{"id":1005343,"date":"2026-05-09T04:52:14","date_gmt":"2026-05-09T04:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1005343\/"},"modified":"2026-05-09T04:52:14","modified_gmt":"2026-05-09T04:52:14","slug":"st-andreas-in-kalchreuth-sanierung-wird-zur-millionenaufgabe-am-fraenkischen-baudenkmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1005343\/","title":{"rendered":"St. Andreas in Kalchreuth: Sanierung wird zur Millionenaufgabe am fr\u00e4nkischen Baudenkmal"},"content":{"rendered":"<p>Als Pfarrer Christoph Thiele im August 2013 seine Stelle an <a href=\"https:\/\/www.kalchreuth-evangelisch.de\/\" title=\"St. Andreas in Kalchreuth \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">St. Andreas in Kalchreuth <\/a>antrat, ahnte niemand, dass daraus ein Gro\u00dfprojekt entstehen w\u00fcrde. &#8222;Damals wollten wir eigentlich nur den Innenraum etwas versch\u00f6nern&#8220;, erinnert sich Thiele. Doch bei der genaueren Begutachtung fielen in der H\u00f6he Risse im Mauerwerk auf \u2013 ein Hinweis auf tiefere statische Probleme.<\/p>\n<p>2014 kam erstmals ein landeskirchlicher Architekt nach Kalchreuth. Untersuchungen zeigten, dass sich Mauern verschoben hatten, Dach und Mauerwerk instabil waren und Feuchtigkeit eingedrungen war. Der erste Kostenvoranschlag von 2016 belief sich auf 195 000 Euro \u2013 viel f\u00fcr eine Gemeinde mit nur rund 1300 Mitgliedern. &#8222;Wir wussten nicht, wie wir das stemmen sollten&#8220;, sagt Thiele.<\/p>\n<p>Erst nach der Kirchenvorstandswahl 2018 kam neuer Schwung in das Vorhaben. Weitere Gutachten offenbarten, dass auch der Innenraum und das Dach gravierende Sch\u00e4den aufwiesen. Damit wuchs die veranschlagte Summe auf 1,2 Millionen Euro, sp\u00e4ter \u2013 nach Preissteigerungen und zus\u00e4tzlichen Ma\u00dfnahmen \u2013 auf 1,37 Millionen Euro.<\/p>\n<p>National bedeutsames Denkmal<\/p>\n<p>Der entscheidende Durchbruch kam, als das Bayerische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege die Kirche pr\u00fcfte und ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Bedeutung feststellte. Thiele erz\u00e4hlt: &#8222;Ich wusste gar nicht, dass man eine Kirche klassifizieren lassen kann \u2013 und pl\u00f6tzlich war St. Andreas auf einer Stufe mit den gro\u00dfen N\u00fcrnberger Kirchen.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Einstufung als <a href=\"https:\/\/dip.bundestag.de\/vorgang\/bewertung-von-denkm%C3%A4lern-als-national-bedeutsam-durch-die-bkm\/298465\" title=\"Einstufung als national wichtiges Denkmal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">national bedeutendes Denkmal<\/a> war nicht nur eine Ehrung, sondern auch der Schl\u00fcssel zur Finanzierung. Denn nur Bauten dieser Kategorie k\u00f6nnen auf den staatlichen Entsch\u00e4digungsfonds zugreifen. So konnten bis zu 50 Prozent der Kosten \u00fcbernommen werden, ein weiterer Anteil kam von der Landeskirche. Der Rest \u2013 rund 250 000 Euro \u2013 blieb an der Kirchengemeinde h\u00e4ngen. &#8222;Das war f\u00fcr uns immer noch ein enormer Betrag&#8220;, sagt Thiele. &#8222;Aber wenigstens war das Ziel wieder erreichbar.&#8220;<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung kam zudem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die 2024 erneut 20 000 Euro f\u00fcr Natursteinarbeiten an der Turmfassade bereitstellte. Bereits zuvor hatte sie Restaurierungen im Innenraum gef\u00f6rdert. Auch die Lotterie Gl\u00fccksSpirale und verschiedene Stiftungen beteiligten sich an der Finanzierung.<\/p>\n<p>Engagement einer kleinen Gemeinde<\/p>\n<p>Was an staatlichen und kirchlichen Zusch\u00fcssen nicht gedeckt war, musste die Gemeinde selbst aufbringen. &#8222;Wir sind seit f\u00fcnf Jahren im Spendenmodus&#8220;, sagt Thiele. Hausbesuche, Benefizkonzerte, pers\u00f6nliche Spendenaufrufe \u2013 mit Ausdauer und Kreativit\u00e4t gelang es, immer wieder neue Unterst\u00fctzung zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die erste Haussammlung brachte 40 000 Euro, viele Kalchreuther spendeten mehrfach. &#8222;Unsere Leute wissen, was sie an dieser Kirche haben. Das ist ihre Kirche&#8220;, betont Thiele. Heute fehlen noch etwa 50 000 Euro, doch die Zuversicht ist gro\u00df, dass auch diese Summe bis zum geplanten Abschluss 2025 erreicht wird.<\/p>\n<p>Baugeschichte eines fr\u00e4nkischen Schmuckst\u00fccks<\/p>\n<p>St. Andreas ist ein unverputzter Sandsteinquaderbau mit Satteldach, dessen \u00e4lteste Teile um 1471 entstanden. Der Chor wurde 1493\/94 unter dem N\u00fcrnberger Patrizierpaar Wolfgang und Ursula von Haller errichtet, deren Wappen noch heute im Kirchenraum zu sehen ist. Der Turm kam erst 1788\/89 hinzu und zeigt mit seiner welschen Haube und klassizistischen Gliederungen den Geschmack des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Der Innenraum beeindruckt durch seine reiche Ausstattung: eine zweigeschossige Empore aus Holz, ein barockes Chorgest\u00fchl, eine Kanzel von 1693 und ein Hochaltar von 1498, dessen Reliefs Szenen aus dem Leben Marias und der Passion Christi zeigen.