{"id":1001935,"date":"2026-05-07T20:11:30","date_gmt":"2026-05-07T20:11:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1001935\/"},"modified":"2026-05-07T20:11:30","modified_gmt":"2026-05-07T20:11:30","slug":"86-millionen-fuer-den-abriss-honeckers-geheimes-ddr-krankenhaus-wird-zur-kostenfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1001935\/","title":{"rendered":"86 Millionen f\u00fcr den Abriss: Honeckers geheimes DDR-Krankenhaus wird zur Kostenfalle"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Wer heute durch das Loch im Zaun an der Hobrechtsfelder Chaussee 100 in Berlin-Buch schl\u00fcpft, findet sich in einer anderen Welt wieder: verwaiste Operationss\u00e4le mit Kacheln in Stasi-Gr\u00fcn, ein leeres Schwimmbad, Graffiti an den W\u00e4nden, Gestr\u00fcpp auf dem Vorplatz. Und irgendwo tief darunter ein <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/bunker-2356096\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atombunker<\/a> mit voll ausgestatteten OP-S\u00e4len, der das \u00dcberleben der DDR-F\u00fchrung nach einem Atomschlag sichern sollte.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Willkommen im ehemaligen Regierungskrankenhaus der SED. Einer der absurdesten Orte Berlins \u2013 und m\u00f6glicherweise bald zu verkaufen.\n            <\/p>\n<p>            Ein Krankenhaus, das offiziell nicht existierte<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              1976 er\u00f6ffnete das DDR-Regierungskrankenhaus in Berlin-Buch, ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Staatsf\u00fchrung um <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/erich-honecker-sieht-doch-ganz-freundlich-aus-gar-nicht-wie-ein-verbrecher-273027\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erich Honecker<\/a>, Diplomaten und ausgew\u00e4hlte Funktion\u00e4re. Normale B\u00fcrger? Falsche Klasse. Dabei mangelte es in der DDR oft genug an Antibiotika und R\u00f6ntgenger\u00e4ten \u2013 nicht so hier.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ab Mitte der 1980er-Jahre stand in Buch einer von in der DDR extrem seltenen Computertomografen. Normale DDR\u2011B\u00fcrger warteten jahrelang auf einen CT-Termin. F\u00fcr die Politprominenz in Buch ging es deutlich schneller.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Fehlende Medikamente? Kein Problem, wenn man <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/die-geheime-ortspolitik-der-ddr-sich-dagegen-zu-wehren-war-ausgeschlossen-10003602\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Staatssicherheit<\/a> als Kurierdienst nutzen kann. Kardiologe Dr. Uwe Jens J\u00fcrgensen erinnerte sich im MDR: Wenn etwas gebraucht wurde, \u201esagten wir es unserer Hausapotheke. Die schickte einen Stasi-Mann mit der Aktentasche nach West-Berlin. Und dann war das Medikament in zwei Stunden bei uns.\u201c\n            <\/p>\n<p>            58 \u00c4rzte, 115 Pflegekr\u00e4fte \u2013 und ein Atombunker<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Der Aufwand war erheblich. Im Regierungskrankenhaus selbst arbeiteten 58 \u00c4rzte und 115 Pflegekr\u00e4fte, 85 Zimmer mit Telefon und TV sowie eine Schwimmhalle und eine Entbindungsstation standen bereit. Unterhalb des Komplexes befand sich ein Atombunker mit OP-S\u00e4len f\u00fcr den nuklearen Ernstfall.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Direkt nebenan, ebenfalls im Bucher Wald und ebenfalls streng abgeschirmt, betrieb das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit sein eigenes Krankenhaus \u2013 ein separater Komplex mit rund 300 Betten und 650 Mitarbeitern, nur f\u00fcr Stasi-Angeh\u00f6rige ab einem bestimmten Dienstgrad. Zusammen bildeten beide Einrichtungen den bestgeh\u00fcteten Medizinkomplex des Ostblocks. Das Wachregiment \u201eFeliks Dzierzynski\u201c sicherte das Areal.\n            <\/p>\n<p>            Honecker wurde sein Tumor verschwiegen<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Klinik erlebte ihren dramatischsten Moment 1989: Noch kurz vor dem Mauerfall wurde Erich Honecker in Buch an der Gallenblase operiert. Dabei fanden die \u00c4rzte einen Tumor \u2013 und schwiegen dar\u00fcber. Ob aus Loyalit\u00e4t, aus Angst oder aus kaltem Kalk\u00fcl, ist bis heute nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Honecker erfuhr von seiner <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/krebs-ueberlebt-aber-nicht-gesund-ein-charite-programm-macht-patientinnen-jetzt-hoffnung-10021239\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krebserkrankung<\/a> erst sp\u00e4ter, als er die DDR schon hinter sich gelassen hatte.