{"id":1000413,"date":"2026-05-07T05:34:30","date_gmt":"2026-05-07T05:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1000413\/"},"modified":"2026-05-07T05:34:30","modified_gmt":"2026-05-07T05:34:30","slug":"wahlen-in-grossbritannien-chancen-fuer-reform-und-gruene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1000413\/","title":{"rendered":"Wahlen in Gro\u00dfbritannien: Chancen f\u00fcr Reform und Gr\u00fcne"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Das britische Zweiparteiensystem kommt an sein Ende. Die Kommunal- und Regionalwahlen in Teilen Englands, in <a data-rtr-index=\"9\" title=\"Schottland\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/schottland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schottland<\/a> und Wales werden an diesem Donnerstag die bislang rot (Labour) und blau (Konservative) gehaltene politische Landkarte Gro\u00dfbritanniens bunt f\u00e4rben. Nach den\u00a0 demoskopischen Messungen k\u00f6nnen k\u00fcnftig f\u00fcnf Parteien mit zweistelligen Stimmenanteilen rechnen. S\u00e4mtliche Erhebungen sehen die t\u00fcrkisfarbene Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage, Reform UK, an der Spitze. Ihm wird vor allem in den alten Industrieregionen des englischen Nordens, in denen vor einem Jahrzehnt gro\u00dfe Mehrheiten der W\u00e4hler f\u00fcr den britischen EU-Austritt stimmten, der Gewinn neuer Mehrheiten in den Gemeindeparlamenten zugetraut.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die englischen Gr\u00fcnen hingegen, die jahrzehntelang wegen des geltenden Mehrheitswahlrechts ein politisches Schattendasein fristeten, rechnen sich Chancen aus, erstmals die absolute Mehrheit in einigen Londoner Stadtbezirken zu erringen. Auch die Liberaldemokraten, die bislang schon in den Kommunalparlamenten st\u00e4rker verankert waren als im nationalen Unterhaus, hoffen auf weitere Mandatsgewinne.<\/p>\n<p>Starmers Konkurrenten haben Handicaps<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Konservativen und die in Westminster regierende <a data-rtr-index=\"2\" title=\"Labour Party\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/labour-party\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Labour-Partei<\/a> sehen hingegen Verlusten entgegen. Labour h\u00e4lt bislang etwa die H\u00e4lfte der rund 5000 Gemeindemandate, die zur Wahl stehen, die Konservativen verteidigen rund ein Viertel davon. Die offizielle Oppositionspartei tr\u00f6stet sich vor allem mit der Aussicht, dass ihre Verluste weniger schlimm ausfallen werden als die von Labour. W\u00e4hrenddessen ist die Regierungspartei, die mehr als 1500 Mandate einb\u00fc\u00dfen k\u00f6nnte, schon seit Wochen gel\u00e4hmt von der Aussicht auf eine F\u00fchrungskrise.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Zwar hat Premierminister <a data-rtr-index=\"5\" title=\"Keir Starmer\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/keir-starmer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Keir Starmer<\/a> sein Schicksal als Partei- und Regierungschef ausdr\u00fccklich nicht mit dem Ausgang der Wahlen am Donnerstag verbunden und zu erkennen gegeben, dass er nicht freiwillig weichen will. Doch konnte er die anhaltenden Spekulationen in seiner Regierungsfraktion, wer ihm folgen k\u00f6nnte, nicht unterbinden. Starmer kommt zugute, dass jeder seiner Konkurrenten, der Ambitionen auf eine Nachfolge erkennen l\u00e4sst, mit einem Handicap belastet ist: Die einstige stellvertretende Parteichefin Angela Rayner hat noch ein Steuerverfahren am Hals, der popul\u00e4re Andy Burnham, B\u00fcrgermeister von Manchester, verf\u00fcgt derzeit nicht \u00fcber einen Sitz im Unterhaus \u2013 der notwendig w\u00e4re, um das Amt des Premierministers aus\u00fcben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Und Gesundheitsminister Wes Streeting bricht voraussichtlich in seinem eigenen Wahlkreis am Donnerstag die W\u00e4hlerbasis weg. Er hatte sein Mandat bei der Unterhauswahl im Osten Londons vor zwei Jahren nur knapp gegen die unabh\u00e4ngige pal\u00e4stinensische Aktivistin Leanne Mohamad verteidigt \u2013 die einstmals eine Parteifreundin von ihm gewesen war, dann aber mit der Unzufriedenheit \u00fcber Labours Haltung zum Gazakrieg fast eine relative Mehrheit errang.