Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Michael Kotzbauer, hat das bisherige Übernahmeangebot der italienischen Großbank UniCredit als nicht ausreichend bezeichnet. »Was die UniCredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie zahlt«, sagte Kotzbauer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Am Montag hatten die Aktionäre der UniCredit für eine Übernahme der Commerzbank gestimmt. Sie votierten auch für eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien. Diese Aktien will die UniCredit den Commerzbank-Aktionären zum Tausch anbieten.
Kotzbauer übte Kritik an der Art und Weise, wie die Gespräche geführt worden seien. »In keinem dieser Treffen war UniCredit aber je daran interessiert, über unser Geschäftsmodell oder ihre Pläne bei der Commerzbank zu reden. Das hat sie erst getan, nachdem sie diesen März unabgestimmt ein Angebot an unsere Aktionäre angekündigt hatte.« Auch wegen dieser Vorgehensweise und wegen sehr unterschiedlicher Ansichten zum Geschäftsmodell habe die Commerzbank Anfang April die Übernahme abgelehnt.
Nettogewinn von UniCredit stieg auf Rekordwert
Dabei ist die UniCredit besser ins Jahr gestartet als von Analysten erwartet. Der Nettogewinn der italienischen Bank stieg im ersten Quartal um 16 Prozent auf den Rekordwert von 3,22 Milliarden Euro, wie die UniCredit in Mailand mitteilte. Auch die Erträge fielen mit 6,87 Milliarden Euro nicht nur fünf Prozent besser aus als ein Jahr zuvor, sondern übertrafen ebenfalls die Analystenschätzungen. Für das Gesamtjahr rechnet die UniCredit nun mit einem Nettogewinn von mindestens elf Milliarden Euro.
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Vorstandschef Andrea Orcel erklärte, die Zahlen zeigten die Stärke und die Beständigkeit des Geschäftsmodells und die Umsetzung der Strategie. Die UniCredit werde noch am Dienstag das offizielle Übernahmeangebot für die Commerzbank vorlegen, mit dem Orcel die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschreiten und sich damit freie Hand für weitere Aktienkäufe schaffen will.
Die UniCredit hatte im März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Aktien des Frankfurter Dax-Konzerns angekündigt. Damals hieß es, die UniCredit wolle je Commerzbank-Papier 0,485 neue UniCredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertete die UniCredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Die Commerzbank-Aktie ist inzwischen aber an der Börse deutlich teurer.
Die UniCredit ist mit Abstand größter Anteilseigner der Commerzbank vor dem deutschen Staat. Erst kürzlich präsentierte UniCredit-Chef Andrea Orcel einen Umbauplan für den Fall einer Übernahme, demzufolge rund 7.000 Stellen in Deutschland entfallen könnten. Das Institut mit Sitz in Mailand verspricht sich Vorteile im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in Deutschland. Hierzulande ist die UniCredit schon mit ihrer Tochter HypoVereinsbank (HVB) vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde.
Commerzbank
Bettina Orlopp:
Kann diese Frau die Commerzbank retten?