{"id":1004807,"date":"2026-05-08T23:37:13","date_gmt":"2026-05-08T23:37:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004807\/"},"modified":"2026-05-08T23:37:13","modified_gmt":"2026-05-08T23:37:13","slug":"welthauptstadt-des-designs-frankfurt-ueberzeugt-mit-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004807\/","title":{"rendered":"Welthauptstadt des Designs: Frankfurt \u00fcberzeugt mit Kunst"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Frank Seibold ist ein echter Frankfurter Jung und liebt seine Heimat in all ihren Facetten, den rauen und den glitzernden. Der Stadtf\u00fchrer steht in der Schwedlerstra\u00dfe, einer Seitenstra\u00dfe zur gesch\u00e4ftigen Hanauer Landstra\u00dfe, mitten im Ostend \u2013 einst abgerocktes Stiefkind der Metropole, heute ihr trendiges Lieblingsviertel. \u201eZu meiner Linken liegt das Upper Eastend Mainhattan, eine neue Eventlocation im hypermodernen Glasbau, von deren Dach aus man einen spektakul\u00e4ren Blick auf die Frankfurter Skyline hat\u201c, sagt der Guide und streicht mit der Hand \u00fcber die vielen metallicfarbenen Minikacheln, in denen der Eingangsbereich funkelt, \u201ezu meiner Rechten befindet sich das Atelier Frankfurt\u201c, f\u00e4hrt er fort und zeigt auf den Altbau-Geb\u00e4udekomplex auf der anderen Stra\u00dfenseite, \u201eHessens gr\u00f6\u00dftes Kunst\u00adzentrum. In diesem 11.000 Qua\u00addratmeter gro\u00dfen, ehemaligen Lagerhaus finden \u00fcber 220 K\u00fcnstlerinnen und Kreative rund 150 bezahlbare Ateliers.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Musik t\u00f6nt nach drau\u00dfen in den Innenhof, den Graffitis zieren, vor einem Foodtruck sitzen Ausstellungs-Besucher in der Sonne. Gleichzeitig wird der entspannte Klangteppich ab und zu vom Sound des Osthafens um die Ecke \u00fcbert\u00f6nt, mit seinen Werften und den wuchtigen Containerschiffen, von denen gerade Getreide, Kies oder Sand ausgeladen werden. Nur eine Biegung entfernt aber wartet die wohl gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung des einstiegen Arbeiterviertels: Von B\u00e4umen und B\u00fcschen ges\u00e4umt leuchtet der Schwedlersee in sattem Gr\u00fcnblau. \u201eEr war eigentlich als Erweiterung des Hafen-Nordbeckens geplant, doch mit Beginn des Ersten Weltkriegs war das pass\u00e9\u201c, wei\u00df Seibold. Die beinahe quadratische Grube f\u00fcllte sich mit Grundwasser und in der Folge zog die Natur in Gestalt von Reihern, Libellen und Muscheln ein. Ins Wasser d\u00fcrfen hier nur die Mitglieder des Ersten Frankfurter Schwimmclubs, im Restaurant am See kann es sich aber jeder gut gehen lassen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eFrankfurt ist eine Stadt der Widerspr\u00fcche, sie ist nicht so einfach zu fassen, fordert heraus, provoziert. Sie bedeutet Schwerindustrie neben einem Naturidyll und futuristische Bankent\u00fcrme in unmittelbarer N\u00e4he von Fachwerk- und Giebelh\u00e4usern\u201c, erkl\u00e4rt Frank Seibold. Er deutet auf die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB), die sich nur wenige Hundert Meter entfernt in den Himmel streckt. \u201eAls die Zentralbank vor \u00fcber zehn Jahren in den vom Wiener Architekturb\u00fcro Coop Himmelb(l)au entworfenen avantgardistischen Wolkenkratzer zog, war das der Startschuss f\u00fcr die ma\u00dfgebliche Ver\u00e4nderung des Viertels: Das Ostend wurde hip. Zugleich gibt es sie aber auch noch, die alteingesessenen L\u00e4den, die schon seit Ewigkeiten hier sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist ein spannendes Potpourri aus Innovation und Tradition \u2013 kein Wunder, dass Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet 2026 als erste deutsche Stadtregion zur Welthauptstadt des Designs (\u201eWorld Design Capital\u201c) gew\u00e4hlt wurde. Diesen Titel verleiht seit 2008 eine kanadische Nichtregierungsorganisation im Zwei-Jahres-Rhythmus an St\u00e4dte in aller Welt, in der Vergangenheit etwa an Val\u00e8ncia, Lille, Taipeh und Helsinki, und f\u00f6rdert Ausstellungen und Veranstaltungen von Museen, Hochschulen, Kommunen und Institutionen, darunter in diesem Programmjahr gro\u00dfe wie die Design Week im Juni oder das Module-Festival im August, aber auch unz\u00e4hlige von kleinen Vereinen und K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern initiierte Projekte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kunst und Design finden sich in Frankfurt an allen Ecken, wenn man mit offenen Augen durch die Stra\u00dfen geht. Auf der Hanauer Landstra\u00dfe etwa f\u00e4llt der Blick automatisch auf das 25 Hours Hotel The Goldman: Die Fassade leuchtet in Knall\u00adorange. Drinnen wartet der Frankfurter K\u00fcnstler Michael Dreher, der f\u00fcr die eklektische Gestaltung des Hauses verantwortlich zeichnet. Der Gang durchs Hotel gleicht einem farbenfrohen Rausch. Jedes Zimmer ist einer spannenden Pers\u00f6nlichkeit gewidmet, das Interieur frech, bunt, mit einem Augenzwinkern. Die gerade neu gestaltete Oost Bar ist ein psychedelischer Cocktail f\u00fcrs Auge, pink-rote Blumenmuster ranken sich \u00fcber W\u00e4nde, Sessel und ein Gem\u00e4lde im Jugendstil. Zum Schluss f\u00fchrt Dreher noch in die Herrentoiletten, deren Klosch\u00fcsseln im Stile eines ge\u00f6ffneten Rolling-Stones-Mundes aufwarten: \u201eSo mancher fand sie skandal\u00f6s\u201c, erinnert er sich grinsend, \u201edoch mittlerweile haben sich die Toilettenbesucher daran gew\u00f6hnt\u201c. Eben alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Ein Tipp von ihm, wo man heute unbedingt noch hinsollte, um knallig Kreatives zu sehen? \u201eIns Fortuna Irgendwo!\u201c Wir merken uns den Club, der ebenfalls Drehers Handschrift tr\u00e4gt, f\u00fcr sp\u00e4ter vor.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Jetzt lockt erst mal der Hunger. Schr\u00e4gt gegen\u00fcber des Hotels liegt eine Institution: die Traditionsmetzgerei Gref-V\u00f6lsing. Und, auch das ist Design, wer morgens fr\u00fch genug dran ist, erhascht noch einen Blick auf das fl\u00e4chendeckende Bild, das auf die Rolll\u00e4den des Gesch\u00e4fts gepinselt wurde, eine rote Rindswurst, nebst einem Klecks <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/senf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Senf<\/a>, die Spezialit\u00e4t des Hauses. Seit 1894 kaufen die Frankfurter hier ihr liebstes Fleischerzeugnis, entweder zum Direktverzehr vor Ort oder zum Mitnehmen und zu Hause aufw\u00e4rmen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein weiterer, echter Designklassiker ist der Bembel. Das niedliche Wort steht f\u00fcr einen dickbauchigen, grauglasierten Tonkrug mit blauem Muster. Der Inhalt schmeckt dann schon weniger lieblich: Ebbelwoi, herb-s\u00e4uerlicher Apfelmost. Im quirligen Stadtteil Sachsenhausen, am s\u00fcdlichen Mainufer findet sich eine ganze Reihe von Apfelweinwirtschaften; in einer davon, dem Lokalbahnhof, teilt man sich schlie\u00dflich zu mehreren den Inhalt eines Bembels und findet mit der Zeit Gefallen am \u201eScht\u00f6ffsche\u201c, wie die Kellnerin ihn anmoderiert hat. Man sieht den Most aber auch h\u00e4ufig in der Dose, gemischt mit Cola oder Kirschsaft \u2013 Bembel 2.0.