Als „Abrissbirne für die stationäre Krankenversorgung“ hatte Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) das vorige Woche vom Bundeskabinett beschlossene Sparpaket von Ministerin Nina Warken (CDU) bezeichnet. „Ich habe diesen Worten nichts hinzuzufügen“, sagte der Chef der Berliner DRK-Kliniken, Christian Friese, am Dienstag bei einem Pressegespräch über die dadurch nicht einfacher werdende Unternehmenstransformation. Zu dieser zwingt der Bund alle stationären Versorger im Land: mit der von Warkens Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) angepeilten Klinikreform. Mehr medizinische Qualität in weniger Häusern ist das Ziel.

Die DRK-Kliniken waren einer der ersten, die auf die Lauterbachsche Reform reagierten. Der gemeinnützige Träger entschied Anfang 2025, den kleinsten der drei Klinikstandorte in Wedding aufzugeben und dessen Stationen an das Krankenhaus in Westend zu verlegen. Zunächst hatte es geheißen, die Klinik in der Drontheimer Straße mit ihren 260 Betten werde schon 2026 schließen. Das sei nicht richtig, so Friese. Vielmehr beginne in dem Jahr der Umzug. Erst 2028 gebe es dort keine stationäre Versorgung mehr.

Kalter Strukturwandel

Die frühe Reaktion dürfte nicht nur, aber vor allem aus ökonomischem Druck erfolgt sein. Die Klinikgruppe hatte mehrere Jahre in Folge hohe Defizite erwirtschaftet. Warkens Sparmaßnahmen für die gesetzliche Krankenversicherung erhöhen den Druck. Friese erwartet 15 Millionen Euro weniger Einnahmen pro Jahr. Die gute Nachricht: Der Senat wird aus dem Krankenhausstrukturfonds voraussichtlich 91 Millionen Euro für den Umzug beisteuern. Das Geld ist dringend nötig, denn die Investitionen, die das Land allen für die Versorgung nötigen Krankenhäusern zahlen muss, sind nach Ansicht von Branchenkenner:innen seit Jahren zu niedrig.

Mit den staatlichen Mitteln wollen die DRK-Kliniken ihren Standort am Spandauer Damm in Westend zum sogenannten Level-3-Klinikum umbauen, einem Maximalversorger. Am Standort in Köpenick ist das Klinikum bereits eine solche Fachklinik, die sämtliche medizinische Eingriffe durchführen darf. Auch das ist mit der Krankenhausreform so gewollt. Nur wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt und genügend Fachpersonal beschäftigt, darf künftig mit den gesetzlichen Krankenkassen diese Leistungen abrechnen.

DRK-Kliniken Berlin Standort Mitte Viele Stationen werden aus Mitte nach Westend umziehen.

© Simon Schwarz

Gut wäre in dem Wandel aber ein geordneter Übergang, sagte Friese. Das geschieht seiner Meinung nach nicht. Der Präsident der Berliner Ärztekammer, Peter Bobbert, hatte kürzlich ebenfalls kritisiert, dass das Land zu wenig steuere und seine Kliniklandschaft einem „kalten Strukturwandel“ aussetze. Eigentlich ist es Aufgabe des Landes, zu beschließen, wo welche Versorgung nötig ist: mit dem sogenannten Landeskrankenhausplan. Diesen hat Gesundheitssenatorin Czyborra noch immer nicht vorgelegt. Klinikdirektor Friese meint, die Hauptstadt brauche nicht über 60 Krankenhäuser und 37 Rettungsstellen, und deutet eine Überversorgung an.

Kein Kino, keine Spielothek

Berlin hat zuletzt einige Indizien für einen kalten Strukturwandel geliefert: Mehrere Häuser mussten aufgrund von finanzieller Not Insolvenz anmelden. Das Jüdische Krankenhaus, wie die DRK-Kliniken Mitte an der Osloer Straße in Wedding gelegen, kämpft seit Dezember ums Überleben. Schließen musste im Januar die Schlosspark-Klinik in Charlottenburg. Ironischerweise profitiert davon der Standort der DRK-Kliniken in Westend: Er hat das gesamte Team der Schlaganfall- und der neurologischen Station übernommen.

Mehr zum Thema:Charité kündigt Tarifvertrag – wegen Sparvorgaben? Berlins Uniklinik stellt Entlastung der Pflegekräfte infrage Ein Krankenhaus kehrt aus Berlins Schlosspark-Klinik behandelt am Freitag ihren letzten Patienten Es trotzte dem Naziterror Jetzt kämpft das Jüdische Krankenhaus Berlin ums Überleben

Wie es nach 2028 mit dem Gelände der DRK-Kliniken in der Drontheimer Straße weitergeht, sei noch nicht entschieden, sagte Doreen Fuhr, Oberin der DRK-Schwesternschaft. Die Schwesternschaft ist alleinige Gesellschafterin der DRK-Kliniken. Es werde kein Kino und keine Spielothek einziehen, sagte sie. Möglich sei, dass das Gelände zum Gesundheitszentrum oder zu Wohnraum umgewandelt werde.