{"id":1002651,"date":"2026-05-08T02:59:18","date_gmt":"2026-05-08T02:59:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1002651\/"},"modified":"2026-05-08T02:59:18","modified_gmt":"2026-05-08T02:59:18","slug":"frauenmordversuch-ueberlebt-was-an-empfindsamkeit-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1002651\/","title":{"rendered":"Frauenmordversuch \u00fcberlebt: \u201eWas an Empfindsamkeit bleibt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.onetz.de\/f\/ic\/ga-large\/articlemedia\/2026\/05\/08\/f5ef40ef-f0c9-42f0-ba4d-755efe8105e4.jpg\" class=\"ps-item\" data-psg=\"https:\/\/www.onetz.de\/deutschland-welt\/muenchen\/1\" data-size=\"960x659\" data-caption=\"&lt;div&gt;Bild: Peter Kneffel\/dpa&lt;\/div&gt;Der T\u00e4ter sollte in ihrem Film bewusst keine Rolle spielen, sagt Magnani H\u00fcller.\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/f5ef40ef-f0c9-42f0-ba4d-755efe8105e4.jpg\" alt=\"Der T\u00e4ter sollte in ihrem Film bewusst keine Rolle spielen, sagt Magnani H\u00fcller. Bild: Peter Kneffel\/dpa\" title=\"\" width=\"805\" height=\"453\" class=\"img-responsive\"\/><\/a><\/p>\n<p>Der T\u00e4ter sollte in ihrem Film bewusst keine Rolle spielen, sagt Magnani H\u00fcller.<\/p>\n<p>Bild: Peter Kneffel\/dpa<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/vgzm.2150077-2c9cdf8f-970a-4cef-84ac-9f0c781a0f1e.gif\" height=\"https:\/\/www.onetz.de\/deutschland-welt\/muenchen\/1\" width=\"https:\/\/www.onetz.de\/deutschland-welt\/muenchen\/1\" border=\"0\"\/><\/p>\n<p>Im Unterricht bemerkt sie die penetranten Blicke eines Mitsch\u00fclers, dann erh\u00e4lt sie Drohnachrichten in sozialen Medien. Ihre Eltern stellen eine Anzeige gegen ihn, es folgt ein Gespr\u00e4ch in der Schule \u2013 aber sonst passiert wenig. In den Sommerferien 2011 greift er sie auf offener Stra\u00dfe in M\u00fcnchen an und verletzt sie mit mehreren Messerstichen schwer. Daniela Magnani H\u00fcller ist erst 16 Jahre alt, als sie einen Femizidversuch \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Nun feiert am Samstag (9. Mai) ihr biografischer Dokumentarfilm \u201eWas an Empfindsamkeit bleibt\u201c beim Filmfestival \u201eDOK.fest\u201c in ihrer Heimatstadt Premiere. In fragmentarischen Szenen spricht die Regisseurin mit Menschen aus ihrer Vergangenheit und erz\u00e4hlt Erinnerungen nach. Der T\u00e4ter wird dabei kaum erw\u00e4hnt \u2013 eine ganz bewusste Entscheidung, wie Magnani H\u00fcller der Deutschen Presse-Agentur sagt. Um ihn soll es hier nicht gehen.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eFilm nicht aus Wut gemacht\u201c <\/p>\n<p>Den Entschluss zu dem Film fasst sie nach der ersten Lekt\u00fcre der Akten zu ihrem Fall. Jahrelang haben sie im Keller gelegen. Dann habe sie sich dazu entschieden, mit Menschen aus ihrem damaligen Umfeld zu sprechen, darunter eine Lehrerin, eine Kommissarin und eine Mitsch\u00fclerin.\u00a0\u201eIch habe den Film nicht aus Wut oder aus einem Rachegedanken gemacht. Es ging darum, sich gemeinsam zu erinnern\u201c, sagt Magnani H\u00fcller.\u00a0<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Dokumentation sei ein Satz gewesen, der sie bis heute begleite, so die Regisseurin. Ein Kommissar habe ihn kurz nach ihrem Erwachen im Krankenhaus zu ihr gesagt: \u201eIch wei\u00df, du hast heute etwas zutiefst Ungerechtes erlebt. Aber du musst mir jetzt eins versprechen: dass du den Glauben an die Menschen nicht verlierst.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>An diesen Moment habe sie \u00fcber die Jahre immer wieder zur\u00fcckgedacht. Der Umgang von Polizei und Justiz mit Gewaltbetroffenen sei oft fehlerhaft; auch in ihrem Fall h\u00e4tte sie sich mehr Engagement und Ernsthaftigkeit gew\u00fcnscht. Zugleich habe ihr der Satz gezeigt, welchen Einfluss einzelne Menschen innerhalb eines Systems haben k\u00f6nnen. \u201eDiese Frage wollte ich im Film aufmachen: Wie sehr wird eine Struktur auch durch Einzelpersonen gepr\u00e4gt?