{"id":1002497,"date":"2026-05-08T01:34:34","date_gmt":"2026-05-08T01:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1002497\/"},"modified":"2026-05-08T01:34:34","modified_gmt":"2026-05-08T01:34:34","slug":"weissenhofsiedlung-in-stuttgart-das-blaue-wunder-der-neue-look-der-ikonischen-mart-stam-haeuser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1002497\/","title":{"rendered":"Weissenhofsiedlung in Stuttgart: Das blaue Wunder \u2013 der neue Look der ikonischen Mart-Stam-H\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p> Zwei Frauen biegen um die Ecke, schauen sich suchend um. \u201eWir suchen eine Wohnung\u201c, sagt die eine, schon fast vorwurfsvoll im Ton. \u201eWo kann man sie anschauen?\u201c, fragt die andere. Das kleine Gr\u00fcppchen, das vor einem der Stuttgarter Mart-Stam-H\u00e4user in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-in-stuttgart-von-wegen-elitaer-die-tiny-houses-der-stuttgarter-weissenhofsiedlung.0719bfd2-3455-4d50-bcd6-1b5d7b406114.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Weissenhofsiedlung<\/a> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-in-stuttgart-von-wegen-elitaer-die-tiny-houses-der-stuttgarter-weissenhofsiedlung.0719bfd2-3455-4d50-bcd6-1b5d7b406114.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> steht, schaut sich ratlos an. <\/p>\n<p>Hier gibt es <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.weissenhof-anwohner-in-sorge-zur-bauaustellung-2027-in-stuttgart-blick-ins-schlafzimmer.36d4aba0-7eff-467a-9a3d-2f29835f4bd1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Wohnungen und H\u00e4user zu mieten<\/a>, aber aktuell ausgeschrieben ist nichts. Schon gar nicht in einem der frisch in kr\u00e4ftigem Blau erstrahlten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.vorher-nachher-stuttgarter-architekt-und-sein-preisgekroenter-haus-umbau.18f02971-0b9e-4f56-affd-f8a204eebb19.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Reihenh\u00e4usern<\/a> des niederl\u00e4ndischen Architekten. Die Bauten im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-spaziergang-stuttgart-5-der-schoensten-bauhaus-villen-stuttgarts-von-der-gaensheide-bis-zum-bopser.4e105232-6baa-4a1e-bd65-a09957838bfe.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Stil des Neuen Bauens <\/a>werden gerade vom Fotografen dieser Zeitung von mehreren Perspektiven aus aufgenommen, auch Details, das kleine Treppchen rechts neben dem Eingang, die blau lackierten Briefk\u00e4sten.<\/p>\n<p>Ikonisches Haus des Neuen Bauens in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> <\/p>\n<p>Die Mieter der Stam-H\u00e4user haben \u00fcber viele Monate ohne Fenster, daf\u00fcr mit Ger\u00fcst vorm Haus und Baggern im Vorgarten gewohnt. Jetzt, da alles fertig ist, werden sie vermutlich erst recht bleiben. Frank Riethm\u00fcller, Leiter Baumanagement Bestandswohnungen der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wohnungsbau-in-stuttgart-historisch-hohes-bauvolumen-800-millionen-euro-fuer-wohnungen-in-stuttgart.33c9afe8-e903-43a2-9840-4fdca93521d5.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Stuttgarter Wohnungs- und St\u00e4dtebaugesellschaft<\/a> (SWSG), ist der erste, der versteht, was die Frauen wollen. \u201eAh, die Wooohnung!\u201c, sagt er, l\u00e4chelt und weist den Weg. Geradeaus, dann links und die Treppen hinunter, dann k\u00f6nnen sie sich eine der architektonisch herausragendsten Wohnungen des 20. Jahrhunderts anschauen \u2013 die von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.weissenhofsiedlung-stuttgart-endlich-freie-sicht-auf-le-corbusiers-einfamilienhaus-in-stuttgart.11bf368f-30a7-4056-b054-7a524405764a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Le Corbusier <\/a>im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.weissenhofmuseum-in-stuttgart-die-magie-weissenhof-wirkt-mehr-publikum-im-corbusier-haus.f543f02a-d717-4493-bfda-c4efcde9c0bd.