Umbau zu Flüchtlingsunterkunft: Land erhält Genehmigung für große Flüchtlingsunterkunft Dieses Bürohaus am Mittleren Pfad im Weilimdorf darf zur Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut werden. Foto: Konstantin Schwarz

2024 hatte das Migrationsministerium Bauvoranfragen gestellt. Eine ist nun beschieden worden. Die Servicestelle Bürgerbeteiligung soll Konflikte lösen.

Das Land kommt mit seiner Planung zum Ausbau der Erstaufnahmekapazitäten für Flüchtlinge einen deutlichen Schritt weiter. Die Bauvoranfrage zum Umbau von zwei großen Bürohäusern im Gewerbegebiet Mittlerer Pfad in Weilimdorf wurde genehmigt. In den Büroblöcken Mittlerer Pfad 13 und 15 sollen im Regelbetrieb bis zu 1300 Menschen zeitweise untergebracht werden. Darüber hinaus sind Notkapazitäten für die Erstaufnahme von weiteren bis zu 500 Menschen vorgesehen.

Das Land hatte für Stuttgart 2024 zwei Bauvoranfragen für Weilimdorf und einen Bürokomplex in der Augsburger Straße 712 in Untertürkheim für eine Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) gestellt. Nachdem der Ministerrat am 9. Dezember 2025 eine zwischen Land und Stadt ausgehandelte Vereinbarung für den Standort Weilimdorf bestätigt hatte, waren Planungen für weitere Standorte im Stadtgebiet ad acta gelegt worden. Bei der Standortwahl hat die betroffene Kommune kein Vetorecht, das Land entscheidet.

Keine Entscheidung zum Kauf der Häuser

Mit der Genehmigung sei noch keine Entscheidung zum Kauf der Häuser oder für deren Anmietung getroffen worden, weil man weiter prüfe, „in welchen der insgesamt angebotenen Liegenschaften eine Lea in Weilimdorf umgesetzt werden kann“, heißt es auf Anfrage beim Regierungspräsidium Stuttgart. In diversen Gewerbegebieten in Stuttgart herrscht inzwischen zunehmender Leerstand, besonders betroffen ist Weilimdorf. Dem Land waren dort von Maklern und Eigentümern mehr als ein Handvoll Immobilien und ein Hotel offeriert worden. Sie sind teils in die Jahre gekommen. Um weiter ihrem eigentlichen Zweck zu dienen, müsste in die Häuser teils erheblich investiert werden. Dazu ist aber die Nachfrage nach Büroraum zu schwach, die Perspektive zu unsicher.

Ende 2025 gab das Land die Lea in Ellwangen auf. Dort endete der Vertrag mit der Stadt, die 2019 einer letztmaligen Verlängerung zugstimmt hatte. In jedem der vier Regierungsbezirke soll eine Erstaufnahmestelle stehen, offenbar fiel wegen der diversen Immobilienangebote die Wahl auf Stuttgart. Insgesamt will das Land die Regelkapazitäten ausbauen, so das in den Leas 12 000 Menschen untergebracht werden könnten – eine Verdoppelung der 2024 vorhandenen Kapazitäten. Die Unterbringung ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe. Aktuell gehen die Flüchtlingszahlen gegenüber 2024 und 2025 zurück, dennoch musste das Land im April 862 (2025: 889) Menschen neu unterbringen, im März waren es 810 (925), im Februar 711 (1193). Die Lea ist ihre erste Station, später werden die Geflüchteten entsprechend auf die Kommunen verteilt, Schlüssel ist dabei deren Einwohnerzahl.

Für die Lea in Weilimdorf soll die Servicestelle Bürgerbeteiligung erkunden, „wie die Errichtung der Lea bestmöglich gestaltet werden kann“. Dazu sind am 13. Mai 42 Organisationen und Vereine, sieben Schulen, Bürgermeister, Stadträte, Vertreter angrenzender Städte und Landkreise, von Unternehmen im Gebiet und Vertreter des Landes zu einer Themensammlung eingeladen. Fragen zur Infrastruktur, Sicherheit und Ordnung, den Rahmenbedingungen, der Versorgung, Kommunikation und Verteilungskonflikten sollen gesammelt werden. Bei der vorgeschalteten Online-Bürgerbeteiligung wurde die Liste der Servicestelle bereits ergänzt. So wird zum Beispiel nach Grün- und Spielflächen und Beschäftigungsangeboten zur Lea gefragt und auf „weitere Sonderlasten“ des Stadtbezirks wie das geplante Straßenbahndepot hingewiesen. Auch Sicherheit und Müllentsorgung sind Themen.

In den Leas sind Flüchtlinge vor ihrer Verteilung auf die Kommunen untergebracht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko Stadt spürt Entlastung bei Flüchtlingen

Diese Vorbereitungen sollen letztlich in einen sogenannten Dialogmarkt mit den Bürgern münden – und aus deren Sicht in möglichst konkrete Zusagen von Land und Stadt dazu, wie das Leben in und mit der Lea, die mindestens zehn Jahre Bestand haben wird, geregelt werden kann. Sobald eine Baugenehmigung vorliegt, kann die Stadt drei Jahre lang die Zahl der von ihr unterzubringenden Asylsuchenden um bis zu 630 reduzieren. Dieser „negative Quotenerfüllungsstand“ muss nach drei weiteren Jahren beendet werden. OB Frank Nopper (CDU) gab in der Bürgerversammlung in Weilimdorf die Zusage, dass als Ausgleich für den Lea-Standort in Weilimdorf die mit 808 Plätzen größte städtische Unterkunft in diesem Bezirk spätestens im Oktober 2027 zurückgebaut werden soll. Bis Ende 20276 soll die Zahl der von der Stadt untergebrachten Flüchtlinge von 10 000 auf 7500 sinken.