Bündnis „hannover unterwegs“ vor dem Neuen Rathaus
Ein breites Bündnis aus über 37 Klima- und Umweltschutzgruppen, Verkehrswendeinitiativen, Gewerkschaften, Interessenvertretungen von Schüler:innen und Kita-Kindern, Sozialverbänden sowie Vereinen aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Kultur und Sport hat unter dem Namen „hannover unterwegs – Mobilität für uns alle!“ einen offenen Brief mit einer Vision und Forderungen für sichere, gerechte und zukunftsfähige Mobilität veröffentlicht und an Kandidierende für das Amt des:r Oberbürgermeister:in sowie des:r Regionspräsident:in überreicht.
„Unsere Vision ist ein lebenswertes, zukunftsfähiges und entspanntes Hannover, in dem sich alle Menschen sicher, klimafreundlich und komfortabel fortbewegen können“, so Martina Winter. „Das gilt besonders auch für Kinder, mobilitätseingeschränkte oder auch ältere Menschen.“
„Das geht nur durch mehr Sicherheit für Zufußgehende und Radfahrende, das konsequente Verfolgen der „Vision Zero“, durch mehr Barrierefreiheit und gerechten Zugang zu Mobilität und öffentlichem Raum, durch klimafreundliche und zukunftsfähige Mobilität. Damit erhöhen wir zugleich die Lebensqualität in Hannover“, erklärt Johanna Gefäller. „Und die Größe und besonders auch die Breite des Bündnisses zeigen deutlich, wie viele ganz unterschiedliche Gruppen und Menschen sich Mobilität wünschen, die sicher, gerecht, zugänglich, gesund und zukunftsfähig ist!“
„Deshalb haben wir Forderungen erarbeitet, die diese Themen adressieren. Denn andere Städte machen uns ja vor, dass und wie es besser geht: In Helsinki ist seit 2015 kein Kind mehr im Straßenverkehr verstorben, seit 2024 überhaupt kein einziger Mensch!“, ergänzt Simon Kapitzke.
hannover unterwegs – Mobilität für uns alle!
Unsere Vision ist ein lebenswertes, zukunftsfähiges und entspanntes Hannover, in dem sich alle Menschen sicher, klimafreundlich und komfortabel fortbewegen können. Unsere Mobilität ist:
SICHER:
Die Menschen können sich sicher, komfortabel und zügig fortbewegen.
Auch Kinder und Ältere können angstfrei und selbstständig radeln. Zufußgehende haben ausreichend Platz auf barrierefreien Wegen. Es kommen keine Menschen mehr durch den Straßenverkehr ums Leben (Vision Zero).
GESUND:
Die Luft, die wir atmen, ist sauber, der Verkehr verursacht deutlich weniger Stress und Lärm. Der öffentliche Raum trägt zu einem gesunden Stadtklima bei.
GERECHT:
Mobilität als Grundbedürfnis ist für alle Menschen bezahlbar. Die Verkehrsplanung ist auf Fairness und
die Teilhabemöglichkeiten aller ausgerichtet, unabhängig von Geschlecht, Alter, sozioökonomischem Status, (tatsächlicher oder zugeschriebener) Herkunft und Nationalität sowie physischen oder psychischen Fähigkeiten oder anderen Merkmalen.
Die Mobilitätsstrukturen wie auch die Kosten für unsere Mobilität sind gerecht verteilt. Die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit werden berücksichtigt, Mobilität ist barrierefrei für alle.
ZUGÄNGLICH:
Der öffentliche Raum und die Mobilitätsstrukturen laden zum Unterwegssein genauso ein wie zum entspannten Verweilen. Es gibt Platz für soziales Miteinander, Kultur und vielfältige Begegnungen aller Generationen. Alle Quartiere sind gleichermaßen gut angebunden und niemand abgehängt.
Mobilitätsarmut gibt es nicht. Der ÖPNV ist zuverlässig, günstig und gut ausgebaut.
Das Wechseln von verschiedenen Verkehrsmitteln ist problemlos, zügig und komfortabel möglich.
