{"id":1004823,"date":"2026-05-08T23:46:16","date_gmt":"2026-05-08T23:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004823\/"},"modified":"2026-05-08T23:46:16","modified_gmt":"2026-05-08T23:46:16","slug":"anfifaschismus-am-8-mai-in-den-frieden-ziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1004823\/","title":{"rendered":"Anfifaschismus \u2013 Am 8. Mai in den Frieden ziehen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321453\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321453.jpeg\" alt=\"Am Freitag am sowjetischen Ehrenmal\"\/><\/p>\n<p>Am Freitag am sowjetischen Ehrenmal<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Annette Riedl<\/p>\n<p>Am 8. Mai, dem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199562.faschismus-mai-vier-panzersoldaten-und-ein-platz.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tag der Befreiung<\/a> vom Faschismus, kommen immer viele Menschen zum sowjetischen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191409.senatskanzlei-nikolai-massalow-nicht-wieder-ehrenbuerger.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ehrenmal im Treptower Park<\/a>, um dort Blumen f\u00fcr die im Kampf um Berlin gefallenen Soldaten abzulegen. Fast 5200 Soldaten sind hier beigesetzt worden. Aber um 10.30 Uhr herrscht noch wenig Betrieb auf der weitl\u00e4ufigen Anlage. Ein Polizist weist seine Kollegen am Eingang ein, worauf sie zu achten haben. Russische und sowjetische Fahnen beispielsweise sind heute und morgen verboten wie jedes Jahr, seit 2022 der Krieg zwischen Russland und der Ukraine offen ausgebrochen ist. Aber es werden erst einmal keine Taschen kontrolliert, ob jemand solche Fahnen dabei hat.<\/p>\n<p>Rund um die Skulptur \u00bbMutter Heimat\u00ab werden die ersten St\u00e4nde aufgebaut. Damit fertig ist um diese noch fr\u00fche Zeit nur die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Sie sammelt bereits Unterschriften. Die DKP will mit einer eigenen Liste bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September antreten. Ihr Spitzenkandidat soll der Journalist Arnold Sch\u00f6lzel sein. Der mittlerweile 78-J\u00e4hrige war mal Chefredakteur der Tageszeitung \u00bbJunge Welt\u00ab. Damit seine Partei wirklich antreten darf, ben\u00f6tigt sie 2200 Unterschriften. Weitere 185 Unterschriften von Wahlberechtigten braucht es f\u00fcr eine Liste der DKP f\u00fcr die Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-K\u00f6penick, dem einzigen der zw\u00f6lf Berliner Bezirke, in dem die Partei auch auf dieser Ebene antreten m\u00f6chte. Hier am Treptower Ehrenmal ist am 8. Mai eine gute Gelegenheit, m\u00f6gliche Unterst\u00fctzer auf eine Unterschrift anzusprechen. Gut zwei Drittel der erforderlichen 2200 Unterschriften seien bereits beisammen, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbEwiger Ruhm den K\u00e4mpfern der Sowjetunion, die ihr Leben hingegeben haben im Kampf f\u00fcr die Befreiung der Menschheit von der faschistischen Knechtschaft.