{"id":1005689,"date":"2026-05-09T08:14:17","date_gmt":"2026-05-09T08:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1005689\/"},"modified":"2026-05-09T08:14:17","modified_gmt":"2026-05-09T08:14:17","slug":"pulitzer-traenen-und-gebuehren-aerger-die-fotonews-der-woche-19-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1005689\/","title":{"rendered":"Pulitzer-Tr\u00e4nen und Geb\u00fchren-\u00c4rger \u2013 die Fotonews der Woche 19\/2026"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Pulitzer-Tr\u00e4nen und Geb\u00fchren-\u00c4rger \u2013 die Fotonews der Woche 19\/2026<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bestimmte Bilder treffen einen wie ein Schlag. So wie <a href=\"https:\/\/www.pulitzer.org\/winners\/jahi-chikwendiu-washington-post\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">die Pulitzer-preisgekr\u00f6nte Fotoserie von Jahi Chikwendiu<\/a>: Ein junges Paar begr\u00fc\u00dft sein erstes Kind, w\u00e4hrend der Vater im Sterben liegt. Tanner Martin war gerade 25, als er 2020 die Diagnose Darmkrebs im Endstadium erhielt. Seine Tochter kam am 17. Mai 2025 zur Welt, keine sechs Wochen sp\u00e4ter starb er. Chikwendius Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen dokumentieren diese letzten gemeinsamen Monate mit einer Intensit\u00e4t, die einem sofort Tr\u00e4nen in die Augen treibt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Das Titelbild der Ausgabe 03 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie\" height=\"1234\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 873 \/ 1234; object-fit: cover;\" width=\"873\"\/><\/p>\n<p class=\"a-caption__source\">\n      (Bild:\u00a0<\/p>\n<p>heise<\/p>\n<p>)<\/p>\n<p>Wenn Bilder mehr sagen als tausend Worte<\/p>\n<p>Die Jury nannte es ein \u201eherzzerrei\u00dfendes und schmerzlich sch\u00f6nes Fotoessay\u201c. Das trifft es. Chikwendiu, ehemals bei der Washington Post \u2013 die im Februar 30 Prozent ihrer Belegschaft entlie\u00df, darunter alle Fotografen \u2013, hat mit dieser Serie auf ein wachsendes Problem aufmerksam gemacht: Krebs bei jungen Erwachsenen nimmt zu, besonders bei Frauen. Die Gr\u00fcnde sind unklar, Experten vermuten jedoch Lebensstilfaktoren und Umwelteinfl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Chikwendius Arbeit zeigt, dass Fotografie nicht nur dokumentiert, sondern auch Bewusstsein schafft \u2013 und das auf eine Weise, wie es keine Statistik jemals k\u00f6nnte. Die vollst\u00e4ndige Serie findet sich auf der Website des Pulitzer-Preises.<\/p>\n<p>Copyright-Geb\u00fchren: Das US-Amt greift zu<\/p>\n<p>Von bewegenden Bildern zu bewegten Gem\u00fctern: Das US Copyright Office plant, <a href=\"https:\/\/copyright.gov\/rulemaking\/feestudy2026\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">die Geb\u00fchren f\u00fcr Fotografie-Registrierungen um satte 55 Prozent anzuheben<\/a> \u2013 von 55 auf 85 Dollar. Die Begr\u00fcndung? Inflation und gestiegene Kosten. Das Amt argumentiert, dass bei maximaler Ausnutzung der Gruppenregistrierung (750 Bilder) die Kosten nur 0,11 Dollar pro Foto betragen w\u00fcrden. Klingt vern\u00fcnftig, oder?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nppa.org\/news\/845\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Nicht f\u00fcr die National Press Photographers Association<\/a> (NPPA). Deren Rechtsberater Mickey Osterreicher und Alicia Calzada haben dem Copyright Office ordentlich die Leviten gelesen. Ihr Hauptargument: Diese Pro-Bild-Rechnung geht an der Realit\u00e4t vorbei. Fotografen registrieren ihre Werke in Massen, weil sie nicht vorhersehen k\u00f6nnen, welche Bilder sp\u00e4ter verletzt oder wertvoll werden. Die Kosten tr\u00e4gt man also f\u00fcr alle, nutzen tut es nur f\u00fcr wenige. Eine Umfrage der Copyright Alliance zeigt: 44 Prozent der Kreativen haben in den vergangenen f\u00fcnf Jahren nichts registriert \u2013 Hauptgrund? \u201eZu teuer.