{"id":100502,"date":"2025-05-10T21:16:11","date_gmt":"2025-05-10T21:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/100502\/"},"modified":"2025-05-10T21:16:11","modified_gmt":"2025-05-10T21:16:11","slug":"schweizer-industrie-macht-laut-swissmem-nicht-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/100502\/","title":{"rendered":"Schweizer Industrie macht laut Swissmem nicht mit"},"content":{"rendered":"<p>  Abbruch statt Ausbau: Schweizer Industrie macht bei Trumps Zollwahn nicht mit <\/p>\n<p class=\"headline__lead\">Der amerikanische Markt ist f\u00fcr die hiesigen Industriefirmen sehr wichtig, dennoch knicken sie nicht ein. Eine neue Umfrage des Branchenverbands Swissmem bringt \u00dcberraschendes zutage.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Donald Trump droht der Schweiz mit 31 Prozent Strafzoll.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5088\" height=\"3392\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/29e426b4-ee51-44fd-a465-c82dbbdbedf0.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>   Donald Trump droht der Schweiz mit 31 Prozent Strafzoll. <\/p>\n<p>Bild: Imago<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqlu9erp1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text\">Martin Hirzel ist ein ruhiger Mann. Doch wenn der oberste Schweizer Industrievertreter auf Donald Trumps Zollhammer zu sprechen kommt, dann werden seine Worte lauter. Sollten die USA hart bleiben und die Schweiz nach der 90-t\u00e4gigen Schonfrist mit einem Einfuhrzoll von 31 Prozent belegen, dann sei das \u00absch\u00e4dlich \u00bb, ja sogar \u00abdramatisch\u00bb f\u00fcr den hiesigen Werkplatz. Mehr als die H\u00e4lfte der Schweizer Industriefirmen m\u00fcsste mit empfindlichen Margenverlusten rechnen, ein Viertel d\u00fcrfte sich aus dem Gesch\u00e4ft mit den USA gar ganz zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqq5d50n1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die der Tech-Industrieverband Swissmem bei seinen total rund 1450 Mitgliedsfirmen im April durchgef\u00fchrt hat und die der \u00abSchweiz am Wochenende\u00bb vorliegt. Macht Trump seine Drohung wahr, sehen sich 13 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben zum \u00abGesch\u00e4ftsabbruch\u00bb gezwungen. Weitere 13 Prozent beklagen \u00abstarke Auswirkungen\u00bb, weil sie die Zollkosten nur teilweise oder gar nicht auf ihre Kunden \u00fcberw\u00e4lzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqq55uhg1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Damit sei deren US-Gesch\u00e4ft ebenfalls Geschichte, erkl\u00e4rt Swissmem-Pr\u00e4sident Hirzel. Denn in der Schweizer Industrie belaufe sich eine \u00abgute\u00bb bis \u00absehr gute\u00bb Marge heute auf 8 bis 15 Prozent. M\u00fcssten die Unternehmen den Zoll von 31 Prozent mehrheitlich oder ganz selbst tragen, resultiere ein Minusgesch\u00e4ft \u2013 oder eben gar kein Gesch\u00e4ft mehr. \u00abDas k\u00f6nnen unsere Firmen nicht stemmen, das liegt nicht drin.\u00bb<\/p>\n<p>Wichtiger Markt f\u00fcr Schweizer Industrieunternehmen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqn6pgc20\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Das Zollchaos auf dem US-Markt trifft den Schweizer Industriestandort hart. Die Vereinigten Staaten seien mit einem Exportanteil von 15 Prozent f\u00fcr seine Branche nach Deutschland das zweitgr\u00f6sste Abnehmerland. Zwei Drittel der Firmen machten Gesch\u00e4fte mit den USA, mehr als die H\u00e4lfte erwirtschaftet dort mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes, ein F\u00fcnftel gar \u00fcber 20 Prozent.