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Weissenhofmuseum<\/a>. <\/p>\n<p>Frohe Mienen, die zwei Frauen sind offensichtlich Touristinnen, sie spazieren beschwingten Schrittes weiter. Derlei tr\u00e4gt sich in einer der ber\u00fchmtesten, architektonisch bedeutsamen Mietersiedlung Stuttgarts \u2013 sogar der Welt \u2013 immer wieder zu. Weshalb einige der hier Wohnenden manchmal Blickkontakte meiden, wenn sie einfach nur ihre Eink\u00e4ufe ins Haus tragen und nicht Wegweiser spielen wollen, w\u00e4hrend orientierungslose oder auch aufdringlich neugierige Menschen vor ihren T\u00fcren herumstehen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfsanierung in der Stuttgarter Mietersiedlung <\/p>\n<p>Ein kleines Holzschild auf der zart sprie\u00dfenden Rasenfl\u00e4che weist darauf hin, dass dies ein Privatweg ist. Die zwar h\u00e4ssliche, doch auch abschirmende M\u00fclltonnenformation ist verschwunden, die hat die SWSG im Zuge der j\u00fcngst abgeschlossenen Gro\u00dfsanierung weiter entfernt ordentlich eingehaust. Wenn die Gr\u00fcnpflanzen weiter wachsen, wird der M\u00fcllplatz nicht mehr so prominent wie jetzt sichtbar sein.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.f0c20549-7883-4882-b2a8-53ec3269770a.original1024.media.jpeg\"\/>     Der niederl\u00e4ndische Architekt Mart Stam hat die Reihenh\u00e4user in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung entworfen.    Foto: gemeinfrei    <\/p>\n<p>Um die drei Reihenh\u00e4uschen herum ist nun wieder alles offen einsehbar. So wie damals, im Jahr 1927, als die Werkbund-Ausstellung \u201eDie Wohnung\u201c Hunderttausende Menschen anlockte. Damals waren die Wohnungen und H\u00e4user im Stil des Neuen Bauens zwar eingerichtet \u2013 Mart Stam m\u00f6blierte seine Bauten mit den von ihm entworfenen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.design-200-jahre-kaffeehaus-stuhl-und-welcher-stuhltyp-sind-sie.6523d02b-6614-4c66-b2df-e5d8d46172c9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Freischwingern<\/a> \u2013, aber nat\u00fcrlich waren sie nicht bewohnt. <\/p>\n<p>Die vom Architekten und k\u00fcnstlerischem Leiter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.buchtipp-architektur-was-passiert-mit-mies-van-der-rohes-erster-bauhaus-villa.f6bc4928-cb21-43a1-9f63-c1770013aa66.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ludwig Mies van der Rohe<\/a> zu Beginn der 1920er Jahre damit beauftragten Herren sollten ihre Ideen f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfes Wohnen auf einer Obstwiese im Stuttgarter Norden verwirklichen. Bei Stams Haus ist die Konstruktion \u201eals ein Eisenskelettsystem mit Schlackenstein-F\u00fcllw\u00e4nden ausgebildet, sie erm\u00f6glicht ein sehr schnelles Bauen\u201c, ist in dem vom Werkbund herausgegebenen Buch zur Siedlung \u201eBau und Siedlung\u201c zu lesen. <\/p>\n<p> Schnell Wohnraum schaffen war in Stuttgart auch 1927 Thema <\/p>\n<p>Wohnraum war damals wie heute Mangelware. Allerdings waren die Wohnungen und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.besser-wohnen-warum-65-prozent-der-deutschen-vom-einfamilienhaus-traeumen.08043534-c384-441c-a769-b2dd191c8348.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">H\u00e4user<\/a> kleiner als heute. 105 Quadratmeter auf drei Stockwerke verteilt, inklusive drei Schlafzimmer, WC, Bad, Wohn-, Ess- und K\u00fcchenbereich \u2013 und Kellerr\u00e4ume. 111 Quadratmeter misst das Haus ganz rechts, das zus\u00e4tzlich \u00fcber eine herrliche Sonnenterrasse verf\u00fcgt. \u201eMan muss seine Anspr\u00fcche einschr\u00e4nken, aber demgegen\u00fcber hat man das Recht, f\u00fcr das ausgegebene Geld ein H\u00f6chstma\u00df an Brauchbarkeit, an Bequemlichkeit zu fordern\u201c, notierte der Architekt im Essay zu seinem Entwurf.