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nInschrift am sowjetischen Ehrenmal<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Unter einer russischen Inschrift des Ehrenmals steht eine Gruppe Polizistinnen mit zwei \u00e4lteren Herrschaften beieinander. Gemeinsam versuchen diejenigen, die aus der DDR stammen und Russischunterricht hatten, die Inschrift zu entziffern. Gemeinsam findet die Gruppe heraus, dass da etwas von ewiger Ruhm und Menschheit steht. Die deutsche \u00dcbersetzung auf der anderen Seite zeigt ihnen, dass sie ungef\u00e4hr richtig lagen. \u00bbEwiger Ruhm den K\u00e4mpfern der Sowjetunion, die ihr Leben hingegeben haben im Kampf f\u00fcr die Befreiung der Menschheit von der faschistischen Knechtschaft.\u00ab Nur den russischen Begriff f\u00fcr Knechtschaft hatte niemand gewusst.<\/p>\n<p>Die Polizistinnen sind entspannt. Am 8. Mai gebe es erfahrungsgem\u00e4\u00df keine Probleme, sagt eine. Eher am 9. Mai, dem in Russland gefeierten Tag des Sieges \u00fcber die deutschen Faschisten. Dann kommen wie in der alten Heimat viele in Berlin und Brandenburg lebende Russen mit ihren Familien. Wenn sie dann hier einige Deutsche sehen, die demonstrativ ukrainische Fahnen und die Nato-Flagge zeigen, kommt es zu Wortgefechten.<\/p>\n<p>Ein kleines bisschen ist das diesmal auch schon am 8. Mai so. An der Treppe, die zu der riesigen Figur eines sowjetischen Soldaten mit einem Kind auf dem Arm hinauff\u00fchrt, hat sich Rainer Sonnenberger mit ein paar Pappschildern postiert. Darauf steht zum Beispiel \u00bbRuhm der Ukraine\u00ab oder das Friedrich-Schiller-Zitat \u00bbEs kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn es dem b\u00f6sen Nachbarn nicht gef\u00e4llt\u00ab. Auch eine comic-\u00e4hnliche Darstellung des jungen S\u00e4ngers Shaman hat Sonnenberger dabei. In den Sprechblasen steht \u00bb\u042f \u0440\u0443\u0441\u0441\u043a\u0438\u0439\u00ab (Ich bin Russe). Es ist der Titel eines bekannten Shaman-Popsongs mit seichter Melodie und scharf nationalistischem Text, in dem es unter anderem hei\u00dft: \u00bbIch bin Russe, ich gehe bis zum Schluss\u00ab und \u00bbIch bin Russe, ich habe Gl\u00fcck\u00ab. Shaman singt sein Lied f\u00fcr eine Jugend, die in den Ukraine-Krieg geschickt wird. Sein eigenes Leben an der Front riskieren muss Shaman nicht.<\/p>\n<p>In Anspielung auf den Liedtext steht auf der letzten Sprechblase von Sonnenbergers Plakat: \u00bb\u0410 \u0442\u044b? R\u0443zz\u043a\u0438\u0439 \u0438\u043b\u0438 \u0440\u0443\u0441\u0441\u043a\u0438\u0439?\u00ab (Und du? Russe oder Russe?) Den Unterschied macht die Schreibweise. Statt zwei cc, die im kyrillischen Alphabet f\u00fcr ein doppeltes S stehen, finden sich zwei lateinsche Z eingef\u00fcgt. Das Z hat sich zum Symbol f\u00fcr den Krieg Russlands gegen die Ukraine entwickelt und ist deshalb am 8. und 9. Mai am Treptower Ehrenmal in dieser Bedeutung untersagt. Der R\u0443zz\u043a\u0438\u0439 bef\u00fcrwortet den Krieg, der R\u0443\u0441\u0441\u043a\u0438\u0439 nicht.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321454\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321454.jpeg\" alt=\"Blumen \u00fcber Blumen \u00fcberall auf dem Areal, auf dem 5200 gefallene sowjetische Soldaten bestattet sind.\"\/><\/p>\n<p>Blumen \u00fcber Blumen \u00fcberall auf dem Areal, auf dem 5200 gefallene sowjetische Soldaten bestattet sind.