{"id":1004172,"date":"2026-05-08T17:38:17","date_gmt":"2026-05-08T17:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004172\/"},"modified":"2026-05-08T17:38:17","modified_gmt":"2026-05-08T17:38:17","slug":"afrika-gipfel-in-kenia-frankreich-sucht-neue-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004172\/","title":{"rendered":"Afrika-Gipfel in Kenia: Frankreich sucht neue Partner"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die Au\u00dfenminister Frankreichs und Kenias am 11. Mai 2026 den &#8222;Africa Forward Summit&#8220;\u00a0in der Universit\u00e4t Nairobi er\u00f6ffnen, liegt die Betonung auf\u00a0einer neuen Gemeinsamkeit.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist das zweit\u00e4gige Treffen in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kenia\/t-17534427\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kenia<\/a> der erste Gipfel dieser Art, den Frankreich in einem englischsprachigen Land Afrikas ausrichtet.\u00a0Allerdings nicht ohne Grund: Pr\u00e4sident Emmanuel Macron will laut Experten ein Zeichen setzen und eine Abkehr von der bisherigen Afrika-Politik in Westafrika einleiten.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74880417\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74880417_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"G20-Gipfel Johannesburg 2025 | Emmanuel Macron spricht auf dem G20 Gipfel in Johannesburg\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron &#8211; hier auf dem G20-Gipfel in Johannesburg 2025 &#8211; will mehr Wirtschaftseinfluss in Ostafrika Bild: Thibault Camus\/AP Photo\/picture alliance<\/p>\n<p>Warum sich Frankreich umorientiert\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Frankreich hat sehr viel Ansehen und Einfluss in den frankophonen afrikanischen L\u00e4ndern verloren, besonders in der Sahelzone&#8220;, sagt Ulf Laessing, Leiter des Regionalprogramms Sahel der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali der DW. &#8222;Es versucht jetzt sehr stark, in anderen anglophonen L\u00e4ndern &#8211; S\u00fcdafrika, Kenia, Nigeria &#8211; zu expandieren, um sich auf die Weise wieder zu positionieren und als der vermeintlich wichtigste Partner Afrikas zu zeigen.&#8220;<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/emmanuel-macron\/t-38664576\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pr\u00e4sident Emmanuel Macron<\/a> und Kenias Pr\u00e4sident William Ruto werden auf dem Gipfel ihre neue Partnerschaft als Vorsitzende des Treffens demonstrieren. Dabei liegt der Fokus auf verst\u00e4rkte Sicherheit, Wirtschaftsinvestitionen, und gr\u00fcne Energie. Ruto m\u00f6chte au\u00dferdem \u00fcber\u00a0eine gerechtere Gestaltung des globalen Finanzsystems f\u00fcr hochverschuldete afrikanische Staaten sprechen. Frankreich hat zugesagt, diese Kampagne zu unterst\u00fctzen. Rund 30\u00a0Staats- und Regierungschefs sowie internationale G\u00e4ste werden erwartet.<\/p>\n<p>Der Gipfel soll ein <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/macron-reist-mit-neuer-strategie-nach-afrika\/a-64843823\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umdenken in der Afrika-Strategie<\/a> von Paris zeigen. &#8222;Da ist ein klarer Zusammenhang&#8220;, betont Laessing. &#8222;Man will den Verlust des Einflusses im frankophonen Afrika mit mehr Einfluss in anglophonen L\u00e4ndern ausgleichen.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"71218445\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71218445_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Mali 2022 | Franz\u00f6sische Soldaten gehen auf einen Helikopter in Mali zu, um das Land zu verlassen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Franz\u00f6sische Truppen ziehen 2022 aus Mali abBild: Etat-Major des Armees\/ABACAPRESS.COM\/picture alliance<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise wolle Frankreich sp\u00e4ter wieder in den frankophonen ehemaligen Kolonien expandieren, falls die Milit\u00e4rregime im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sahelzone\/t-66161192\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sahel<\/a> irgendwann fallen sollten, f\u00fcgt Laessing an. Allerdings seien in den frankophonen L\u00e4ndern Kritik und Vorurteile gegen\u00fcber Frankreich zu stark.