<\/p>\n<p>Z\u00e4une haben die 17 eingeladenen Architekten f\u00fcr ihre <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.schoen-wohnen-am-rand-der-alb-vorher-nachher-traum-stuttgarter-gestalter-baut-60er-jahre-villa-um.9fc91c57-03f1-4ac6-8bfb-57cf6ae8bcd1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ein- und Mehrfamilienh\u00e4user <\/a>nicht entworfen, auch keine M\u00fclltonnen-Pl\u00e4tze. M\u00fclltrennung war 1927 noch kein Thema. Selbst Hausnummern hielten sie f\u00fcr verzichtbar. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.beb11d72-e171-4337-9d1b-59b887e069ee.original1024.media.jpeg\"\/>     R\u00fcckw\u00e4rtige Seite der Mart-Stam-H\u00e4user in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung \u2013 vom H\u00f6lzelweg aus gesehen. Dort wird gerade eine Mauer saniert.    Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko    Abrissstadt Stuttgart <\/p>\n<p>Knapp hundert Jahr sp\u00e4ter wird dies bei der Sanierung der H\u00e4user von Mart Stam und Co. zum Problem. Denn: Inzwischen steht die komplette Siedlung unter Denkmalschutz. Aus guten Gr\u00fcnden. Einige Architekturjuwele wurden nicht nur im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt, sondern, wiewohl bewohnbar, in den 1950ern abgerissen.<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-in-stuttgart-ploetzlich-charmant-stuttgarter-weissenhofsiedlung-erstrahlt-neu.80f2539f-8b3b-408b-9e52-2078a0dee5c1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Auch das Haus von Adolf Rading<\/a> direkt neben den Stam-H\u00e4usern. Abrissstadt Stuttgart eben. <\/p>\n<p>Die SWSG will es besser machen. Daher sitzen an einem Februartag 2024 Frank Riethm\u00fcller und SWSG-Projektleiter Bj\u00f6rn Hakenbeck in der kleinen Weissenhofwerkstatt im benachbarten Haus Mies van der Rohe und haben jede Menge Akten und Pl\u00e4ne auf einem Tisch ausgebreitet, nachdem sie wieder mal eine Besichtigung vor Ort absolviert hatten. <\/p>\n<p> 39 Fenster m\u00fcssen aufgearbeitet werden <\/p>\n<p>Der Lack ist ab am Reihenhausriegel. M\u00e4uerchen rissig, Treppen schadhaft, der fahle graublaue Putz br\u00f6ckelig. Muss alles \u00fcberholt werden. Das Dach, die Eingangst\u00fcren, die 39 Fenster. Eine Million Euro wird die Sanierung f\u00fcr das Mart-Stam-Geb\u00e4ude am Ende gekostet haben. <\/p>\n<p>Seit 2023 arbeiten sie an der Sanierung des Mart-Stam-Ensembles. Ein Jahr lang dauerte die \u201eGrundlagenermittlung\u201c, Untersuchungen und Sichtungen, jedes Haus wird einzeln untersucht. Die Farbgebung wurde intensiv diskutiert, Pl\u00e4ne studiert, T\u00fcren auf Fotos recherchiert, in Archiven Texte und Bilder begutachtet. 111 Seiten Recherche sind zusammengekommen.<\/p>\n<p> Ausgiebige Recherche zu dem Stuttgarter Haus von Stam <\/p>\n<p> \u201eVieles ist nicht mehr im Originalzustand\u201c, sagt Riethm\u00fcller. Die Metallfenster etwa sind keine Originale mehr, das Haus wurde in den 1980ern stark saniert. In der kleinen Ausstellungsgalerie im Haus Mies van der Rohe berichten davon, dass sie und die Architekten des Stuttgarter B\u00fcros Kaestle &amp; Ocker, au\u00dferdem Mitarbeitende der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architekturpreis-der-wuestenrot-stiftung-erst-lost-place-jetzt-ausgezeichnetes-wohnhaus.81a70bc4-1acd-4c96-b9dd-8b5fa0bfbecb.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">W\u00fcstenrot Stiftung <\/a>als unterst\u00fctzende Connaisseure in Sachen Denkmalschutz sowie Vertreter der Denkmalbeh\u00f6rde in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden beisammensitzen. <\/p>\n<p>F\u00fcr jegliche Ver\u00e4nderungen an den Originalbauten und den Ersatzbauten m\u00fcssen Antr\u00e4ge beim Denkmalamt gestellt werden. \u201eDie regelm\u00e4\u00dfigen Treffen sind sehr hilfreich und fruchtbar\u201c, sagt Riethm\u00fcller. \u201eUnd auch wenn nicht alles zu hundert Prozent in Dokumenten belegt ist, haben wir nach langen Beratungen immer gemeinsam Entscheidungen treffen k\u00f6nnen. Was gut ist, sonst kommt man nicht voran.