2025 ging es vor Gericht um den Vorwurf, die Stadt Stuttgart bevorzuge das Energieberatungszentrum gegenüber Energieberatern. Um sich abzusichern, ändert die Stadt nun weitere Regeln.
Droht dem Energieberatungszentrum (EBZ) Stuttgart der Bedeutungsverlust? „Mit der geplanten Änderung würde die Aushebelung des EBZ als die etablierte Anlaufstelle für Immobilieneigentümer einhergehen“, erklärte der Eigentümerverein Haus & Grund Stuttgart vor Kurzem in einem Statement. Einen Tag später hat sich der Gemeinderat mehrheitlich für einen rechtssicheren Weg entschieden – was für das EBZ nicht ohne Folgen bleiben dürfte.
Es geht um die neuen Richtlinien für das Energiesparprogramm Wohnen, das es seit fast 30 Jahren in Stuttgart gibt. Bisher gab es keinen Weg vorbei an der Pflichtanlaufstelle des EBZ für Erstberatungen, um diese städtische Förderung zu bekommen. Nun wurde beschlossen, das Feld ab Mai zu öffnen und dem EBZ keine Exklusivität mehr einzuräumen. Das hat Gründe.
Das Energiesparprogramm gibt es in Stuttgart seit fast 30 Jahren. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Die Stadtverwaltung hat inzwischen Bedenken, das EBZ zu bevorzugen. Zu dieser Einschätzung kommt die Stadt nach einem Rechtsstreit mit einem Energieberater und dem Landesverband der Energieberater im vergangenen Jahr. Diese hatten dagegen aufbegehrt, dass eine neue Energie–Förderung – nämlich die für die Detailberatung – zwingend über das EBZ abgewickelt werden sollte. Von dieser Vorgabe rückte die Stadt informell bereits im Herbst 2025 ab; nun hat der Gemeinderat dies auch im Zuge der Änderungen der Förderrichtlinien formal so beschlossen.
Stadt Stuttgart: Energieberatung hat sich verändert
Das Feld der Energieberater hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert; der Bund arbeitet bei seinen Förderungen mit den Energie-Effizienzexperten zusammen, das sind zertifizierte Energieberater. „Künftig gilt dieser Standard auch für die städtische Förderung“, sagt Oliver Hillinger, ein Sprecher der Stadt. „Die doppelte Prüfung entfällt. Das Verfahren wird damit einfacher.“
Allerdings: Durch den Schritt gehen laut Hillinger direkte Kommunikation und Wissensbündelung verloren. Für die Stadt entstehe Mehraufwand. „Die Stadt führt Plausibilitätsprüfungen durch, um den adäquaten Einsatz der städtischen Gelder im Sinne der Richtlinie und der Haushaltsführung zu gewährleisten.“ Zudem müsse sie „zwingend die weiteren Fördervoraussetzungen oder auch Ablehnungsgründe der Richtlinie prüfen und bewerten“.
EBZ Stuttgart wird Personal abbauen müssen
Für das EBZ indes bedeutet die Veränderung nichts Gutes. Jedenfalls wenn man Haus & Grund folgt; Haus & Grund hatte das EBZ seinerzeit mitgegründet. „Durch signifikante Einnahmeverluste könnten perspektivisch 3,5 Personalstellen nicht weiter finanziert werden“, steht in der Mitteilung.
Das EBZ bestätigt dies auf Anfrage. Die 3,5 Leute seien eigens für die bisherige Prüfaufgabe eingestellt worden. „Da diese Aufgabe in Zukunft durch die Richtlinienänderung entfällt, fehlt die entsprechende Gegenfinanzierung für diese Stellen“, erklärt Joshua Nothdurft, der Geschäftsführer vom EBZ. Aufgrund der beschlossenen Änderung „schrumpft die Finanzierung des EBZ im Jahr 2027 auf circa 872.500 Euro“, so Nothdurft. „Das bedeutet einen Kaufkraftverlust von 33 Prozent im Vergleich zum Jahr 2025.“
Sorge ist, Bedeutungsverlust für das EBZ Stuttgart
Grundsätzlich bewerte man die vereinfachte Fördersystematik positiv. Dass nun „erhebliche Teile der Einnahmen wegbrechen, geht nicht spurlos an uns vorbei“, sagt Nothdurft. „Als städtisch geprägte Energieagentur hat sich das EBZ immer danach gerichtet, was die Stadt braucht und hat seine Struktur dem entsprechend ausgerichtet. Deswegen treffen uns die finanziellen Entwicklungen so hart.“ Die Zahl von aktuell 17 Mitarbeitern (insgesamt 13 Vollzeitstellen) könne man nicht halten.
Wie die Stadt Stuttgart befürchtet auch das EBZ einen Bedeutungsverlust. Wenn das EBZ nun nicht mehr standardmäßig eingebunden sei, verliere es an Sichtbarkeit und struktureller Verankerung, heißt es seitens des Geschäftsführers. Die Stuttgarter Bürger wiederum verlören eine unabhängige Anlaufstelle. Zwar dürften sie sich natürlich nach wie vor ans EBZ wenden, doch man gehe davon aus, dass die Beratungen zurückgehen werden. „Aus Nicht-Wissen“, wie Nothdurft sagt.
Um die Zukunft des EBZ soll es noch vor der Sommerpause in den Stuttgarter Gremien gehen. Die Stadt stellte in Aussicht, mit einem Zukunftskonzept zu kommen – und auch mit einer Übersicht zu den Kosten.