{"id":1003739,"date":"2026-05-08T13:31:16","date_gmt":"2026-05-08T13:31:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1003739\/"},"modified":"2026-05-08T13:31:16","modified_gmt":"2026-05-08T13:31:16","slug":"wie-es-der-kleine-sc-freiburg-ins-finale-der-europa-league-geschafft-hat-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1003739\/","title":{"rendered":"Wie es &#8222;der kleine SC Freiburg&#8220; ins Finale der Europa League geschafft hat &#8211; Sport"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Es gibt diverse Stra\u00dfenbahnlinien in Freiburg, die meisten machen irgendwann Halt am Bertoldsbrunnen. Allerdings f\u00fchrt die \u00f6rtliche Verkehrs AG weder eine Linie Nummer 18 im Bestand, noch f\u00e4hrt eine ihrer Trambahnen an den Bosporus. Und dennoch hat am Donnerstagabend kein Lied auf der Welt besser in die ohnehin gesegnete, nun aber auch selige Stadt im Breisgau gepasst als der programmatisch betitelte Schlager \u201eHeute f\u00e4hrt die 18 bis nach Istanbul\u201c. Kurz vor Mitternacht dr\u00f6hnte er aus der Kabine des <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/SC_Freiburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SC Freiburg<\/a> und trat vor\u00fcbergehend an die Stelle der badischen Nationalhymne.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mit den feierlichen T\u00f6nen des Badnerlieds hatte der SC Freiburg wie immer die Vorspiel-Zeremonie im Stadion er\u00f6ffnet, aber nach getaner, glorreicher Arbeit stand den Fu\u00dfballern in der Kabine nicht der Sinn nach vaterl\u00e4ndischem Pathos. Sondern nach dem von Lucas H\u00f6ler herbeigeschleppten Flaschenbier und Mallorca-Sound. Die ersehnte Reise zum Finale der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Europa_League\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa League<\/a> nach Istanbul, wo Aston Villa aus Birmingham der Gegner sein wird, war durch den sehr verdienten 3:1-Erfolg gegen den SC Braga tats\u00e4chlich Wirklichkeit geworden, und das musste selbstverst\u00e4ndlich gefeiert werden \u2013 wenn auch vorerst noch nicht von allen Beteiligten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor der Kabine stand einstweilen noch der Seniorchef der Freiburger Belegschaft, Nicolas H\u00f6fler, und referierte dem\u00fctige S\u00e4tze, die aus der Zitatensammlung des Klubs stammen k\u00f6nnten. Der Mittelfeldspieler, der sich 2005 als 15-j\u00e4hriger Bub dem Klub angeschlossen hatte, geriet beim R\u00fcckblick auf die pers\u00f6nliche Geschichte ins Philosophieren: \u201eEs ist alles immer ein Weg, oft steinig. Wir haben uns vor vielen Jahren gefunden und sind die Schritte gegangen\u201c, stellte er fest, als ob er gerade \u00fcber das Sein an sich nachd\u00e4chte. Und nun, sagte er, komme ihm der Erfolg \u201efast surreal\u201c vor: \u201eIch kann\u2019s gar nicht begreifen: Wir im Euro-League Finale, der kleine SC Freiburg!\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aus H\u00f6flers klassischen Bekenntnissen zur bescheidenen Existenz sprechen immer noch die Gr\u00fcnderv\u00e4ter des Breisgauer Mythos: Der legend\u00e4re fr\u00fchere Pr\u00e4sident Achim Stocker etwa, der es einst ablehnte, ein damals l\u00e4ngst \u00fcberall \u00fcbliches Fax-Ger\u00e4t f\u00fcr den Zweitligisten anzuschaffen \u2013 weil so ein Fax-Ger\u00e4t ja keine Tore schie\u00dfe. Auch die Mahnungen der Langzeittrainer und Lehrmeister Volker Finke und Christian Streich lebten in H\u00f6flers Staunen wieder auf. Doch der Klub ist als Sportverein und Unternehmen nicht erst am Donnerstag in einem anderen Zeitalter angekommen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Sport-Club ist ein Vorzeigerepr\u00e4sentant des deutschen Fu\u00dfballs. Die lokalen Gr\u00f6\u00dfen Streich und Jogi L\u00f6w waren daher am Donnerstag nicht die einzigen Vips auf der Trib\u00fcne. DFB-Pr\u00e4sident Bernd Neuendorf und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesliga\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesliga<\/a>-Chef Aki Watzke hatten sich aus dem Rheinland und dem Revier auf den Weg gemacht, um dem \u2013 wie nun feststeht \u2013 erfolgreichsten deutschen Europacup-Vertreter die Reverenz zu erweisen.