\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr den Film h\u00e4tte sie den Kommissar gerne getroffen. Ein Treffen mit ihm kam jedoch nicht zustande. Er sei in Rente gegangen und habe die Kontakte zu seiner fr\u00fcheren Arbeit abgebrochen. Ihm nicht danken zu k\u00f6nnen, sei schmerzhaft gewesen, sagt die 31-J\u00e4hrige.\u00a0<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/KlQUsapKTzI<\/p>\n<p>Dass sie \u00fcberlebt hat? \u201eEinfach ein gro\u00dfes Gl\u00fcck\u201c <\/p>\n<p>Der Film erz\u00e4hlt Magnani H\u00fcllers pers\u00f6nliche Geschichte, sie ist aber kein Einzelfall.\u00a0Genaue Zahlen zu Femiziden \u2013 also T\u00f6tungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts \u2013 erfasst die polizeiliche Kriminalstatistik bislang aber nicht.\u00a0<\/p>\n<p>Grund daf\u00fcr ist nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts eine fehlende bundesweit einheitliche Definition. Einer Auswertung zufolge wurden 2024 im Freistaat 40 Frauen Opfer eines Femizids. Sie f\u00fchle sich diesen Frauen verbunden, sagte die Regisseurin, es sei \u201eeinfach ein gro\u00dfes Gl\u00fcck und auch ein Zufall\u201c, dass sie \u00fcberlebt habe.\u00a0<\/p>\n<p>Der zweite Filmtitel \u201eSometimes I imagine them all at a party\u201c solle die ermordeten Frauen mit einbeziehen, sagte Magnani H\u00fcller. \u201eIch stelle mir vor, wie das w\u00e4re, wenn sie alle auf einer Party w\u00e4ren, eine gute Zeit h\u00e4tten und sich von ihren Tr\u00e4umen und W\u00fcnschen erz\u00e4hlen w\u00fcrden.\u201c Der Titel solle deutlich machen, was diesen Frauen genommen wurde \u2013 weil M\u00e4nner entschieden haben, ihr Leben zu beenden.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eEs ist wahnsinnig, was Frauen zugemutet wird\u201c <\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit der\u00a0Kriminalhauptkommissarin Marion Inhuber stellt die Regisseurin eine Frage, die lange nachhallt: \u201eWarum hat die Anzeige nicht gereicht, um mich vor der Tat zu sch\u00fctzen?\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Inhuber schildert, wie eng die Handlungsm\u00f6glichkeiten von Ermittlern in solchen F\u00e4llen oft seien. Allein aufgrund einer Drohung k\u00f6nne niemand festgenommen werden. H\u00e4ufig gingen Gewalttaten jedoch \u201ekleinere Delikte\u201c voraus. Dass Femiziden h\u00e4ufig Bedrohungen oder andere Formen von Gewalt vorausgehen, best\u00e4tigt eine Publikation der Weltgesundheitsorganisation WHO.\u00a0<\/p>\n<p>Mehr als ein Jahrzehnt nach der Tat muss Magnani H\u00fcller sich um ihren Schutz immer noch selbst bem\u00fchen, denn der T\u00e4ter ist inzwischen wieder frei. Ma\u00dfnahmen wie eine Auskunftssperre im Melderegister seien mit erheblichem b\u00fcrokratischem Aufwand verbunden; daf\u00fcr m\u00fcsse sie eine konkrete Gef\u00e4hrdung nachweisen.<\/p>\n<p>\u201eEs ist wahnsinnig, was Frauen zugemutet wird, was sie an B\u00fcrokratie leisten m\u00fcssen, w\u00e4hrend sie in einem psychischen Ausnahmezustand sind\u201c, sagt die Regisseurin. Ihr Leben lang werde sie sich damit auseinandersetzen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>Film \u201enicht nur f\u00fcr Feministinnen\u201c <\/p>\n<p>\u201eWas an Empfindsamkeit bleibt\u201c sei eine pers\u00f6nliche Perspektive auf ein Ph\u00e4nomen, das sonst nur von au\u00dfen betrachtet wird. \u201eDer Film ist nicht nur f\u00fcr Feministinnen\u201c, sagt Magnani H\u00fcller. \u201eEr soll alle dazu anregen, ins Gespr\u00e4ch zu kommen und genauer hinzuschauen.\u201c<\/p>\n<p>\u00a9 dpa-infocom, dpa:260508-930-50637\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der T\u00e4ter sollte in ihrem Film bewusst keine Rolle spielen, sagt Magnani H\u00fcller. 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