ZUKUNFTSFÄHIG:
Der Verkehrssektor trägt seinen Teil zum Klimaschutz bei und setzt die Beschlüsse zu den Klimaneutralitätszielen von Stadt und Region um. Verkehrs- und Stadtplanung stärken Hannovers Klimaresilienz durch Sicherung, Ausweitung bzw. Schaffung großräumiger wie quartiersnaher Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Dafür braucht es insbesondere:
-
- Breite, barrierefreie Gehwege
Gehwege werden wo erforderlich saniert und nach anerkannten Standards ausgebaut. Dies hat Vorrang vor Kfz-Stellplatzflächen. - Sichere Querungen
Neue, barrierefreie Übergänge werden geschaffen, insbesondere an sensiblen Orten wie Schulen, Kitas und Senioreneinrichtungen. - Sichere Radwege
Radwege werden zum Schutz von Radfahrenden ausreichend breit, sicher und durchgängig mit klarer Trennung zum Kfz-Verkehr ausgebaut. Dies hat Vorrang vor Kfz-Stellplatzflächen. - Gut ausgebautes Radwegenetz
Das Netz der Velorouten und Ringverbindungen wird vervollständigt und ausgebaut und um weitere Tangentialverbindungen sowie sichere Radverbindungen zu wichtigen Zielen wie Schulen und Arbeitsstätten ergänzt. - Freie Geh- und Radwege
Barrieren werden beseitigt. Feste Abstellflächen für E-Scooter und Mieträder werden auch über die Innen- stadt hinaus ausgewiesen, insbesondere in dicht besiedelten Stadtteilen mit hoher Nutzungskonkurrenz. Wohnortnah angelegte Multifunktionsflächen (je nach Bedarf ausgewiesen für E-Scooter, Müllcontainer, Lieferverkehr oder Fahrradstellplätze) sorgen im gesamten Stadtgebiet für mehr Ordnung und Sicherheit. - Zuverlässige Instandhaltung
Geh- und Radwege werden regelmäßig instand gehalten und vom Winterdienst zuverlässig geräumt. - Barrierearme Wegführung an Baustellen
An Baustellen werden vernünftige Wege für Fuß- und Radverkehr entsprechend verbindlicher Leitlinien gewährleistet - Sichere, übersichtliche Kreuzungen
Kreuzungen werden so umgestaltet, dass sie besonders für schwächere Verkehrsteilnehmende sicher und übersichtlich sind. Sicherheit hat Vorrang vor Verkehrsleistung für den Kfz-Verkehr und Kfz-Stellplätzen. - Faire Ampelschaltungen
Der Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) wird im Verkehrsfluss priorisiert, um nachhaltige Mobilität zu fördern. - Hochwertige Aufenthaltsflächen
Um Mobilität auch für all jene Menschen zugänglich zu machen, die Pausen benötigen, werden mehr Aufenthaltsflächen geschaffen. Diese werden entsprechend generationenübergreifender Bedürfnisse mit Sitzmöglichkeiten, schattenspendender Begrünung und Trinkwasserbrunnen sowie Spielmöglichkeiten und Toiletten gestaltet, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. - Verkehrsberuhigte und entspannte Stadtviertel
Der Kfz-Verkehr in Wohnquartieren wird durch konsequente Verkehrsberuhigung, wie z.B. Bewohner- parken oder Sperrung für den Durchgangsverkehr*, deutlich reduziert und gelenkt. - Sichere Schulstraßen
Straßen vor Schulen werden zeitweise (zu Schulbeginn und -ende) oder dauerhaft für den Kfz-Durchgangs- verkehr* und “Elterntaxis” (Bring- und Holverkehr) gesperrt, um Kinder auf ihrem Schulweg zu schützen. - Verbesserter ÖPNV
Der ÖPNV in Stadt und Region Hannover ist zuverlässig, bezahlbar und barrierefrei.
Das Angebot an S-Bahnen, Stadtbahnen, Bussen und On-Demand-Verkehren wird weiter ausgebaut – auch durch stadtteilverbindende Tangenten – und die Taktung verdichtet. - Einfache Mobilitätswechsel
An Mobilitätsknotenpunkten werden Umstiegsmöglichkeiten zwischen ÖPNV, Auto, Rad und Sharing- Angeboten verbessert und ausreichend Abstellflächen geschaffen. Park+Ride-Möglichkeiten werden ausgebaut. - Tempo 30
Tempo 30 wird überall dort sofort umgesetzt, wo es nach aktueller Gesetzeslage möglich ist (etwa an Fußgängerüberwegen, Spielplätzen, Kitas, hochfrequentierten Schulwegen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen etc.). Darüber hinaus soll Tempo 30 perspektivisch innerorts zur Regelgeschwindigkeit werden und Tempo 50 entsprechend nur noch auf geeigneten Hauptverkehrsstraßen gelten. - Moderner Kfz-Verkehr
Für modernen KfZ-Verkehr werden Car-Sharing sowie Elektromobilität gestärkt. Insbesondere die Bedürf- nisse mobilitätseingeschränkter Menschen werden beim Management des Parkraums (z.B. Erreichbarkeit von Praxen etc.) berücksichtigt.
- Breite, barrierefreie Gehwege
* Selbstverständlich gelten an diesen Orten Ausnahmeregelungen für Feuerwehr, Rettungs- und Pflegedienste sowie mobilitätseingeschränkte Menschen.