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Annette Riedl<\/p>\n<p>Einige Russen erregen sich \u00fcber das Shaman-Plakat. \u00bb\u042d\u0442\u043e \u043f\u0440\u043e\u0432\u043e\u043a\u0430\u0446\u0438\u044f\u00ab (Das ist eine Provokation), schimpft einer von ihnen. Es entspinnt sich ein Wortwechsel mit Sonnenberger, bei dem beide Seiten zwischen der deutschen und der russischen Sprache hin und her wechseln. Das habe doch mit der Befreiung vom Faschismus nichts zu tun, wird ihm gesagt. Hier gehe es doch um die 27 Millionen sowjetischen Todesopfer des Zweiten Weltkriegs, der ein Krieg der Deutschen gegen die gesamte Sowjetunion und die ganze Welt gewesen sei. Und wenn jemand mit einer sowjetische Fahne hier w\u00e4re, m\u00fcsse das doch nicht hei\u00dfen, dass er den Krieg gegen die Ukraine billige.<\/p>\n<p>Sonnenberger sieht das anders und h\u00e4lt dagegen, man m\u00fcsse aus der Geschichte die richtigen Lehren ziehen und mit der \u00fcberfallenen Ukraine solidarisch sein. An seiner Seite hat er einen Russen, der sagt, der Kreml benutze den 8. Mai. Es ist auch eine in Sibirien geborene Russin da, die als Kind in die N\u00e4he von Minsk gezogen ist und als Erwachsene in die DDR. Die Rentnerin hat sich in wei\u00df-rot-wei\u00dfes Tuch geh\u00fcllt. Das war die Flagge von Belarus nach der Abspaltung von der Sowjetunion 1991. Im Jahr 1994 griff Belarus unter dem seit damals regierenden Pr\u00e4sidenten Alexander Lukaschenko wieder auf die alte Flagge der belarussischen Sowjetrepubik zur\u00fcck. In ihr gibt es zus\u00e4tzlich ein folkloristisches Muster und einen Streifen Gr\u00fcn. Die ausschlie\u00dflich wei\u00df-rot-wei\u00dfe Fahne verwendet nun die belarussische Opposition. Die Seniorin hat den Spitznamen \u00bbFrau Fahne\u00ab bekommen, weil sie so gekleidet bis 2022 lange vor der belarusischen Botschaft in Berlin gestanden hat. Dort parkte ein zur Sauna umgebauter Bauwagen als alternative Botschaft, bis er dort weg musste.<\/p>\n<p>Weil die Diskussion immer lauter und erregter wird, greifen zwei Polizisten ein. Sie beherrschen die russische Sprache nicht, lassen sich von Sonnenberger das Shaman-Plakat erkl\u00e4ren und fotografieren es, damit es von Experten \u00fcberpr\u00fcft werden kann. Nach einiger Zeit erhalten sie via Funk eine R\u00fcckmeldung. \u00bbWir haben es einmal gecheckt. Es ist alles in Ordnung\u00ab, erkl\u00e4rt einer der Polizisten. Sonnenberger habe das demokratische Recht, das Plakat hier zu zeigen. Man werde ein Auge darauf haben, dass es zu keiner Eskalation komme.<\/p>\n<p>Friedlich geht es derweil am anderen Ende des Ehrenmals zu. Dort bereitet sich der Ernst-Busch-Chor auf seinen Auftritt vor. Er wird Antikriegslieder singen wie \u00bbMeine S\u00f6hne geb\u2019 ich nicht\u00ab von Reinhard Mey und \u00bbKomm, wir ziehen in den Frieden\u00ab von Udo Lindenberg. Danach soll auch noch ein griechischer Chor auftreten, k\u00fcndigt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191087.mai-von-faschismus-und-staub-befreit.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ellen H\u00e4ndler<\/a> von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes an. Die Griechen haben einst besonders unter den Grausamkeiten der Nazis gelitten. Beim Ernst-Busch-Chor singt Brandenburgs fr\u00fchere Linksfraktionschefin <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195566.militaer-es-knallt-bundeswehr-uebt-krieg-in-ruedersdorf.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kerstin Kaiser<\/a> mit, die in Leningrad studiert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Freitag am sowjetischen Ehrenmal Foto: dpa\/Annette Riedl Am 8. 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