<\/p>\n<p>&#8222;Afrika hat\u00a0eine sehr junge Bev\u00f6lkerung, in Mali zum Beispiel ist das Durchschnittsalter 15 Jahre &#8211; die haben nicht mehr den Bezug zu Frankreich&#8220;, sagt Laessing mit Blick auf die ehemaligen Kolonialherren. &#8222;Die Malier sind sehr stark entt\u00e4uscht und manipuliert worden, auch von den Eliten, die mit Frankreich verbandelt waren.&#8220;\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Frankreich im Sahel unerw\u00fcnscht<\/p>\n<p>Gegen diesen Einfluss Frankreichs in Westafrika, insbesondere in der Sahelzone, gab es seit 2022\/2023 massive Proteste. Demonstranten warfen Frankreich eine neokoloniale Politik und Einmischung in innere Angelegenheiten vor.\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali\/t-17601124\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali,<\/a> <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/burkina-faso\/t-18030005\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burkina Faso<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niger\/t-18137154\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> haben die milit\u00e4rische Zusammenarbeit mit Frankreich beendet und den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/truppenabzug-in-mali-ein-r\u00fcckschlag-im-anti-terror-kampf\/a-60817162\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abzug franz\u00f6sischer Truppen<\/a> erzwungen.\u00a0Die neuen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali-niger-und-burkina-faso-gr\u00fcnden-eigene-allianz\/a-69587098\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Milit\u00e4rjunta-Chefs in der Region<\/a> nutzen die anti-franz\u00f6sische Stimmung, um ihre Souver\u00e4nit\u00e4t zu betonen.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"63164927\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/63164927_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Eine Menschenmenge steht zusammen, gezeigt werden russische Fahnen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Auch in Niger wuchsen anti-franz\u00f6sische Ressentiments &#8211; dieses Bild zeigt eine Demonstration 2022 in Niamey gegen franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senzBild: BOUREIMA HAMA\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Ein \u00c4rgernis f\u00fcr viele Westafrikaner ist seit langem auch die W\u00e4hrung CFA-Franc &#8211; ein Relikt aus der kolonialen Vergangenheit. Bereits 2020 hatten einige westafrikanische L\u00e4nder mit Zustimmung Frankreichs eine W\u00e4hrungsreform eingeleitet, um den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/der-cfa-franc-eine-w\u00e4hrung-die-polarisiert\/a-48854249\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CFA-Franc<\/a> abzuschaffen. Doch der Transformationsprozess gestaltet sich schwierig.<\/p>\n<p>Angesichts des Imageverlusts in Westafrika bietet sich der Afrikagipfel in Ostafrika an,\u00a0sagen Experten. &#8222;Nach seinem R\u00fcckzug aus der Sahelzone strebt Frankreich eine Neuausrichtung seiner Partnerschaften hin zu diversifizierteren, wirtschaftlich orientierten Beziehungen an, haupts\u00e4chlich in schnell wachsenden Regionen wie Ostafrika&#8220;, sagt Yves Ekou\u00e9 Ama\u00efzo zur DW. Der Togolese ist Leiter des Afrocentricity Think Tanks, einer Denkfabrik in Wien.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"65111065\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/65111065_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Mehrere Windr\u00e4der stehen auf Bergen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Gr\u00fcner Strom aus Kenias Ngong-Bergen: Kenias Regierung investiert stark in erneuerbare Energien und formt Partnerschaften f\u00fcr neue WirtschaftsprojekteBild: Zhao Yingquan\/Photoshot\/picture alliance<\/p>\n<p>Frankreich sucht laut Ama\u00efzo nach stabilen Investitionsm\u00f6glichkeiten in den Bereichen Infrastruktur, Energie &#8211;\u00a0insbesondere erneuerbare Energien -, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kenia-am-digitalen-scheideweg-ki-aktivismus-und-verbote\/a-71543959\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">digitale Wirtschaft<\/a> und Logistik. &#8222;Und auch Projekte mit Bezug zum Privatsektor, die einen langfristigen Einfluss sichern, ohne auf Sicherheitsaspekte angewiesen zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>Harter Wettbewerb in Ostafrika<\/p>\n<p>Der Wettbewerb in der Region d\u00fcrfte hart werden, prognostiziert Ama\u00efzo. Schlie\u00dflich m\u00fcsse Frankreich mit alternativen Finanzierungsangeboten aus China, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien konkurrieren.