\u201c Damit es bei der n\u00e4chsten Sanierung flotter geht, werden bei der jetzigen Umbauarbeit f\u00fcr alle Ma\u00dfnahmen Dokumentationen und Produktdatenbl\u00e4tter angeheftet. <\/p>\n<p> Was ist das passende Blau? <\/p>\n<p>Recht leicht fiel die Entscheidung, was mit den Hausnummern passieren soll. Sie kommen seitlich am Windfang an die Wand, das wirkt eindeutig wohnlicher als zuvor, als die Zahlen gef\u00fchlt fabrik- oder knastm\u00e4\u00dfig aufs T\u00fcrblatt gemalt waren. <\/p>\n<p>Lange nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt ist eine, wenn nicht die wichtigste Frage: Was ist das passende Blau? 1927 wurde in Schwarz-Wei\u00df fotografiert, da aber auch damals schon die Fotografen Bilder bearbeiten, bieten die Schattierungen keine ausreichende Orientierung. Gespr\u00e4che mit einem der Beteiligten der letzten Sanierung in den 1980ern, der damals Farb- und Putzuntersuchungen gemacht hatte, waren bedingt hilfreich. Und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.staedtebau-in-stuttgart-die-neue-lust-am-monumentalen.42a83a00-fbd8-4fa9-bc9a-fd8312770716.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Richard D\u00f6cker<\/a>, Architekt und Bauleiter der Siedlung, hat auch nicht alle Details des Baus in den Unterlagen vermerkt. <\/p>\n<p>\u201eBeim Putzabklopfen\u201c, wird Riethm\u00fcller einige Monate sp\u00e4ter beim n\u00e4chsten Baustellenbesuch berichten, w\u00e4hrend am einger\u00fcsteten Haus gerade kein Blau mehr an der Fassade zu sehen ist, daf\u00fcr Fensterfl\u00e4chen mit Sperrholzplatten verdeckt sind. \u201eAls wir an den H\u00e4usern die Sockel freigelegt haben, haben wir gehofft, im Boden original Putzreste zu finden.\u201c Vergebens. Geeinigt hat man sich am Ende auf dies: Ultramarin hell, KEIM Soldalit \u201eMT 8052052 PQ\u201c \u2013 eine Sondermischung. Und an den anderen H\u00e4userw\u00e4nden ist es ein gelbliches Wei\u00df geworden: \u201eNCS S 0005 \u2013 Y20R\u201c.<\/p>\n<p>Auch beim Abtragen der seitlichen Mauer war nicht ein blaues Br\u00f6ckchen zu finden, daf\u00fcr kam anderes zum Vorschein. Die Mauer war bei einer fr\u00fcheren Sanierung einfach um einen Meter nach hinten versetzt worden. Keiner wei\u00df, warum. \u201eBeim R\u00fcckbau haben die Handwerker Fundamentreste entdeckt\u201c, sagt Florian Christl, SWSG-Projektleiter der Weissenhofsiedlung, nun im Fr\u00fchjahr 2026. <\/p>\n<p> \u00dcberraschender Fund im Boden der Stuttgarter Siedlung  <\/p>\n<p>Einerseits sch\u00f6n, weil man wei\u00df, dass die Originalpl\u00e4ne also korrekt sind. Andererseits schwierig, weil die Fundamente nat\u00fcrlich auch unter Schutz stehen und der Maueraufbau dadurch komplizierter wurde. \u201eEs musste eine Winkelst\u00fctzwand entwickelt werden, weil man nicht in die Tiefe gehen konnte\u201c, erkl\u00e4rt es der Architekt laienfreundlich. Nun f\u00fchrt ein Treppchen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.praemierte-gaerten-das-sind-die-schoensten-gaerten-des-jahres.c94e7f82-3ad6-4ad7-a7b8-a876b55ca2db.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">in den Garten<\/a>, der Sockel ist frisch bepflanzt. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.72f747c0-20d4-422b-8068-7ae9bd3b964b.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Mauer wurde an den urspr\u00fcnglichen Platz versetzt, das neue Treppchen mit T\u00fcr f\u00fchrt in den Garten.    Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>Das renommierte B\u00fcro K\u00f6ber Landschaftsarchitektur ist f\u00fcrs Gr\u00fcne in der Siedlung zust\u00e4ndig \u2013 und muss sich mit dem Denkmalschutz abstimmen. Und die SWSG muss R\u00fccksicht auf ihre Mieter nehmen. Die Sanierung findet im lebenden Objekt statt, die Siedlung ist kein Museum, Menschen leben da zur Miete.<\/p>\n<p> Gartengestaltung und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Architektur\" title=\"Architektur\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Architektur<\/a> \u2013 eine Gratwanderung <\/p>\n<p>Eine Gratwanderung. Denn: Die Architekten damals haben sich um Bepflanzung weniger Gedanken gemacht. Und dass das Gr\u00fcn immer hei\u00dfer werdenden Sommern m\u00f6glichst standhalten sollte, war damals auch kein Thema. \u201eWir wollten den Bewachs mit Fingerspitzengef\u00fchl \u00fcberarbeiten. Wir versuchen so gut wie m\u00f6glich auf die W\u00fcnsche der Mieter einzugehen und vieles bewahren\u201c, sagt Riethm\u00fcller.