<\/p>\n<p>Drei Parteien mit Hoffnungen auf die Mehrheit<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Situation in Streetings Wahlkreis illustriert beispielhaft die Zwickm\u00fchle, in der Labour steckt. W\u00e4hrend Reform UK die entt\u00e4uschten Elendsmilieus des englischen Nordens und des Londoner Ostens an sich bindet, werben Unabh\u00e4ngige, aber auch die Gr\u00fcnen vehement um die Stimmen der Muslime und anderer Migrantengemeinden. In einigen Londoner Stadtbezirken, die bislang in Labour-Rot gef\u00e4rbt waren, liegen Reform, Labour und Gr\u00fcne gegenw\u00e4rtig in Umfragen so dicht beieinander, dass alle drei Parteien sich Hoffnung auf eine Mehrheit im Gemeinderat machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Es sind nicht nur geopolitische Zw\u00e4nge oder das ausbleibende Wirtschaftswachstum, die das Ansehen Starmers und seiner Regierung bei den W\u00e4hlern welken lassen, sondern auch zahlreiche politische Kehrtwenden und Unzul\u00e4nglichkeiten. Eine davon hat sogar direkt mit dem bevorstehenden Wahlgang zu tun. Sie betrifft Labours Reformplan f\u00fcr die Organisation der Kommunalverwaltungen und die Bem\u00fchungen, die bisherige Uneinheitlichkeit von Stadtteil-R\u00e4ten, st\u00e4dtischen Gemeinder\u00e4ten und gr\u00f6\u00dferen Landkreis-R\u00e4ten zugunsten einer generellen kommunalen Zweistufigkeit zu vereinheitlichen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nach der urspr\u00fcnglichen Absicht sollten die Kommunalparlamente in jenen Gegenden, in denen Fusionen mit benachbarten Gemeinden beabsichtigt sind, die Wahl um ein Jahr verschieben k\u00f6nnen. Die Regierung in London verteidigte diesen Entschluss lange gegen die vehemente Kritik von Reform und Gr\u00fcnen, die argumentierten, den W\u00e4hlern werde ihr Wahlrecht entzogen. Dann aber knickte Labour ein und hob die Ausnahmeregel wieder auf; nun wird also am Donnerstag auch dort gew\u00e4hlt, wo in einem Jahr in neuen Strukturen nochmals gew\u00e4hlt werden muss.<\/p>\n<p>Schottische Separatisten im Aufwind<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Weiteres Ungemach droht der Partei des Premierministers \u00fcberdies in Schottland und Wales, wo am Donnerstag Wahlen zu den Landesparlamenten stattfinden. In Schottland sehen sich die Nationalisten der SNP, die schon seit zwei Jahrzehnten in Edinburgh den Ersten Minister, also den Regierungschef, stellen, auf Kurs zu einem neuerlichen Wahlsieg.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Vor zwei Jahren noch schienen die schottischen Nationalisten personell ausgezehrt und nach internen Skandalen politisch delegitimiert zu sein; damals gewann Labour bei der Unterhauswahl die gro\u00dfe Mehrheit der schottischen Wahlkreise zur\u00fcck und kn\u00fcpfte an lang zur\u00fcckliegende Erfolge und an das alte Image an, die \u201eSchottland-Partei\u201c zu sein. Doch die Hoffnungen, dieser Erfolg k\u00f6nne dauerhaft sein, verflogen schnell. Mittlerweile geh\u00f6rt der schottische Labour-Parteichef Anas Sarwar zu jenen, die offen die Abl\u00f6sung Keir Starmers an der britischen Labour-Spitze fordern, um damit seine eigene Haut zu retten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Eine gleichfalls drohende Niederlage in Wales wird in der Labour-Partei noch bitterer verbucht werden. Denn der Strang der Industriest\u00e4dte an der walisischen S\u00fcdk\u00fcste ist seit jeher ihr politisches Heimatterrain gewesen; die walisische Regionalregierung hat Labour seit ihrer Gr\u00fcndung vor einem Vierteljahrhundert dominiert. Nun prophezeien die Umfragen, dass die Partei ihre F\u00fchrungsrolle entweder an Reform UK, oder an die walisischen Separatisten verlieren wird. Deren Partei Plaid Cymru ist zwar nicht ganz so vehement auf die Losl\u00f6sung von Westminster fixiert, wie die SNP das f\u00fcr Schottland beansprucht, aber Forderungen nach weitergehender Autonomie f\u00fcr Wales erhebt sie auch.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Auf diese Weise d\u00fcrften die Wahlergebnisse, die am Ende dieser Woche nach und nach ausgez\u00e4hlt werden, die politische Verfasstheit des Vereinigten K\u00f6nigreiches gleich zweifach ersch\u00fcttern. Sie werden erstens die Stabilit\u00e4t des Zwei-Parteien-Systems ersch\u00fcttern, in dem sich seit hundert Jahren Labour und die Konservativen als m\u00e4chtigste Parteien abgewechselt haben; zweitens aber werden sie die separatistischen Kr\u00e4fte st\u00e4rken, die sich von Westminster und englischer Dominanz emanzipieren wollen. Das gilt neben Schottland und Wales auch f\u00fcr Nordirland, wo an diesem Donnerstag gar nicht gew\u00e4hlt wird. Aber dort ist die irisch-katholische Sinn F\u00e9in, die f\u00fcr den Austritt aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich pl\u00e4diert, ohnehin schon st\u00e4rkste Partei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das britische Zweiparteiensystem kommt an sein Ende. 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