Unsere Auswertung zeigt, welche Tankstellen in Stuttgart den Tankrabatt weitergeben. Wie stark steigen die Preise seitdem? Und wer hat vor dem 1. Mai an der Preisschraube gedreht?
Seit dem ersten Mai soll Sprit durch den bundesweiten Tankrabatt weniger kosten. Der Andrang auf die Tankstellen war über das Wochenende tatsächlich groß. Zuletzt blieb jedoch fraglich, ob Tankstellen den gesunkenen Steueranteil von 16,7 Cent ganz an die Verbraucher weitergeben – und wann Autofahrer das an der Zapfsäule spüren.
Unsere Redaktion hat stündliche Spritpreise aller Tankstellen in Stuttgart ausgewertet. Wir zeigen, wie sich die Spritreise in der Stadt entwickelt haben und welche Tankstellen den Tankrabatt bisher schon weitergeben. Dabei nutzen wir Daten, die Tankstellen an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts melden.
Die meisten Tankstellen geben Tankrabatt am ersten Mai weiter
Vergleicht man die Spritpreise in Stuttgart am Morgen des ersten Mai um acht Uhr mit denen um 23 Uhr vom Vortag, zeigt sich: Die meisten Stuttgarter Tankstellen gaben den Tankrabatt von rund 17 Cent sofort weiter. Einzelne Tankstellen allerdings noch nicht. Orlen Express in Untertürkheim gewährte sogar bis zu 18 Cent Rabatt auf Super und E10.
Die folgende Grafik zeigt die Differenz der jeweiligen Spritsorten zwischen Donnerstag, 30. April um 23 Uhr und Freitag, 1. Mai um 8 Uhr:
Unter den Tankstellen, die um acht Uhr noch nicht den vollen Tankrabatt weitergegeben hatten, waren am Freitag eine Tankstelle von Avia Xpress in Stuttgart-Ost, eine Total-Energies-Filiale in Stuttgart-Wangen sowie die Scharr-Tankstelle in Vaihingen.
Avia Xpress bot Super und E10 für elf Cent günstiger an, Diesel für 14 Cent günstiger. Total Energies verkaufte Super und E10 für nur fünf Cent günstiger, Diesel war zehn Cent günstiger. Scharr rabattierte E10 überhaupt nicht, Super wurde um ein Cent, Diesel um acht Cent günstiger.
Axel Wolff, einer der Geschäftsführer der Friedrich Scharr KG, erklärt die nur teilweise weitergegebene Senkung der Spritpreise damit, dass zunächst noch ältere Bestände verkauft werden mussten: „Bis wir die Entlastung weitergeben können, müssen die restlichen Bestände erst einmal weg, die wir zu höheren Preisen eingekauft haben.“ Denn die Preisbestandteile – einschließlich Steuern – sind bereits im Einkaufspreis enthalten und nicht erst beim Tanken fällig. Da der 1. Mai ein Feiertag war, konnten sie als kleinere Tankstelle erst am Montag wieder neu zu günstigeren Konditionen einkaufen: „Anders als große Marken wie Jet, Shell oder Aral, die teilweise eigene Raffinerien haben und Preisänderungen dadurch schneller weitergeben können.“
Hatten Tankstellen kurz vor dem Tankrabatt nochmal die Preise erhöht?
Ein Vergleich der Preise nach Tankstellenmarken zwischen 28. bis 30. April und 1. bis 3. Mai zeigt: Der Tankrabatt sorgt dafür, dass die mittleren Spritpreise pro Marke in Stuttgart in den ersten Maitagen tatsächlich durch die Bank niedriger sind als noch Ende April.
Diese Grafik zeigt die preisliche Entwicklung der Spritsorten in Stuttgart nach Marken:
Das liegt aber teilweise auch daran, dass auch die Stuttgarter Tankstellen am Tag vor Inkrafttreten des Tankrabatts nochmal die Preise angehoben haben. Shell hob den Preis für Super und E10 im Tagesmittel um etwa drei Cent pro Liter an, Hem den Dieselpreis ebenso um drei Cent. Noch deutlicher zeigt sich das, wenn man nur die Preiserhöhungen um 12 Uhr betrachtet – also zu dem inzwischen einzigen Zeitpunkt, zu dem Tankstellen ihre Preise pro Tag erhöhen dürfen.
