Immer wieder werden bei Bauarbeiten in Nürnberg Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Am Montagnachmittag wurde eine 70 Kilogramm schwere Fliegerbombe auf dem Nürnberger Südfriedhof entdeckt. Noch am Abend konnte sie erfolgreich entschärft werden.
Fliegerbombe in der Friedhofserde
Eigentlich sollte auf dem Nürnberger Südfriedhof das Fundament eines neuen Grabes ausgehoben werden. Dabei stießen die Arbeiter auf eine 70 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Wie die Stadt Nürnberg mitteilte, wurde der Blindgänger im östlichen Bereich unweit der Trierer Straße entdeckt.
Aktuell stattfindende Trauerfeiern durften noch beendet werden. Doch dann wurden die Trauergäste vom Friedhof geführt. Der Südfriedhof wurde geräumt und anschließend geschlossen. Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei sowie des Kampfmittelräumdienstes waren vor Ort. Ein Evakuierungsradius von 350 Meter wurde festgelegt.
Bombe erfolgreich entschärft
Kurz vor 19 Uhr teilte die Stadt Nürnberg die erfolgreiche Entschärfung der Bombe mit. Mehr als 80 Einsatzkräfte waren vor Ort. Auf der Webseite der Stadt konnten Betroffene über einen offiziellen News-Ticker [externer Link] den Verlauf der Evakuierungs- und Entschärfungsmaßnahmen mitverfolgen.
Die Sperren für die Evakuierungszone wurden anschließend wieder aufgehoben. Die Bewohner konnten in ihre Wohnungen und Häuser zurück und können den Abend und die Nacht somit daheim verbringen. Auch die Betreuungsstelle wurde geschlossen. Der Verkehr ist wieder freigegeben und der Friedhof kann am Dienstag wieder regulär seinen Betrieb aufnehmen.
Immer wieder Bombenentschärfungen in Nürnberg
Erst im März waren auf einer Baustelle in einem neu entstehenden Stadtteil in Nürnberg zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Der am 25. März entdeckte Blindgänger war 252 Kilogramm schwer. Im November des vergangenen Jahres mussten nach einem Bombenfund in Nürnberg 21.000 Bewohner ihre Wohnungen für die Zeit der Bombenentschärfung verlassen. Laut Angaben der Stadt war es die bislang größte Evakuierungsaktion in Nürnberg nach dem Fund einer Weltkriegsbombe.
Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs
Die allermeisten Blindgänger in Deutschland sind Überbleibsel der Flächenbombardierungen durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg zwischen 1942 und 1945. Den größten Angriff erlebte die Stadt Nürnberg am 2. Januar 1945. Damit sollte die „Stadt der Reichsparteitage“ von Hitlers Regime zerstört werden. Britische Langstreckenbomber warfen nach Angaben der Stadt Nürnberg zuerst 6.000 schwere Sprengbomben über der Altstadt und der Süd- und Nordstadt ab. Ihre Zünder waren so programmiert, dass sie nicht beim Aufprall auf die Dächer detonierten. Sie sollten erst explodieren, wenn sie in den unteren Geschossen der Häuser aufschlugen.
Heute noch ein Problem
Als Blindgänger bezeichnet man damit Granaten oder Bomben, die nach dem Abschuss oder Abwurf nicht explodiert sind. Sie stellen nach wie vor ein Problem dar. Mit ihrer Verweildauer im Boden altern die Kampfmittel, sie rosten und werden damit gefährlicher. Laut einem wissenschaftlichen Bericht für den Deutschen Bundestag [externer Link] gab es zwischen 1945 und 2015 mindestens 1.200 Unfälle mit Blindgängern im deutschsprachigen Raum.
Laut bayerischem Innenministerium wurden 2024 allein in Bayern rund 87 Tonnen Bomben, Granaten und Munition aus der Zeit bis 1945 unschädlich gemacht. Im Jahr davor waren es 126 Tonnen. Der Freistaat kommt finanziell ausschließlich für die finale Vernichtung der Sprengsätze durch eine dafür beauftragte Fachfirma auf und gab dafür im Jahr 2024 mehr als zwei Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 waren es rund 1,3 Millionen Euro.