Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor mehr als vier Jahren seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Dabei setzte das russische Militär auch auf den systematischen Beschuss des Hinterlands der Ukraine durch Drohnen und Raketen, wodurch Zivilisten getötet und verletzt, aber auch Infrastruktur beschädigt wurde.
Inzwischen beantwortet Kiew diese Taktik mit eigenen Drohnenschwärmen, die tief in russisches Gebiet vordringen und zuletzt sogar Ziele im Uralgebirge 2.000 Kilometer von der Grenze entfernt attackierten. Neben militärischen Objekten greift die Ukraine dabei bevorzugt Anlagen der Ölindustrie an, um den russischen Streitkräften die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Finanzierung des Kriegs zu erschweren. Symptomatisch ist eine anhaltende Serie von Attacken gegen den Petrolkomplex in der südrussischen Hafenstadt Tuapse. Mit dieser Taktik will Kiew Moskau dazu zwingen, den Krieg zu beenden.
Die Ukraine will im Sommer mit einer umfassenden Reform ihrer Streitkräfte dem Personalmangel bei der Infanterie und der Erschöpfung seit langem eingesetzter Soldaten entgegenwirken. Die Details der Pläne sollen im Mai ausgearbeitet werden, bevor die Umsetzung im Juni beginne, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag auf Telegram. Erste Ergebnisse müssten bereits im Juni vorliegen. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der sein Amt im Januar mit dem Auftrag angetreten hatte, die Mobilmachung zu verbessern, sprach von einer „systemischen Transformation“ der Armee. Geplant seien unter anderem eine gerechtere Bezahlung, ein neues Vertragssystem mit klaren Dienstzeiten sowie eine transparente Rotationspolitik.
Selenskyj zufolge soll der Sold für Posten ohne Kampfeinsatz um ein Drittel auf mindestens 30.000 Hrywnja (rund 580 Euro) im Monat steigen. Für Kampfeinsätze sowie für Kommandeure und Offiziere sei eine deutlich höhere Vergütung vorgesehen. Spezielle Verträge für die Infanterie sollen mit 250.000 bis 400.000 Hrywnja (4.850 bis 7.760 Euro) dotiert werden. „Ein ukrainischer Infanterist, der die Frontlinie hält, muss spüren, dass unser Staat ihn wirklich respektiert“, so Selenskyj. Die geplanten Anhebungen dürften die finanziellen Engpässe des Landes weiter verschärfen, da Kiew stark von ausländischer Hilfe abhängig ist. Militärexperten schätzen, dass derzeit mehr als eine Million Menschen in der ukrainischen Armee dienen.