Mehr als jede zweite Krankenhausbehandlung in Berlin wäre überflüssig – zumindest in ihrer jetzigen Form. Das zeigt eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für den aktuellen Krankenhaus-Report 2026. Die AOK Nordost fordert angesichts dieser Zahlen eine konsequente und mutige Umsetzung der Krankenhausreform.

Krankenhausfälle in Berlin: Die Zahlen im Überblick
Für das Jahr 2024 weist die Modellrechnung des WIdO rund 605.000 Krankenhausfälle in Berlin aus. Davon hatten rund 325.000 Fälle – also 54 Prozent – ein ambulantes oder vermeidbares Potenzial. Rund 251.000 dieser Behandlungen hätten demnach auch ohne stationäre Aufnahme erfolgen können. Weitere rund 74.000 Fälle wären durch eine bessere ambulante oder pflegerische Versorgung im Vorfeld ganz vermeidbar gewesen.

Das größte Potenzial sieht die Studie in der allgemeinen Inneren Medizin und der allgemeinen Chirurgie. Typische Eingriffe mit hohem Ambulantisierungspotenzial sind etwa die Teilentfernung von vergrößerten Mandeln, Operationen bei Leistenbrüchen und die Entfernung der Gallenblase. Eine OECD-Studie hatte bereits 2021 gezeigt, dass solche Eingriffe in Deutschland deutlich seltener ambulant durchgeführt werden als in anderen Ländern.
AOK-Chefin fordert Mut zur Veränderung: „Unser Ziel muss sein, dass Patientinnen und Patienten nur dann im Krankenhaus übernachten, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Das entlastet die Kliniken, hilft angesichts knapper Fachkräfte und ist günstiger für die Beitragszahlenden. Die Landesregierung muss deshalb die Krankenhaus-Reform entschlossen umsetzen, um zu den notwendigen Konzentrationen zu kommen und das Potenzial für mehr ambulante Behandlungen zu realisieren.“

Jede achte Krankenhausaufnahme wäre vermeidbar
Zwölf Prozent der Berliner Krankenhausfälle, also jede achte Aufnahme, ließen sich laut Studie vermeiden, wenn Patienten kontinuierlicher und koordinierter versorgt würden. So müssen Menschen mit Diabetes, die in ein strukturiertes Behandlungsprogramm eingeschrieben sind, deutlich seltener ins Krankenhaus als Betroffene ohne ein solches Programm. Auch bei Pflegebedürftigen zeigt sich: Engmaschigere Versorgung zu Hause oder im Pflegeheim reduziert Krankenhauseinweisungen. Jede dritte Krankenhauseinweisung hochbetagter Menschen ließe sich laut WIdO vermeiden, wenn Pflegekräfte mehr Kompetenzen bei der Behandlung erhielten.
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Teichert appelliert an die Berliner Landespolitik: „Die nachhaltige Sicherung der medizinischen Versorgung wird nur dann gelingen, wenn die Landesregierung in Berlin bei der Umsetzung der Krankenhausreform Mut zu klarer Planung, Spezialisierung und zum Ausbau ambulanter Angebote beweist. Berlin kann mit seinen kurzen Wegen, hoher Versorgungsdichte und vielfältigen Akteuren Vorbild sein für sektorenübergreifende Zusammenarbeit.“
pau