<\/p>\n<blockquote class=\"css-1h1it5o\"><p>Wir haben uns als Klub und als Mannschaft stetig nach vorn entwickelt. Es ist kein Zufall und kein Gl\u00fcck, sondern mit viel K\u00f6nnen verbunden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicolas H\u00f6fler<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">So viel Prominenz hat der SC-Trainer Julian Schuster erst mal als einsch\u00fcchternd empfunden. \u201eVor dem Spiel mit Jogi und Lothar (Matth\u00e4us) dazustehen \u2013 da f\u00fchlt man sich schon wie der kleine Junge vom Land\u201c, erz\u00e4hlte er sp\u00e4ter. Das war aus seiner Sicht vielleicht nicht mal eine \u00dcbertreibung, wird seinen Qualit\u00e4ten und der Stellung als erfolgreicher Bundesligatrainer aber nicht gerecht. \u00dcber das Stadium des bisweilen etwas \u00e4ngstlichen Streich-Nachfolgers ist er l\u00e4ngst hinaus. Schuster hatte f\u00fcr das Match gegen Braga, das gr\u00f6\u00dfte Match der Klubgeschichte, einen zugleich brillanten wie frappierend einfachen Plan entworfen. Dessen besondere Kreativit\u00e4t bestand darin, dass er auf zwei Ur-Freiburger zur\u00fcckgriff, die in dieser Saison blo\u00df noch die Reserve hatten bilden d\u00fcrfen. Und nun beauftragte Schuster den zentralen Mittelfeldspieler H\u00f6fler, 36, und den Rechtsverteidiger Lukas K\u00fcbler, 33, mit zwei Schl\u00fcsselrollen, in denen sie am Ende ma\u00dfgeblich zum Triumph beigetragen hatten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">W\u00e4hrend H\u00f6fler als Schutzmann der Deckung dem zum Spielmacher aufger\u00fcckten Johan Manzambi den n\u00f6tigen Freiraum verschaffte, tat sich K\u00fcbler nicht nur als kampfstarker Abwehrmann hervor. Sondern als Held der Helden, indem er das 1:0 und das 3:0 erzielte. Der erste Treffer sei \u201eein Willenstor\u201c gewesen, sagte er, er h\u00e4tte aber auch \u201eEiertor\u201c sagen d\u00fcrfen. Einen Torschuss hatte K\u00fcbler nicht abgegeben, der Ball landete als Abpraller im Netz.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Alles passte f\u00fcr den SC an diesem Abend. Schon nach sieben Minuten geriet Braga entscheidend in Nachteil, als der allein davon geeilte Jan-Niklas Beste clever eine Notbremse inszenierte, indem er den Lauf seines Verfolgers Mario Dorgeles kreuzte und zwangsl\u00e4ufig mit ihm kollidierte. Die rote Karte war trotzdem korrekt. Gegen einen geschw\u00e4chten Gegner und mit der bald darauf gegl\u00fcckten F\u00fchrung legte Schusters Elf eine selbstsichere, gelassene und zielstrebige Leistung hin, als w\u00e4ren Halbfinals im Europacup f\u00fcr sie reine Routine. \u201eWir kennen unsere Qualit\u00e4ten, wir h\u00e4tten noch mehr Tore schie\u00dfen k\u00f6nnen\u201c, sagte H\u00f6fler. Dass es zum Schluss durch Bragas 1:3 noch mal spannend wurde, hat Schuster auf dem Podium der Pressekonferenz erstmal reflexhaft kritisiert (\u201edas kann man nat\u00fcrlich souver\u00e4ner runterspielen\u201c), bis er sich selbst ermahnte. Ach je, meinte er, \u201eman ist halt in diesem Modus drin, dass man gleich schon wieder weiterarbeitet und denkt\u201c. Das ist auch an einem Abend nicht anders, an dem die Fans nach dem Abpfiff euphorisch den Platz st\u00fcrmen und den Spielern im Angesicht der Stampede nur noch eine Wahl bleibt: Abhauen oder gnadenlos umarmt werden. \u201eMittenrein, Bad nehmen\u201c, entschied H\u00f6fler.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Fu%C3%9Fball\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fu\u00dfball<\/a>-Gesch\u00e4ft h\u00f6rt auch in den romantischen Momenten nicht auf, ein Gesch\u00e4ft zu sein, selbst im idyllischen Breisgau. Nachdem Johan Manzambi das 2:0 erzielt hatte, lie\u00df sich trotzdem der Gedanke nicht vertreiben, dass man solche typischen Tore von ihm nicht mehr oft im Europa-Park-Stadion sehen wird. Vor den Nachstellungen potenter Klubs wird Manzambi nicht zu bewahren sein. Der 20-J\u00e4hrige ist ein Kraftwerk auf zwei Beinen, ein logischer Kandidat f\u00fcr die englische Liga und ein Multi-Millionen-Transferobjekt. Auch der nach neuen Zielen strebende Torwart Noah Atubolo wird voraussichtlich eine hohe Summe einbringen. Das Finale samt der Europacup-Kampagne beschert dem Verein angeblich mindestens 50 Millionen Euro. Sollte dem SC in Istanbul ein Au\u00dfenseiter-Sieg gelingen \u2013 was schwer genug wird gegen Villas Trainer Unai Emery, der ein Spezialist f\u00fcr den Wettbewerb ist und ihn schon viermal gewonnen hat -, dann gibt es zur Belohnung au\u00dfer dem Pokal und noch mehr Pr\u00e4miengeld einen Startplatz in der Champions League. Also noch mehr Profit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Den Erfolg hat sich der SC Freiburg nicht gekauft und durch nichts erschlichen. Das ist durchaus eine Besonderheit. Auch wenn die Formel eigentlich in den Worten von Nicolas H\u00f6fler, der das alles aus der N\u00e4he bezeugen kann, ganz einfach klingt: \u201eWir haben uns als Klub und als Mannschaft stetig nach vorn entwickelt. Es ist kein Zufall und kein Gl\u00fcck, sondern mit viel K\u00f6nnen verbunden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt diverse Stra\u00dfenbahnlinien in Freiburg, die meisten machen irgendwann Halt am Bertoldsbrunnen. 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