<\/p>\n<p>Besonders ber\u00fchmt ist das Sakramentshaus, das aus der Werkstatt des N\u00fcrnberger Meisters Adam Kraft stammt \u2013 des Sch\u00f6pfers des ber\u00fchmten Sakramentshauses in St. Lorenz, N\u00fcrnberg. Die Kalchreuther Ausf\u00fchrung, rund neun Meter hoch und aus hellem Sandstein gefertigt, gilt als eine der sch\u00f6nsten au\u00dferhalb der Gro\u00dfst\u00e4dte.<\/p>\n<p>Ein weiteres Unikum ist die Apostelgruppe aus Terrakotta (um 1380\/90): Christus mit den zw\u00f6lf Aposteln, in Sitzfiguren dargestellt \u2013 ein Ensemble, das in dieser Vollst\u00e4ndigkeit in Franken einzigartig ist.<\/p>\n<p>Technische und denkmalpflegerische Meisterleistung<\/p>\n<p>Die Sanierungsarbeiten begannen mit der Stabilisierung des Mauerwerks. Die Bamberger Firma Monolith f\u00fchrte umfangreiche Steinerg\u00e4nzungen und sogenannte Vernadelungen durch, um Risse zu sichern. Besonders der Turm zeigte gravierende Sch\u00e4den: abplatzende Steine, Korrosion und Hohlstellen.<\/p>\n<p>Im Innenraum \u00fcbernahm die Firma Schmuck aus Bamberg die Restaurierung. Durch eine feine Lasurtechnik wurde die urspr\u00fcngliche Farbigkeit erhalten, zugleich die Oberfl\u00e4che gegen neue Verschmutzung gesch\u00fctzt. &#8222;Der Staub der Jahrhunderte ist verschwunden, aber die Geschichte bleibt sichtbar&#8220;, sagt Thiele. Auch die Orgel musste teilweise \u00fcberholt werden: 2021 wurden verschlissene Ledertaschen ersetzt, weitere Arbeiten zur Grundreinigung folgen bis 2025.<\/p>\n<p>Warum sich der Aufwand lohnt<\/p>\n<p>Das Klima am Rande der Fr\u00e4nkischen Schweiz setzt Bauwerken wie St. Andreas seit Jahrhunderten zu. Frost, Wind und Regen hatten Fugen gelockert und Wasser ins Mauerwerk getrieben. &#8222;Es ging nicht nur um Steine, sondern um Identit\u00e4t&#8220;, sagt Thiele. &#8222;Unsere Kirche erz\u00e4hlt die Geschichte Kalchreuths \u2013 vom Mittelalter \u00fcber die Reformation bis heute.&#8220;<\/p>\n<p>Kunsthistoriker sehen in St. Andreas ein &#8222;Gesamtkunstwerk fr\u00e4nkischer Sakralkunst&#8220;, das Einfl\u00fcsse aus N\u00fcrnberg, Bamberg und dem oberfr\u00e4nkischen Raum vereint. Der Vergleich mit St. Lorenz ist nicht nur wegen des Sakramentshauses gerechtfertigt, sondern auch wegen der Qualit\u00e4t der sp\u00e4tgotischen Bildwerke.<\/p>\n<p>F\u00fcr Pfarrer Thiele ist St. Andreas nicht nur ein Denkmal, sondern ein Raum des Glaubens. &#8222;Ich bin ein liturgischer Mensch&#8220;, sagt er. Einmal im Jahr kommen die Br\u00fcder der Michaelsbruderschaft zu einem Konvent zusammen; gregorianische Ges\u00e4nge erf\u00fcllen dann den Chorraum. &#8222;Dieser Raum ist geschaffen f\u00fcr Klang und Gebet&#8220;, sagt Thiele. Nach zw\u00f6lf Jahren Planung, Restaurierung und unz\u00e4hligen Sitzungen n\u00e4hert sich das Projekt seinem Ende. Die offizielle Wiedereinweihung soll beim Gemeindefest im Mai 2025 gefeiert werden.<\/p>\n<p>Dann wird St. Andreas wieder vollst\u00e4ndig erstrahlen \u2013 au\u00dfen wie innen, mit restauriertem Turm, gereinigtem Chorraum und erneuerter Orgel. Langfristig plant die Kirchengemeinde weitere Verbesserungen: energieeffiziente Heizung, barrierefreie Zug\u00e4nge und digitale Vermittlungsangebote zur Geschichte des Bauwerks.<\/p>\n<p>&#8222;Wir wollen, dass St. Andreas ein Ort bleibt, an dem sich Himmel und Erde ber\u00fchren&#8220;, fasst Thiele zusammen. &#8222;Daf\u00fcr hat sich jede Anstrengung gelohnt.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Pfarrer Christoph Thiele im August 2013 seine Stelle an St. Andreas in Kalchreuth antrat, ahnte niemand, dass&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1005344,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,3364,3536,29,30,129034,3783,4108],"class_list":{"0":"post-1005343","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-de","10":"tag-denkmalschutz","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-kulturerbe","14":"tag-nuernberg","15":"tag-sanierung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116542829101427581","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1005343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1005343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1005343\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1005344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1005343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1005343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1005343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}