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kein Frankfurtaufenthalt ohne Museumsbesuch! Die Stadt verf\u00fcgt \u00fcber eine der vielf\u00e4ltigsten und dichtesten Museumslandschaften Deutschlands. Den Kern bilden 39 Museen in der N\u00e4he des Mainufers und in der Innenstadt, alle mit kurzen Wegen untereinander. Sollte man nur Zeit f\u00fcr eines der H\u00e4user haben, dann geht man am besten ins St\u00e4del, in dem herausragende Werke von den Alten Meistern wie Johannes Vermeer, Gegenwartskunst etwa von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/gerhard-richter\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gerhard Richter<\/a> und wechselnde Schauen zu sehen sind. Bei etwas mehr Zeit empfiehlt sich zum Beispiel das Museum Angewandte Kunst, in dem Alltagskunst aus den verschiedensten Epochen zu sehen ist, seien es ein Handspiegel aus dem 12. Jahrhundert, eine komplette erhaltene \u201eFrankfurter K\u00fcche\u201c der Wiener Architektin Margarete Sch\u00fctte-Lihotzky aus den 1920er-Jahren oder ein erster iMac-Computer von 1995. Zugleich ist das Museum Angewandte Kunst die zentrale Anlaufstelle des Weltdesignhauptstadt-Jahres: Im dortigen WDC-Hub kann man sich \u00fcber das Programm und alle Projekte informieren, zudem finden Workshops und Pop-up-Ausstellungen statt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der letzte Programmpunkt f\u00fcr heute ist der von K\u00fcnstler Michael Dreher empfohlene und gestaltete Club Fortuna Irgendwo im Ostend. Sofort taucht man in eine andere Welt ein: Ein Dschungel aus Bl\u00fcten und Pflanzen rankt an Decken und W\u00e4nden entlang, Holzfiguren und Schnitzereien zieren die R\u00e4ume, und durch die Tiki-Bar und einen Pool kommt S\u00fcdsee-Flair auf. Der Club ist Teil des Union-Gel\u00e4ndes, auf dem der Stadtteil-Regisseur und Immobilienentwickler Ardi Goldman eine kleine Stadt innerhalb der Stadt geschaffen hat. Rund um die Piazza, das Herzst\u00fcck des Ensembles mit alten Kastanien, haben sich einige Ateliers, Shops und Restaurants angesiedelt. Skulpturen und gro\u00dffl\u00e4chige Kunstwerke an den Hausw\u00e4nden machen den Besuch zu einem echten Gro\u00dfstadt\u00adabenteuer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frank Seibold ist ein echter Frankfurter Jung und liebt seine Heimat in all ihren Facetten, den rauen und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1004808,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1829],"tags":[216649,29012,5238,17587,216650,29,18022,2050,2051,216647,33673,39100,30,2052,2075,54992,93538,4818,50006,2147,200936,13883,35957,216651,216646,216648,27898],"class_list":{"0":"post-1004807","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankfurt-am-main","8":"tag-alltagskunst","9":"tag-atelier","10":"tag-club","11":"tag-design","12":"tag-designklassiker","13":"tag-deutschland","14":"tag-frank","15":"tag-frankfurt","16":"tag-frankfurt-am-main","17":"tag-frankfurtaufenthalt","18":"tag-frankfurter","19":"tag-gegenwartskunst","20":"tag-germany","21":"tag-hessen","22":"tag-kunst","23":"tag-kunstfreiheit","24":"tag-kunstprojekten","25":"tag-kunstwerke","26":"tag-metropole","27":"tag-museen","28":"tag-ostend","29":"tag-projekte","30":"tag-reihe","31":"tag-schwimmclubs","32":"tag-seibold","33":"tag-weltdesignhauptstadt","34":"tag-werke"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116541590517192786","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1004807"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004807\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1004808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1004807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1004807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1004807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}