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqn7cvlq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Ein Drittel der Schweizer Industriefirmen ist in den USA sogar physisch pr\u00e4sent, wie die neuste Umfrage zeigt: Die meisten betreiben ein Verkaufsb\u00fcro, 70 Prozent bieten vor Ort einen Kundendienst oder einen technischen Support. \u00dcber eine Produktion in den USA verf\u00fcgt ein Drittel der Firmen mit US-Pr\u00e4senz \u2013 respektive zwischen 10 und 15 Prozent aller Firmen. Und das d\u00fcrfte auch in Zukunft so bleiben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqnc7uqu0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Denn die \u00fcberwiegende Mehrheit der Schweizer Industriefirmen denkt nicht daran, wegen der Strafz\u00f6lle von 31 Prozent eine Produktion in den USA aus- oder gar neu aufzubauen: Ganze 75 Prozent erteilen damit Donald Trump indirekt eine Abfuhr, wie die Swissmem-Umfrage offenbart. Das ist ein klares Verdikt. Und es steht im grossen Kontrast zu all den Grosskonzern- und Pharmachefs, die nun vollmundig von Milliarden-Investitionen reden und wie etwa <a href=\"https:\/\/www.luzernerzeitung.ch\/ld.2767569\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Novartis-CEO Vas Narasimhan in trumpschen PR-Videos gute Miene zum b\u00f6sen Spiel<\/a> machen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqq75bn00\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Selbst Hirzel zeigt sich ob der Deutlichkeit des Umfrageresultats \u00fcberrascht. Dahinter vermutet der Swissmem-Pr\u00e4sident jedoch keine politischen, sondern vielmehr wirtschaftliche Gr\u00fcnde. \u00abDie USA sind f\u00fcr uns ein schwieriger Industriestandort.\u00bb Die Schweizer Firmen zeichneten sich durch hohe Pr\u00e4zision und einen hohen Spezialisierungsgrad aus. \u00abDas ist unser Erfolgsrezept.\u00bb In den USA habe die Deindustrialisierung ihre Spuren hinterlassen, \u00abdas sp\u00fcrt man\u00bb. Es fehle an vielem, was die hiesigen Firmen auszeichne: an Fachkr\u00e4ften, an einer guten Berufsbildung und an einer hohen Loyalit\u00e4t der Firma gegen\u00fcber. Das mache es f\u00fcr Schweizer Unternehmen anspruchsvoll, vor Ort den hohen Produktionsstandard aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Schlechte Qualit\u00e4t \u00abMade in USA\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqoej8c10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Das musste auch der Boss des franz\u00f6sischen Luxusg\u00fcterkonzerns LVMH, Bernard Arnault, schmerzlich erfahren, der in Trumps erster Amtszeit eine Fabrik f\u00fcr Louis-Vuitton-Designerhandtaschen in Texas er\u00f6ffnet hatte \u2013 mit dem Versprechen, dort 1000 Jobs zu schaffen. Sechs Jahre sp\u00e4ter ist der Standort ein Problemkind der Marke, wie die <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/retail-consumer\/lvmh-finds-making-louis-vuitton-bags-messy-texas-2025-04-10\/\" rel=\"noopener\">Nachrichtenagentur Reuters<\/a> dank konzerninterner Quellen zu berichten weiss. Demnach mangelte es vor allem an qualifizierten Mitarbeitenden, welche die Qualit\u00e4tsstandards der Marke erf\u00fcllen konnten. \u00abFehler beim Zuschnitt, bei der Vorbereitung und bei der Montage f\u00fchrten dazu, dass bis zu 40 Prozent der Lederh\u00e4ute verschwendet wurden.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqoee3540\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Zu den Qualit\u00e4tsproblemen auf dem US-Industriemarkt gesellt sich nun die grosse Verunsicherung, verursacht von zwischenzeitlich fast st\u00fcndlich \u00e4ndernden Spielregeln f\u00fcr den Handel. Hirzel hat das als Vizepr\u00e4sident des Verwaltungsrats des Felgenherstellers Ronal selbst \u00abhautnah\u00bb miterlebt, wie er erz\u00e4hlt. Das Unternehmen mit Hauptsitz im solothurnischen H\u00e4rkingen hat zwei Fabriken in Mexiko und wurde folglich mit Z\u00f6llen bestraft \u2013 zuerst beim Aluminium, dann beim Autoindustriezubeh\u00f6r und dann auch noch f\u00fcr die mexikanische Herkunft. Die in die USA exportierten Ronal-Felgen wurden zuerst mit immer wechselnden Z\u00f6llen belegt und dann wieder nicht mehr, weil einzelne Strafz\u00f6lle wieder aufgehoben und zahlreiche Ausnahmen gew\u00e4hrt wurden. \u00abDie Hektik war gross\u00bb, sagt Hirzel, \u00abdie Verunsicherung bleibt.