\u00a0<\/p>\n<p>Frankreich macht bereits erfolgreich Gesch\u00e4fte in Kenia: Laut dem <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/www.trade.go.ke\/france-business-guide-launched-boost-investment-kenya\" title=\"Externer Link \u2014 franz\u00f6sischen Botschafter in Kenia\">franz\u00f6sischen Botschafter in Kenia<\/a> ist Frankreich der\u00a0f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte\u00a0ausl\u00e4ndischen Direktinvestor an, der 46.000 Arbeitspl\u00e4tze unterh\u00e4lt. Der Handel &#8211;\u00a0den das kenianische Handelsministerium mit rund 300 Millionen US-Dollar beziffert &#8211;\u00a0w\u00e4chst. Kenia exportiert Fr\u00fcchte, Kaffee, Tee, Blumen und Gew\u00fcrze nach Frankreich und importiert pharmazeutische und kosmetische Produkte, Chemikalien und Maschinen.<\/p>\n<p>Was verspricht sich Kenia davon?\u00a0<\/p>\n<p><a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kenia-pr\u00e4sident-william-ruto-vom-h\u00fchnerverk\u00e4ufer-zum-pr\u00e4sidenten\/a-62825174\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kenias Pr\u00e4sident Ruto<\/a> machte vor dem Gipfeltreffen am Montag jedoch die angestrebte Rolle Kenias als globaler Akteur deutlich: &#8222;Jedes Thema auf der Tagesordnung, jedes Gespr\u00e4ch und jede Verpflichtung zielt auf eines ab: ein Afrika, das an vorderster Front der globalen Angelegenheiten steht, sein eigenes Schicksal gestaltet, seine eigene Zukunft bestimmt und den globalen Diskurs beeinflusst&#8220;, sagte er laut des kenianischen Medienunternehmens The Star.<\/p>\n<p>Ostafrika gewinne zunehmend an geopolitischem Einfluss,\u00a0betont Ama\u00efzo. &#8222;Paris unterzeichnet neue Verteidigungs- und Investitionspartnerschaften mit L\u00e4ndern wie Kenia, Ruanda und Tansania. Solche Abkommen st\u00e4rken deren Status als strategische Knotenpunkte zwischen Europa, dem Indischen Ozean und dem gesamten afrikanischen Kontinent.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"55624253\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/55624253_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein Farmarbeiter pfl\u00fcckt Kaffeebohnen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Kaffee-Farmen sind in Kenia ertragreich: Das Land exportiert Fr\u00fcchte, Tee und Kaffee nach Frankreich und in andere L\u00e4nderBild: Billy Mutai\/ZUMAPRESS\/picture alliance<\/p>\n<p>F\u00fcr den kenianischen \u00d6konom James Shikwati kommt daher die Ausrichtung des Frankreich-Afrika-Gipfels in Nairobi nicht \u00fcberraschend. Kenia wolle sich st\u00e4rker mit Gro\u00dfm\u00e4chten weltweit verb\u00fcnden. &#8222;Die franz\u00f6sische Regierung war m\u00f6glicherweise der Ansicht, dass diese Politik Kenias ihr einen besseren Einstiegspunkt zur\u00fcck nach Afrika bietet&#8220;, sagt er\u00a0der DW.<\/p>\n<p>&#8222;In diesem Fall ins anglophone Afrika, dass Frankreich nicht unbedingt feindselig eingestellt ist&#8220;, f\u00fcgt er an. Zudem versuche sich Kenia, als Tor zu anderen afrikanischen L\u00e4ndern zu positionieren. Immerhin gebe\u00a0es mit der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Burundi innerhalb der Ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft EAC mindestens drei L\u00e4nder, die weitgehend frankophon sind &#8211;\u00a0ein weiterer Vorteil f\u00fcr Frankreich.<\/p>\n<p>Laut Shikwati zeigt der neue Ansatz Frankreichs auch, wie die angespannte Weltlage mit ihren Krisen im Nahen Osten und der Ukraine traditionelle M\u00e4rkte unter Druck setzt. &#8222;Etablierte Akteure geraten in eine neue, schwierige Lage, in der sie ihre globale Gesch\u00e4ftsstrategie neu ausrichten m\u00fcssen.&#8220;\u00a0Daher geht der\u00a0Blick auf die aufstrebenden Volkswirtschaften, die auch globaler agieren wollen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn die Au\u00dfenminister Frankreichs und Kenias am 11. 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