Wenn es ein Bild gab, das die Meisterschaft der Eisbären Berlin perfekt zusammenfasste, dann war es das von Lean Bergmann. Im Eishockey ist es ja guter Brauch, dass nach der Pokalübergabe jeder Spieler einzeln vor den Fans feiern darf. Das war auch am Sonntag so, als die Berliner 4:1 bei den Adlern Mannheim gewannen und damit ihren vierten und entscheidenden Sieg der Finalserie einfuhren.
Doch Bergmann war nicht in der Lage, die Ehrenrunde zu laufen. Der Stürmer hatte sich vor einigen Wochen eine schwere Beinverletzung zugezogen, also ließ er sich im Rollstuhl vor den Gästeblock fahren und reckte den Pokal im Sitzen in die Luft.
Die vierwöchige Pause war das Glück der Berliner
Bergmann steht damit sinnbildlich für die Eisbären in der Saison 2025/26. Egal was passiert, am Ende jubeln trotzdem die Berliner. So war das zuletzt fast immer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Der aktuelle Titel ist der zwölfte ihrer Vereinsgeschichte, der fünfte in sechs Jahren, der dritte in Folge. Doch trotz der Dominanz war er wohl auch der überraschendste.
„Keiner hat geglaubt, dass wir dieses Jahr deutscher Meister werden können“, sagte Torhüter Jonas Stettmer bei Magentasport. Weil in allen Mannschaftsteilen teils über Monate die besten Spieler ausgefallen waren. Es gab Phasen, da bekamen die Berliner nicht mal drei volle Reihen aufs Eis, mal halfen Verteidiger im Sturm aus, mal Stürmer in der Verteidigung. Und so sahen die Ergebnisse aus. „Wir konnten nicht den Stil spielen, den wir spielen wollten“, sagte Trainer Serge Aubin, dessen Team zur Olympiapause nur auf Rang sieben stand.
Geht er oder bleibt er? Eisbären-Meistertrainer Serge Aubin soll es zum SC Bern ziehen.dpa
Es war das Glück der Berliner, dass es die vierwöchige Pause gab. Da konnten sie sich „noch mal richtig finden und ausruhen“, sagte Verteidiger Jonas Müller. Danach kamen zumindest einige Verletzte zurück. Bereits die letzten fünf Hauptrundenspiele gewannen die Berliner allesamt – unter anderem gegen die Topteams aus Köln, Mannheim und München – und schafften noch den direkten Sprung ins Viertelfinale der Play-offs.
Dort waren die Eisbären gar nicht mehr zu stoppen, schalteten die besten drei Teams der Hauptrunde aus: Straubing (3.), Köln (1.), Mannheim (2.). Gerade mal 17 Spiele benötigten sie für die zwölf erforderlichen Siege zum Titel. Obwohl es auch dann „einige Widrigkeiten“ (Aubin) gab. Abwehrchef Kai Wissmann wurde gesperrt, Stammtorwart Jake Hildebrand verletzte sich.
Die Ausfälle schweißten das Team zusammen
„Jeder Rückschlag, jede Verletzung – wir sind einfach weitermarschiert. Der Nächste ist gekommen“, sagte Jonas Stettmer, für den das selbst galt. Als eigentliche Nummer zwei im Tor wurde er der überragende Mann der Finalserie, wehrte fast 94 Prozent der Schüsse ab, kassierte weniger als zwei Tore pro Spiel. Hinterher wurde er zum wertvollsten Spieler (MVP) gekürt.
Trainer Aubin wirkte am Sonntag entsprechend emotional. Sein Team hätte nach all den Erfolgen der Vorjahre ja einfach aufgeben können: Ist halt nicht unsere Saison. Aber das tat es nicht, vielmehr schweißten die Ausfälle den Rest zusammen. Zudem sind es die Berliner gewohnt, mit Rück- oder gar Schicksalsschlägen umzugehen. „Die Meisterschaften sind alle speziell, weil es so aussieht, als würde jedes Jahr etwas passieren“, sagte Aubin und spielte damit auf die Vorjahre an.
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Für die DEL ist das dennoch keine gute Nachricht. So spannend die Hauptrunde jedes Jahr ist, in den Play-offs scheint es kein Vorbeikommen an Berlin zu geben. Wenn die Konkurrenz nicht mal dann gewinnt, wenn der Topfavorit angeknockt durch die Saison taumelt, ja wann denn dann? Gerade von den anderen Schwergewichten aus Mannheim, München und Köln muss mehr kommen. Sonst droht der DEL Langeweile.
Vielleicht sorgen aber auch die Berliner selbst dafür, dass es wieder spannend wird. Noch am Sonntagabend gab es Meldungen in Schweizer Medien, dass es Serge Aubin zum SC Bern zieht. Das wäre ein herber Verlust, Aubin hat mit den Eisbären in sieben Jahren keine einzige Play-off-Serie verloren. Ein Lichtblick für die DEL-Konkurrenz? Nicht so schnell, denn geht Aubin wirklich nach Bern, benötigen die Eisbären zwar einen neuen Trainer, aber sie hätten auch eine neue Geschichte zu erzählen.