Zur letzten Gelegenheit vor dem Tankrabatt, also am Mittag des 30. April, hat die Aral-Kette über alle Tankstellenmarken im Stuttgarter Raum hinweg die Preise am stärksten erhöht. Diesel wurde dort über alle Stuttgarter Tankstellen hinweg um rund 27 Cent teurer, Super und E10 um bis zu 21 Cent. Ebenso zwischen 19 bis 26 Cent pro Liter Sprit erhöht haben am Mitag die Marken Access, Orlen Express und Hem – allen voran Diesel.
Übers Wochenende weniger Weitergabe des Tankrabatts
Seit dem 1. Mai gilt zwar der Tankrabatt und die Preise sind zunächst dementsprechend gefallen. Doch seitdem haben manche Tankstellen sie stellenweise wieder angehoben, im stuttgartweiten Druchschnitt lagen Super und E10 am ersten Mai bei unter zwei Euro, Diesel mit 2,01 Euro knapp darüber. Am Samstag und Sonntag stiegen die Preise im Schnitt wieder etwas an: Diesel stieg an beiden Tagen auf rund 2,02 Euro pro Liter; Super und E10 blieben am Samstag zunächst bei 1,98 bzw. 1,92 Euro und stiegen dann am Sonntag auf 2,01 Euro bzw. 1,95 Euro.
Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Spritpreise in Stuttgart zwischen Ende April und Anfang Mai:
Wurde der Tankrabatt am Samstag und Sonntag also weniger weitergegeben? Am Morgen des zweiten Mai haben wie auch schon am 1. Mai Avia Xpress und Scharr nicht die vollen 16,7 Cent Rabatt weitergegeben.
Scharr-Geschäftsführer Wolff sagt, dass es noch etwas dauern dürfte, bis Autofahrerinnen und Autofahrer den vollständigen Tankrabatt beim Bezahlen merken. Am Montag jedenfalls seien die Einkaufspreise kaum merklich unter denen vom Donnerstag gelegen, berichtet er. „Die Regierung hätte eher die Mehrwertsteuer oder die CO2-Abgabe senken müssen“, meint Wolff.
Die Preisdifferenz am Samstag und Sonntag zeigt auch die folgende Tabelle. Über die Tabs können Sie zwischen dem 2. und 3. Mai wechseln:
Neben Avia Xpress verkauften jedoch auch Esso, Agip Eni und Jet den Sprit am Samstag teurer, als es der Tankrabatt nahegelegt hätte – abgezogen auch hier von den Preisen vom 30. April um 23 Uhr. Mehr Rabatt gewährten an diesem Tag in der Früh Orlen Xpress, Ran, Shell und Total Energies – letztere auf alle Spritsorten, viele andere nur auf Super und E10.
Bis zum Morgen des dritten Mai hingegen waren die Preise bei den allermeisten Tankstellenmarken wieder deutlich höher als zu Beginn des Tankrabatts. Mehr als 16 Cent unter dem Vor-Rabatt-Niveau lagen nur noch Shell, Avia, bei Diesel auch Agip Eni.
Wie sich der Rabatt weiter auf die Spritpreise auswirkt – und, ob es wirklich dauert, bis der Tankrabatt bei den Autofahrerinnen und Autofahreren ankommt, bleibt abzuwarten.
Spritpreise
Daten
Bei den für die Auswertung genutzten Daten handelt es sich um Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts, an die Tankstellen laufend ihre Preise übermitteln. Wir beziehen sie vom Anbieter Tankerkönig. Bei den Tankstellen handelt es sich um 72 Tankstellen im Stuttgarter Stadtgebiet, deren Preise wir stündlich abfragen.
Wir prüfen dabei, ob Tankstellen zum Zeitpunkt geöffnet waren und entfernen mutmaßlich unplausible Ausreißer. Nicht enthalten ist deshalb die Freie Tankstelle in der Salzburger Straße.
Zeitraum
Für die Analyse haben wir einmal ausgewertet, wie sich die Spritpreise zwischen Donnerstag, 30. April um 23 Uhr und Freitag, 1. Mai sowie Samstag und Sonntag, 2. und 3. Mai jeweils um acht Uhr verändert haben. Preiserhöhungen gemäß der 12-Uhr-Regel analysieren wir anhand der Preise um 11 und 13 Uhr, weil um Punkt 12 Uhr nicht alle Preise bereits in den Daten angepasst wurden.