Die Café-Kette und Kaffeerösterei The Barn sieht sich derzeit mit schweren Vorwürfen konfrontiert. In einem Instagram-Post wird dem Berliner Unternehmen vorgeworfen, einen ehemaligen IDF-Soldaten zu beschäftigen, der seine Kundschaft belästigt haben und versucht haben soll, sie von ihrer propalästinensischen Haltung abzubringen.
Mitarbeiter soll „Genozid-Unterstützer“ sein
„Heute wurde ich unerwartet von einem Ex-IDF-Soldaten belästigt, als er mich auf meine Palästina-Halskette ansprach“, schreibt Kevin-Ahn Kwang Soo-Groen in seinem viralen Post, unter dem mittlerweile Hunderte kommentiert haben. Bei einem Besuch in der Filiale am Hackeschen Markt sei der Poetry-Slam-Künstler am 1. Mai nach eigener Darstellung von einem Barista bedrängt worden.
Unter dem Beitrag positionieren sich zahlreiche Nutzer nun klar gegen die Café-Kette, und auch der Verfasser des Posts stellt die Frage in den Raum, ob nicht ein Boykott angebracht sei.
Der Mitarbeiter sei ihm von früheren Besuchen zwar bekannt gewesen, zuvor jedoch nicht negativ aufgefallen. Nun beschreibt er ihn als „(Ex-)IDF-Soldat, Zionist und Genozid-Unterstützer“.
Laut eigener Darstellung wollte Kwang Soo-Groen lediglich einen Kaffee bestellen. Als er an der Reihe war, habe der Barista auf seine Kette gezeigt und gesagt: „Das ist aber enttäuschend.“ Statt die Bestellung weiter aufzunehmen, habe er eine Diskussion begonnen. Dabei habe er zu verstehen gegeben, er sei Soldat der israelischen Armee gewesen und habe die Ereignisse des Hamas-Angriffs aus erster Hand erlebt.
Zustimmung wird geprüft…
Im weiteren Verlauf soll der The-Barn-Mitarbeiter ihn aufgefordert haben, zu erklären, was seine Kette bedeute. Es entwickelte sich wohl eine längere Diskussion über den Nahostkonflikt und den Gaza-Krieg. In seinem Beitrag dokumentiert Kwang Soo-Groen ausführlich, wie man aus seiner Sicht auf derartige Ansprachen reagieren sollte, wenn man auf das Tragen politischer Symbole wie Palästina-Flaggen oder Keffiyehs angesprochen wird – und erläutert die vermeintliche Argumentationstaktik seines Gegenübers.
The Barn: „Wir haben keine Toleranz für Rassismus“
„Abgesehen von der völligen Unprofessionalität stellt dies eine Belästigung dar“, wirft er dem Mitarbeiter vor. Dieser habe ihm seine Bedienung verweigert und ihn verbal unter Druck gesetzt. Eine offizielle Beschwerde bei The Barn wolle er zwar prüfen, hält sie aber für wenig erfolgsversprechend: Die Geschäftsleitung werde ohnehin für ihren Mitarbeiter Partei ergreifen.
Kwang Soo-Groen erklärt, von Beginn nicht an einer Diskussion interessiert gewesen zu sein: „Um es klarzustellen: Es macht wenig Sinn, mit einem IDF-Soldaten zu diskutieren, der persönlich am Völkermord beteiligt war.“ Da er jedoch noch Zeit gehabt habe, habe sich das Gespräch dennoch im Beisein anderer Gäste und Mitarbeitender fortgesetzt.
The Barn reagierte wenige Stunden nach Veröffentlichung des Posts mit einer Stellungnahme: „Wir nehmen diese Berichterstattung sehr ernst. Wir haben keine Toleranz für Rassismus.“ Die Situation werde derzeit intern geprüft, man spreche mit allen Beteiligten. „Basierend auf den Fakten werden wir klare Maßnahmen ergreifen.“ Eine weiterführende Anfrage der Berliner Zeitung blieb bislang unbeantwortet.
In den Kommentaren zeigen sich nicht nur viele Nutzer solidarisch mit dem Vorwurf. Auch andere Berliner Cafés positionieren sich ausführlich gegen ihre Konkurrenz – noch bevor The Barn aus dem Sachverhalt mögliche Konsequenzen ableiten konnte. So wendet sich etwa das Café Acid in Mitte direkt an Kevin-Ahn Kwang Soo-Groen: „Du bist immer willkommen bei Acid, unsere Räume sind auf Respekt, Inklusivität und null Toleranz gegenüber jeder Form von Diskriminierung gebaut.“
Weiter heißt es im Statement des Cafés: „Wir stehen fest gegen den Zionismus.“ Zudem wird die Idee einer gemeinsamen Boykottliste innerhalb der Berliner Gastronomie diskutiert.
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