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man auf der Wiederherstellung der Originalpl\u00e4ne bestehen, m\u00fcssten einige Bepflanzungen radikal entfernt werden. So weit geht der Denkmalschutz nicht, \u201edas wollen wir den Mietern nicht zumuten\u201c, sagt Riethm\u00fcller. Denn dann g\u00e4be es wieder ein nur eingeschottertes und bekiestes Terrassenumfeld wie 1927. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.bceb1539-15cd-4ad2-abee-ed1c574adbf3.original1024.media.jpeg\"\/>     Das Stuttgarter Reihenendhaus rechts verf\u00fcgt auch noch \u00fcber eine Terrasse.    Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>Und eine Menge Obstb\u00e4ume m\u00fcssten wieder her \u2013 zumindest zeigt eines der Fotos in dem Weissenhof-Buch eine Aussicht von einem der R\u00e4ume ins Freie auf B\u00e4ume. Das ist nat\u00fcrlich nicht geschehen. Geht man einmal ums benachbarte Behrens-Geb\u00e4ude und biegt in den H\u00f6lzelweg, hat man nun aber doch etwas freiere Sicht auf die in heller Farbe gestrichene Putzfassade der Stam-H\u00e4user auf der Hinterseite. <\/p>\n<p>Ebenso wie vorne sind die Metallr\u00e4nder der Fenster frisch gestrichen, alle 137 Glaselemente der 39 Fenster wurden ausgetauscht, das Dach saniert. \u201eEin gro\u00dfer energetischer Effekt ist nicht erwartbar\u201c, sagt Riethm\u00fcller. Aber es ist alles dicht und bereit f\u00fcrs Weiterleben. Ein Haus sei nicht zum Angeben da, befand der Niederl\u00e4nder Mart Stam: \u201eF\u00fcr den, der redlich und klar denkt, ist das Haus Gebrauchsgegenstand.\u201c Angesichts der Forderung nach blo\u00dfer praktischer \u201eBrauchbarkeit\u201c wirkt das knallende Lavendelblau an der Vorderfront fast ein bisschen exzentrisch. Wie sch\u00f6n.<\/p>\n<p> <b>Bilder von der Sanierung finden sich in der Bildergalerie.<\/b> <\/p>\n<p> Info <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>SWSG und Weissenhofsiedlung<\/strong><br \/>Die 2019 hatte die stadteigene Stuttgarter Wohnungs- und St\u00e4dtebaugesellschaft (SWSG) die Siedlung vom Bund \u00fcbernommen. Kosteng\u00fcnstiges, funktionales, normiertes Bauen ist auch ihr Thema. 86 Wohnungen hat die SWSG in der Weissenhof- und angrenzenden Beamtensiedlung vermietet. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Denkmalschutz<\/strong><br \/>Rund 2.200 Wohnungen im SWSG-Bestand stehen unter Denkmalschutz. Im vergangenen Jahr 2025 hat die SWSG im Wohnungsbestand rund 180 Millionen Euro (Instandhaltung, Modernisierung und Neubau) investiert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei Frauen biegen um die Ecke, schauen sich suchend um. \u201eWir suchen eine Wohnung\u201c, sagt die eine, schon&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1002498,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[2250,1634,3364,29,30,171449,216364,216365,1441,92814,5329,36217],"class_list":{"0":"post-1002497","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-architektur","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-le-corbusier","14":"tag-mart-stam","15":"tag-nicole-golombek","16":"tag-stuttgart","17":"tag-topt","18":"tag-video","19":"tag-weissenhofsiedlung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116536388678256554","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1002497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1002497"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1002497\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1002498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1002497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1002497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1002497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}