Die Bürgerinitiative „Eiserner Rhein 2.0 – Wegberg lebenswert erhalten“ hat ihre Aktivitäten gegen den geplanten Ausbau der Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach und Dalheim deutlich intensiviert. Im Mittelpunkt steht ein Bürgerantrag, der dem Rat der Stadt Wegberg vorgelegt wurde. Darin fordert die Initiative die Rücknahme des Ratsbeschlusses vom 11. Februar 2025 sowie eine grundsätzliche Neuausrichtung der Planungen.

Im Vorfeld des Antrags suchte die Initiative bereits den Austausch mit Bürgermeister Christian Pape sowie den gesprächsbereiten Fraktionen des Stadtrates. Dabei wurden die politischen Akteure einzeln über den aktuellen Stand der Planungen informiert. Nach Angaben der Initiative ging es dabei auch um „im Hintergrund agierende wirtschaftliche und politische Interessen sowie die aus unserer Sicht bestehenden erheblichen Risiken für Mensch und Umwelt“, wie Günter Arnolds von der Bürgerinitiative erläutert. „Wir wollen keine ideologisch getriebenen Großprojekte, sondern eine Lösung, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert und die Region nicht überfordert“, so Arnolds. Die Initiative sieht insbesondere die geplante Zweigleisigkeit, die Elektrifizierung sowie eine mögliche Verlängerung der Strecke Richtung Roermond kritisch.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die befürchtete deutliche Zunahme des Verkehrsaufkommens. Die Rede ist von über 70 Personenzügen täglich, ergänzt um potenziellen Güterverkehr sowie zusätzliche Belastungen durch industrielle Nutzung. Besonders die mögliche Verlagerung von Güterverkehren auf die Strecke – etwa über Arsbeck in Richtung Industriegebiet Javelin in Elmpt – sorgt für Sorge bei den Beteiligten.

Auch ökologische Aspekte stehen im Fokus der Kritik. Die Initiative warnt vor erheblichen Eingriffen in sensible Naturgebiete, insbesondere bei einer möglichen Trassenführung durch den Nationalpark De Meinweg sowie den Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Aus Sicht der Initiative sei zudem ein geplanter Anschluss an Roermond nicht notwendig, wodurch auch ein durchgehender Ausbau in der vorgesehenen Form infrage gestellt werde.

Statt eines umfassenden Ausbaus setzt die Bürgerinitiative auf alternative Konzepte im Nahverkehr. Gefordert wird ein bedarfsgerechtes Angebot ohne durchgehende Zweigleisigkeit und ohne klassische Oberleitungen. Stattdessen sollen batterieelektrische Züge zum Einsatz kommen, wie sie nach Angaben der Initiative bereits bei Siemens erprobt und im VRR-Gebiet auf vergleichbaren Strecken genutzt werden.

Die Initiative verweist zudem auf die unterschiedliche Zuständigkeit verschiedener Verkehrsverbünde und sieht in einer einheitlichen, modernen Technologie eine wirtschaftlich wie ökologisch sinnvollere Lösung.

Mit dem eingereichten Bürgerantrag ist nun der Rat der Stadt Wegberg gefordert, sich erneut mit dem Thema zu befassen. Die Initiative kündigte an, den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit fortzusetzen und weitere Informationsveranstaltungen zu planen.

Für viele Bürger bleibt damit die grundlegende Frage im Raum, die auch Günter Arnolds formuliert: „Wie viel Infrastruktur-Ausbau verträgt unsere Region – und welchen Preis sind wir bereit dafür zu zahlen?“