte diese mit auffällig großem Aufwand durch.

Insgesamt 175 Holzbohlen waren Wind und Wetter ausgesetzt und sollten regelmäßig ersetzt werden. Innerhalb von acht Jahren wurden 272 Bohlen ausgetauscht. Später stellte sich heraus, dass viele davon gar nicht beschädigt waren und ein Austausch nicht nötig gewesen wäre. Im Dezember 1998 griff die Polizei ein: 51 Firmen und Privatwohnungen wurden durchsucht, 38 Menschen festgenommen – darunter auch 22 Beschäftigte der Stadtverwaltung.

Die Posse um die Brücke ging aber noch weiter. 2009 wurde sie gesperrt: Einsturzgefahr. Eine Behelfsbrücke sollte für kurze Zeit errichtet werden – und blieb fünf Jahre lang. Die heutige Version der Brücke besteht erst seit 2014.

Im Dezember 2015 die Leiche des getöteten Thomas K. gefunden in einem Gebüsch im Blücherpark gefunden. Die Polizei vermutete schnell, dass die Tatwaffe im nahegelegenen Blücherparkweiher versenkt worden war. Die Polizei begann, den Weiher abzupumpen. Die Presse berichtete ausführlich darüber. Fische mussten gefangen und umgesiedelt werden, darunter ein 1,70 Meter langer „Monsterwels“. Zudem förderte der Grund des Weihers zahlreiche kuriose Gegenstände zutage: darunter vier aufgebrochene Tresore.

Was auffiel: Die Presseberichte lieferten außergewöhnliche Detailtiefe: Wie viele Polizisten nachts das Gelände sicherten, wie das THW das Abpumpen plante, welche anderen Dinge sonst noch so im Schlamm vermutet wurden und Ähnliches.

Nach wenigen Tagen dann die Nachricht: Der Tatverdächtige wurde festgenommen, er gestend die Tat, das Abpumpen wurde abgebrochen. Wie sich später herausstellte, war der Täter schon früh als Verdächtiger in den Fokus der Polizei geraten. Was aber fehlte, waren Beweise. Die Polizei inszenierte das Leerpumpen des Weihers gezielt medial und gab Informationen direkt an die Presse weiter – so jedenfalls der Verdacht der berichtenden Journalisten. Das Ziel: Die massive Berichterstattung sollte den Tatverdächtigen unter Druck setzen – was letztlich gelang. Bei einem Verhör gestand er die Tat. Er hatte das Opfer mit einem Stein erschlagen.