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Swissmem-Pr\u00e4sident Martin Hirzel.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5794\" height=\"4342\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>   Swissmem-Pr\u00e4sident Martin Hirzel. <\/p>\n<p>Bild: Gaetan Bally \/ KEYSTONE<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqq8cb0r1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Nun hofft der Swissmem-Pr\u00e4sident auf die Schweizer Handelsdiplomatie, auf Bundespr\u00e4sidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin, die am Freitag in Genf den US-Finanzminister Scott Bessent sowie den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer getroffen haben. Diese h\u00e4tten \u00abversichert\u00bb, dass die Vereinigten Staaten w\u00e4hrend der Verhandlungen \u00abauf weitere Erh\u00f6hungen der Z\u00f6lle gegen\u00fcber der Schweiz verzichten\u00bb w\u00fcrden, wie es aus Bundesbern heisst. Das verschafft der Industrie eine kurze Verschnaufpause.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqqn8e1n0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Aber das reicht nicht. \u00abWir brauchen eine Verhandlungsl\u00f6sung\u00bb, sagt Hirzel. Eine, die, im besten Fall, das Rad zur\u00fcckdreht, zu den Regeln vor dem Chaos, als die Schweizer Industrieprodukte mit Z\u00f6llen von 2 bis 6 Prozent belegt wurden.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqodm4p50\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Verhandelt wird auch zwischen den Firmen, obwohl theoretisch klar ist, wer Trumps Zollzuschlag zahlen muss: der US-Importeur. In der Realit\u00e4t ist die Sache jedoch komplizierter, wie Hirzel anf\u00fcgt. \u00abDie Firmen und ihre Kunden machen untereinander ab, wie sie die Zusatzkosten aufteilen k\u00f6nnen.\u00bb Dabei gilt die Regel: Je exklusiver das Produkt, desto gr\u00f6sser die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweizer Firmen die Kosten ihren US-Kunden aufbrummen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqq8pac20\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Das ist offenbar nur bei 6 Prozent der Unternehmen der Fall. Sie bef\u00fcrchten gem\u00e4ss Swissmem-Umfrage keine Einbussen, da sie faktisch konkurrenzlos sind und es in den USA keine Firma gebe, die \u00abein vergleichbares Produkt\u00bb herstellen k\u00f6nne. Weitere 18 Prozent gehen davon aus, dass sie die Zollkosten immerhin \u00abgr\u00f6sstenteils\u00bb abw\u00e4lzen k\u00f6nnen. F\u00fcr alle anderen wird die Rechnung kaum oder gar nicht mehr aufgehen.<\/p>\n<p>Aktuelles aus dem Bereich Wirtschaft  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Abbruch statt Ausbau: Schweizer Industrie macht bei Trumps Zollwahn nicht mit Der amerikanische Markt ist f\u00fcr die hiesigen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":100503,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,106,6205,13,40164,14,15,16,12,40163,4649,4017,4018,173,4016,64,4019,4020,615],"class_list":{"0":"post-100502","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-donald-trump","11":"tag-firmen-und-kmu","12":"tag-headlines","13":"tag-martin-hirzel","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-politik","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-swissmem","19":"tag-umfrage","20":"tag-united-states","21":"tag-united-states-of-america","22":"tag-unternehmen","23":"tag-us","24":"tag-usa","25":"tag-vereinigte-staaten","26":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika","27":"tag-zoll"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114485617269108027","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=100502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100502\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=100502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}