
Hildburg Bruns, Hans-Wilhelm Saure
Buch – Die einst beste Klinik der DDR steht im Ortsteil Buch im Norden Berlins. Sie ist umgeben von Bäumen, inzwischen bewachsen mit Efeu und voller Graffiti.
Nur höchste Politiker, Staatsgäste, Botschafter, prominente Künstler und Wissenschaftler wurden im Regierungskrankenhaus behandelt. Den dortigen Top-Ärzten aus dem Ostblock wurden gerüchteweise Spitzengehälter in harter D-Mark bezahlt. Jetzt prüft Berlin den Verkauf des Lost Place zum Höchstgebot.
Tumor verheimlicht
Bevor die Mauer fiel, ging es hier mit DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker (†1994) schon bergab. „Im August 1989 wurde Honecker in der Regierungsklinik an der Gallenblase operiert. Die Ärzte verschwiegen ihm allerdings, dass sie einen Tumor bei ihm gefunden hatten“, erzählt Prof. Daniela Münkel (64), Leiterin der Forschung im Stasi-Unterlagen-Archiv, zur B.Z.

In den 1980er-Jahren wurde Erich Honecker (1912–1994) mehrmals im Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin-Buch behandelt. Im August 1989 an der Gallenblase Foto: IMAGO/United Archives
Zukunft als Rechenzentrum möglich
Lost-Place-Touristen haben Löcher in den Metallzaun geschnitten. Die Ruine umgibt ein Kranz aus zersplitterten Scheiben, es knirscht unter den Füßen. Nach ein paar Nachwende-Jahren mit Normalo-Patienten, wurde der Klinikbetrieb 2007 beendet. Seitdem: Leerstand.
Inzwischen ermöglicht eine Änderung des Planungsrechts eine neue gewerbliche Nachnutzung. Lange wurde über ein Landesrechenzentrum verhandelt – das klamme Land Berlin kann das aber nicht selbst stemmen.

In der Klinik stand einer von acht Computertomografen der DDR. Es gab zudem sonst unerreichbare West-Medikamente Foto: akg-images/ddrbildarchiv.de
Atomschutzbunker mit OPs
Eine kleine Rampe unter einem Flachbau führt zu einer verrammelten Stahltür mit Lüftungslöchern – offenbar der Zugang zum früheren Atomschutzbunker. Auf das Areal kam man zu DDR-Zeiten nur mit Sonderausweis. Spitzenfunktionäre hatten eigene Räume für ihre Personenschützer von der Stasi. Erst nach dem Mauerfall, im Januar 1990, öffnete sich die Klinik kurze Zeit für „Werktätige aus Berliner Betrieben“.

Am Ende einer Rampe befindet sich diese verrammelte Tür mit Lüftungslöchern. Offensichtlich ein Notausgang des Atomschutzbunkers mit Notwasseranlage, in dem es auch OPs gab Foto: Hildburg Bruns
Da die Sicherung des Areals Hunderttausende Euro verschlingt, wird jetzt ein Verkauf geprüft. Der Aufsichtsrat der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hat ihn nach B.Z.-Informationen beraten und einem „Bieterverfahren“ zugestimmt.
Was sich Berlin ausrechnet? Ein Mindestpreis soll nicht festgesetzt werden. Berechnungen veranschlagten eine Komplettsanierung mit 210 Millionen Euro. Die Hauptstadt hat bei der Nutzung durch Private immer noch ein Rechenzentrum auf dem Zettel.

Die Drohnenaufnahme zeigt die Ausmaße der früheren Luxusklinik im Ortsteil Buch nahe der Hobrechtsfelder Chaussee 96, in der 58 Fachärzte arbeiteten Foto: © Parwez
Wenn die Verkaufsentscheidung definitiv fällt, soll der Gebäudekomplex auf einschlägigen Portalen angeboten werden. Beim Zuschlag gilt das höchste Gebot. Die Alternative: Abriss für rund 86 Millionen Euro und ein Neubau auf dem alten Grundriss.