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Nach der Wende verlor die Klinik ihre Sonderrolle. Im Fr\u00fchjahr 1990 wurde sie dem st\u00e4dtischen Klinikum Berlin-Buch angegliedert. 2007 wurde sie endg\u00fcltig geschlossen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Seitdem verrottet das Gel\u00e4nde \u2013 nicht immer still. 2019 wurden auf dem Areal des ehemaligen Stasi-Krankenhauses Tausende Patientenakten entdeckt, die bis in die 1960er-Jahre zur\u00fcckreichten, komplett mit Namen, Geburtsdaten, Diagnosen und Operationsberichten. Dass die Dokumente so lange unbemerkt blieben, hatte am Ende einen eher banalen Grund: Sie stammten wohl nicht aus dem Stasi-Betrieb selbst, sondern aus der Orthop\u00e4die des st\u00e4dtischen Klinikums Buch und waren beim Umzug 2007 schlicht vergessen worden. Weniger Geheimdienst, mehr Berliner Schlamperei \u2013 aber f\u00fcr die Betroffenen kaum ein Trost.\n            <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/52b3d7e1-2d4d-4cf1-ad75-fb0cc539c840.jpg\"   alt=\"Das ehemalige DDR Regierungskrankenhaus hat bessere Tage gesehen.\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Das ehemalige DDR Regierungskrankenhaus hat bessere Tage gesehen.\" data-source=\"IMAGO\/J\u00fcrgen Ritter\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Das ehemalige DDR Regierungskrankenhaus hat bessere Tage gesehen.<\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\u00a9 IMAGO\/J\u00fcrgen Ritter<\/p>\n<p>            210 Millionen Euro f\u00fcr die Sanierung \u2013 oder 86 Millionen f\u00fcr den Abriss<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Inzwischen hat die Romantik des Verfalls ihren Preis. Die Sicherung des Areals verschlingt Hunderttausende Euro j\u00e4hrlich. Das Land Berlin, das das Gel\u00e4nde \u00fcber die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet, steckt in einem klassischen Berliner Dilemma: Laut Machbarkeitsuntersuchung kostet eine Komplettsanierung rund 210 Millionen Euro brutto \u2013 ein Abriss k\u00e4me auf rund 86 Millionen Euro. Wobei: Im Abrissszenario ist der R\u00fcckbau der Bunkeranlage noch nicht eingerechnet. Was darunter liegt, hat seinen Preis.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Laut einem <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/pankow\/kommt-honeckers-luxusklinik-bald-unter-den-hammer\">Bericht der B.Z.<\/a> soll der BIM-Aufsichtsrat einem Bieterverfahren zugestimmt haben \u2013 ohne Mindestpreis, Zuschlag an den Meistbietenden. Als Wunschnutzung favorisiert Berlin ein Rechenzentrum auf dem Areal.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die BIM selbst bremst: Auf Anfrage der Berliner Zeitung hei\u00dft es, die Berichterstattung k\u00f6nne \u201eso nicht best\u00e4tigt\u201c werden, einen entsprechenden Aufsichtsratsbeschluss gebe es nicht \u2013 zun\u00e4chst stehe die Clusterung des Grundst\u00fccks durch den Portfolioausschuss aus. Erst danach k\u00f6nnten n\u00e4chste Schritte beschlossen werden.\n            <\/p>\n<p>              <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/2321129\" class=\"flex gap-4 items-start group\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/c5833212-7434-41b5-9967-015d39d87a54.jpeg\" alt=\"Geisterst\u00e4tten: Was aus Brandenburgs Lost Places werden soll\" class=\"w-full h-full object-cover aspect-[3\/2]\"\/><\/p>\n<p>                        Hauptstadtregion<\/p>\n<p>                      Geisterst\u00e4tten: Was aus Brandenburgs Lost Places werden soll<\/p>\n<p>              <\/a><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer heute durch das Loch im Zaun an der Hobrechtsfelder Chaussee 100 in Berlin-Buch schl\u00fcpft, findet sich in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1001936,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-1001935","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116535118495798179","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1001935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1001935"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1001935\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1001936"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1001935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1001935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1001935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}