Außerdem haben wir für Sie aus dem reichen Berliner Konzertangebot herausgepickt: einen fidelen Punk-Opa, Softrock-Schmusekater aus Schottland, einen Rapper mit Stallgeruch und zwei Indiepop-Überfliegerinnen aus Deutschland.
1 Christin Nichols
Verwandelt schlechte Laune in Indiepop-Hymnen: Christin Nichols.
© Bella Lieberberg
Okay, es gibt auf dem titellosen dritten Album von Christin Nichols im Vergleich zum famosen Vorgänger „Rette sich, wer kann“ keine bahnbrechende Weiterentwicklung.
Aber wozu auch? Nichols’ patentierte, auf Klassiker von Ideal bis Kraftklub rekurrierende Feel-not-so-good-Hymnen erleuchten erneut das Indiepop-Firmament.
Die lebensklugen Texte der Mittdreißigerin kommentieren die Verkorkstheit der Dinge, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen.
Und die Zeile „Ich habe keine Depressionen, es lag einfach nur an Dir“ (aus „Keine Depressionen“) ist eine der schönsten, die man seit Langem im deutschsprachigen Pop gehört hat.
Lido
Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Do 7.5., 20 Uhr, 32 Euro
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2 Wet Wet Wet
Zweimal alt, einmal jung: Graeme Duffin, Kevin Simm und Graeme Clark (v.l.) sind Wet Wet Wet im Jahr 2026.
© Trinity/Promo
Seit 15 Wochen stand die Ballade „Love Is All Around“ der schottischen Softrocker Wet Wet Wet im Sommer 1994 auf Platz 1 der britischen Single-Charts.
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Eine Woche fehlte noch, um den seit 1991 von Bryan Adams mit dem Schmachtfetzen „(Everything I Do) I Do It for You“ gehaltenen Rekord einzustellen, als sich die Band entschloss, die Platte aus dem Verkehr zu ziehen, um sich aufs nächste Album zu fokussieren.
Wet Wet Wet hatten damals einen Lauf. „Love Is All Around“, in der Romcom „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ zu Ruhm gekommene Coverversion eines Songs der Sixties-Rocker The Troggs, war bereits ihr dritter Nummer-Eins-Hit – und ihr letzter.
Für den cremigen Leadgesang wurde 2018 Kevin Simm als Nachfolger von Marti Pellow verpflichtet. Dem Vernehmen nach erledigt er seinen Job äußerst souverän.
Metropol
Nollendorfplatz 5, Schöneberg, Fr 8.5., 20 Uhr, 57 Euro
3 Grim104
Philosoph oder Prolet? Der Rapper Grim104.
© promo
Singen? Schreien? Rappen? Es ist von allem ein bisschen (viel) und alles dazwischen, wenn Grim104 seine Texte ins Mikro heisert.
Als Hälfte von Zugezogen Maskulin war Moritz Wilken, wie er bürgerlich heißt, Teil einer erstaunlichen Deutschrap-Erfolgsstory. Solo ist er, die deutlich geringeren Klickzahlen seiner Videos belegen es, noch auf der Suche nach seinem Idealpublikum.
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Die disparaten Erzählhaltungen und Musikstile, die er auf dem jüngsten Album „No Country for Old Grim“ virtuos zum zeitkritisch-ironischen Malstrom aus Ackerfurchen-Rap, Proleten-Techno und Philosophen-Attitüde verschmilzt, machen das nicht leichter.
SO36
Oranienstr. 190, Kreuzberg, Fr/Sa 8./9.5., 19:30 Uhr, 34 Euro (Sa ausverkauft)
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4 Public Image Ltd
Mit 70 immer noch ein Zukunftsmodell: John Lydon (2.v.l.) mit Public Image Ltd.
© Paul Heartfield
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn John Lydon, der 1977 als Johnny Rotten und Sänger der Sex Pistols das ultimative Punk-Motto „No Future“ ins Mikro bellte, mit 70 immer noch bestens im Geschäft ist.
Lydon ist längst zu einer Art Maskottchen der Punk-Ära geworden, eine Rolle, die er in diversen Medienformaten sichtlich vergnügt ausfüllt.
Dass er auch als Musiker noch von Belang ist, liegt an Public Image Ltd, jener Band, die Lydon nach dem raschen Verglühen der Pistols 1978 gründete.
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Deren Dub-Industrial-Postpunk wurde ähnlich einflussreich wie die Dreiakkord-Stampfer der Sex Pistols. Und der größte PIL-Hit „This Is Not A Love Song“ von 1983 ist als Hymne eines Jahrzehnts genauso emblematisch wie „Anarchy In The UK“ für die Siebziger.
