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Bregenz (Österreich) – Sandra Tiefnig war 19 Jahre alt, wollte gerade Matura (Abitur) machen und Lehrerin werden. Doch dann änderte ein Moment alles. Ihr Herz blieb stehen. Die junge Österreicherin überlebte knapp, ihr bisheriges Leben war trotzdem ausgelöscht. Keine Erinnerung an ihre Kindheit und die Schulzeit. Nicht einmal ihre eigenen Eltern erkannte sie wieder. Viele Jahre später hat sie ein Buch darüber geschrieben.
„Ich lag drei Wochen lang im Koma. Als ich aufgewacht bin, habe ich mich an nichts mehr erinnert“, sagt die heute 32-Jährige über den lebensverändernden Moment im Jahr 2012 zu BILD. „Ich habe niemanden mehr erkannt, konnte nicht mehr sprechen und laufen.“

Sandra verbrachte im Alter von 19 Jahren viel Zeit im Krankenhaus, nachdem ihr Herz im Unterricht plötzlich stehenblieb
Foto: sandra_maria_tie/instagram
In der Schule bleibt Sandras Herz stehen
Was wie ein normaler Schultag begann, endete am 13. November 2012 in einem Albtraum. Mitten im Politikunterricht hörte das Herz der damals 19-Jährigen auf zu schlagen. Sandra brach zusammen. Zwei Schülerinnen aus der Nachbarklasse reanimierten sofort. Sie waren ausgebildete Ersthelferinnen. Als die Rettungskräfte übernahmen, ging der dramatische Kampf um Sandras Leben weiter. Insgesamt 27 Elektroschocks waren nötig, um ihr Herz wieder zum Schlagen zu bringen. „Die Notärztin wollte unbedingt, dass ich überlebe. Dafür bin ich ihr so dankbar. Sie und die anderen Retter haben mich zu keiner Zeit aufgegeben.“

Da war noch alles in Ordnung. Sandra Tiefnig beim Maturaball, der traditionell zum Beginn des letzten Schuljahres stattfindet
Foto: Privat
Keine Erinnerung, keine Sprache
Drei Wochen lag sie im Koma. Als sie aufwachte, war nichts mehr wie zuvor. Sandra erkannte ihre Familie nicht mehr. „Meine Eltern waren fremde Leute für mich“, sagt sie. Nicht nur ihre Erinnerungen waren verschwunden. Sandra verlor auch ihre Sprache. „Ich habe mich einfach nur leer gefühlt“, so die junge Frau. Kindheitserinnerungen hat sie bis heute keine mehr. Alles, was sie über ihr früheres Leben weiß, erzählten ihr ihre Eltern. „Zum Glück gab es Fotoalben. Meine Mama hat alles protokolliert, von der Kindheit bis in die Jugend“, sagt Tiefnig zu BILD.
Monatelang arbeitete sie mit einer Logopädin daran, wieder sprechen zu lernen, machte Therapien und Rehas. In den folgenden Jahren mussten Ärzte sie immer wieder operieren, weil der Defibrillator Probleme machte. Doch Schritt für Schritt kämpfte sich Sandra zurück ins Leben.
Mehr zum ThemaBei der Reha lernte sie ihren Ehemann kennen
Heute arbeitet Tiefnig als Telefonistin und lebt mit ihrem Ehemann in Bregenz (Vorarlberg). Erst am Mittwoch haben sie geheiratet! Die schrecklichen Erfahrungen ihrer Vergangenheit hat Sandra Tiefnig überwunden – auch wenn sie heute immer noch manchmal Wortfindungsstörungen hat und ihre Kräfte schneller nachlassen als früher. „Noch heute kommen manchmal Erinnerungsfetzen zurück. Vor allem, wenn ich Musik höre“, sagt sie.
„Ich hätte das nie gedacht. Mit 19 Jahren habe ich vor dem Nichts gestanden. Und jetzt stehe ich vor 20 Leuten und heirate die Liebe meines Lebens“, sagt Tiefnig. Ihren jetzigen Mann hat sie bei der Reha kennengelernt.

Das Happy End einer langen Leidensgeschichte – Sandra Tiefnig heiratete am Mittwoch. Ihren Mann lernte sie bei einer Reha kennen
Foto: Guntram Fechtig
Ihre Geschichte und ihren Weg zurück ins Leben hat die junge Frau in ihrem Buch „Das Mädchen ohne Gestern – wie ich alles vergaß und mich selbst neu fand“ festgehalten. „Ich möchte damit allen Hoffnung machen, die sie brauchen“, so die Autorin.