Wie es tatsächlich um die russische Wirtschaft steht, ist von außen nicht einfach einzuschätzen. Zwar hat Putin seit dem Überfall auf die Ukraine mit Sanktionen zu kämpfen und Unternehmen mussten auf Kriegswirtschaft umstellen. Allerdings haben der Iran-Krieg und die damit verbundene Ölknappheit aus den arabischen Ländern ihm Milliarden Euro eingebracht.
Dass, wie vom schwedischen Militärgeheimdienst im April behauptet, der Kreml die Inflationsdaten beschönige, sieht zum Beispiel der Ökonom Janis Kluge anders. „Grundsätzlich halte ich die russischen Wirtschaftsdaten weiter für aussagekräftig und verwendbar. Ich sehe keine Hinweise darauf, dass Russland die Inflationsdaten systematisch fälscht. Es liegt auch nicht im Interesse des Kreml, gerade diesen Wert grob zu verfälschen, denn die Menschen wissen selbst, welche Preise sie zahlen“, sagte er dem „Spiegel“.
Der Wissenschaftler von der Berliner Stiftung für Wirtschaft und Politik (SWP)sieht in den schwedischen Veröffentlichungen entweder einen Irrtum oder sie seien Teil des Informationskrieges. Gleichwohl räumt er ein, dass Russland viele Wirtschaftsdaten geheim hält und „gewisse Buchhaltungstricks“ anwendet. Die russische Wirtschaft sei deutlich geschwächt, stehe aber nicht vor einer Wirtschaftskrise.
Seit März habe sich die Sorge im Kreml vor einem Staatsstreich oder einem Attentat „deutlich verstärkt“, sagte eine Person mit Nähe zu europäischen Geheimdiensten der „Financial Times“. Diese Angst könnte ein Grund sein, warum gerade die Eliten fürchten, vom Geheimdienst überwacht zu werden und bei geringster Kritik schon Konsequenzen folgten.
In Russland gründeten Oligarchen, die Putin nahestehen, viele der großen Unternehmen wie den Ölkonzern Lukoil, den Nickelkonzern Norilsk Nickel oder den Stahlriesen Severstal.