Columbia Theater
Columbiadamm 9-11, Tempelhof, Mo 11.5., 20 Uhr, 57 Euro
5 Philine Sonny
Vom Ostrand des Ruhrpotts in den Indiepop-Himmel: Philine Sonny.
© Trinity/Promo
Philine Sonny, die eigentlich Philine Bernsdorf heißt und aus Unna stammt, hat kürzlich ein Debütalbum veröffentlicht, das auf ebenso unaufgeregte wie souveräne Weise an zeitgenössische Indiepop-Goldstandards anschließt.
Die 14 Stücke auf Virgin Lake stellen sich mit Anleihen beim Springsteen-beeinflussten Heartland-Gitarrenrock selbstbewusst dem Vergleich mit berühmten Kolleginnen wie Phoebe Bridgers und Lucy Dacus (und deren Supergroup Boygenius).
Die auf Textebene durchschimmernde Wut auf die Verhältnisse wird musikalisch in melancholischen Mehltau getaucht.
Sonnys Lieder, die sie geschrieben, mit Unterstützung befreundeter Musiker selbst eingespielt und produziert hat, bilden einen in sich stimmigen Songszyklus von erstaunlicher Reife und Komplexität.
Frannz Club
Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Di 12.5., 20 Uhr, 30 Euro
Mehr zu Popkultur und KonzertenJesus beim Twerken zusehen Rosalía spielt in Berlins Uber Arena Christian Ulmen, Till Lindemann, R. Kelly Wenn die Grenze zwischen Werk und Autor zu verschwimmen droht Konzert von Peaches in Berlin Mehr Gleitgel für alle 6 Billy Cobham
Jazzmaschine: Billy Cobham, hier bei einem Auftritt im Jahr 1989.
© imago images/United Archives
Der Jazzschlagzeuger Billy Cobham, in Panama geboren, in den Vereinigten Staaten zu Ruhm gekommen und seit Jahrzehnten in der Schweiz lebend, ist einer der besten seiner Zunft.
Nicht nur unter Kollegen, und zwar aus Rock wie Jazz, ist sein Ruf legendär. Progrock- oder Metal-Drummer wie Bill Bruford (King Crimson) oder Danny Carey (Tool) nennen ihn als Inspiration, der junge Phil Collins hat sich einiges bei Cobham abgeguckt.
Seinerseits beeinflusst von den eine Generation älteren Jazz-Titanen Gene Krupa, Max Roach, Art Blakey und Elvin Jones, wurde Billy Cobham, Jahrgang 1945, Anfang der Siebziger der neben Tony Williams wichtigste Erneuerer des Jazzschlagzeugs.
Auf epochalen Miles-Davis-Platten wie „Jack Johnson“, auf den LPs der aus fünf Ausnahmekönnern bestehenden Fusion-Supergroup Mahavishnu Orchestra und ab 1973 auf hochkarätig besetzten Soloalben etablierte Cobham einen explosiven, die rhythmische Komplexität des Jazz mit der Wucht und Exaltiertheit des Rock verschmelzenden Spielstil.
Cobhams Solodebüt „Spectrum“ mit seinem bekanntesten Stück „Stratus“ (das 1991 auf Massive Attacks „Safe From Harm“ gesampelt wurde) durchbrach 1973 die gläserne Decke zwischen Jazz und Pop-Mainstream und wurde ein massiver Verkaufserfolg.
Cobhams Schlagzeugspiel ist auf Hunderten Platten zu hören. Natürlich findet man ihn auf Alben von Jazz-Kollegen wie Larry Coryell, McCoy Tyner oder Ron Carter, aber auch bei Popstars wie Carly Simon.
Etwa ab Mitte der Achtziger entsprach Cobhams Maximalismus nicht mehr dem Zeitgeschmack. Seine Karriere kam, durch den Umzug in die beschauliche Schweiz begünstigt, in ruhigere Fahrwasser.
Altersgerecht, am 16. Mai wird er 82, hat sich Billy Cobham zugunsten eines ökonomischeren Spiels von der zirzensischen Artistik früherer Jahre verabschiedet. Unterstützt von vier jüngeren Begleitmusikern ist der Weltstar des Jazz nun in Friedenau zu erleben.
Zig Zag Jazz Club
Hauptstr. 189, Friedenau, Mi 13.5., 1830 und 21 Uhr, 45 Euro, für Mitglieder 22,50 Euro