\u201c<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die NPPA fordert das Amt auf, die Erh\u00f6hung zu verschieben, bis die seit acht Jahren versprochene Modernisierung des Registrierungssystems abgeschlossen ist. Und vielleicht mal mit echten Fotografen zu reden, statt nur Tabellen zu w\u00e4lzen.<\/p>\n<p>        c&#8217;t Fotografie Zoom In abonnierenc&#8217;t Fotografie Zoom In abonnieren<\/p>\n<p class=\"text-base\">Ihr Newsletter mit exklusiven Foto-Tipps, spannenden News, Profi-Einblicken und Inspirationen \u2013 jeden Samstag neu.<\/p>\n<p>E-Mail-Adresse<\/p>\n<p id=\"input-email-help\" class=\"text-sm leading-5 text-gray-400 mb-0\">Ausf\u00fchrliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsm\u00f6glichkeiten erhalten Sie in unserer <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html#datenschutz-newsletter\" data-google-interstitial=\"false\" class=\"underline\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a>.<\/p>\n<p>Die KI-Eule, die zu viel wusste<\/p>\n<p>Apropos Realit\u00e4t: Der National Wildlife Federation (NWF) ist ein peinlicher Fehler unterlaufen. Das Gewinnerbild ihres \u201eGarden for Wildlife\u201c-Wettbewerbs zeigte eine Eule vor Polarlichtern \u2013 und war entweder ein Composite oder KI-generiert. Oder beides. <a href=\"https:\/\/petapixel.com\/2026\/05\/06\/ai-or-a-composite-an-award-winning-owl-photo-ruffled-a-lot-of-feathers\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Die Fotografin Liz Tran rechnete bei petapixel vor<\/a>: Um Polarlichter so zu fotografieren, braucht man mindestens 10 Sekunden Belichtungszeit. In dieser Zeit bleibt keine Eule scharf. Und dann waren da noch die anatomisch unm\u00f6glichen Eulenf\u00fc\u00dfe mit vier nach vorne zeigenden Krallen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst reagierte die NWF mit Wortspielen auf Instagram \u2013 \u201eNo AI here, just T(Al)ented photographers!\u201c \u2013, was die Fotografen-Community verst\u00e4ndlicherweise nicht lustig fand. Nach massivem Druck disqualifizierte die Organisation das Bild als \u201eComposite\u201c. Dass die Gewinnerin Kellie Carter praktisch keine Online-Pr\u00e4senz hat und angeblich schon fr\u00fcher fragw\u00fcrdige Bilder eingereicht hatte, macht die Sache nicht besser.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nwf.org\/Magazines\/National-Wildlife\/Photo-Contest\/2025-GFWPC-Winners\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Die NWF hat inzwischen den Zweitplatzierten zum Gewinner erkl\u00e4rt<\/a> und verspricht, die Pr\u00fcfverfahren zu versch\u00e4rfen. Dass die Teilnahme 15 bis 25 Dollar kostet, macht die Geschichte noch bitterer \u2013 Fotografen zahlten daf\u00fcr, betrogen zu werden.<\/p>\n<p>Nikons neues Super-Tele mit Trick<\/p>\n<p>Zu guter Letzt noch eine erfreuliche Nachricht: <a href=\"https:\/\/www.jp.nikon.com\/company\/news\/2026\/0507_01.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Nikon hat die Entwicklung des Nikkor Z 120-300mm f\/2.8 TC VR S best\u00e4tigt<\/a>. Das Besondere: ein eingebauter 1,4x-Telekonverter, der die Brennweite auf bis zu 420 Millimeter erweitert. Mit durchgehender f\/2.8-Blende und S-Line-Qualit\u00e4t richtet sich das Objektiv klar an Profis, die bei Sport- und Wildlife-Aufnahmen Flexibilit\u00e4t brauchen.<\/p>\n<p>Der Preis? Noch nicht bekannt, aber wenn Nikons 400mm f\/2.8 TC VR S bei rund 14.600 Euro startet, wird dieses Glas wohl kaum ein Schn\u00e4ppchen. Immerhin: Wer sich das leisten kann, bekommt ein Werkzeug, das zwei Objektive in einem vereint \u2013 ohne Objektivwechsel mitten im entscheidenden Moment.<\/p>\n<p>Eine Liebeserkl\u00e4rung an den Analog-Laden<\/p>\n<p>Wer nach so vielen Aufregern noch Lust auf etwas Wohltuendes hat, dem sei diese Woche ein 15-min\u00fctiger Kurzfilm ans Herz gelegt: \u201e<a href=\"https:\/\/youtu.be\/zwRxDFqiNDg\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Blue Moon \u2013 Your First and Last Camera Store<\/a>\u201c von Filmemacher Mike Marchlewski. Er portr\u00e4tiert einen Laden, der so eigensinnig wie liebenswert ist \u2013 und der gerade in Zeiten von KI-Eulen und Klick-Fotografie wie aus der Zeit gefallen wirkt.<\/p>\n<p>2001 er\u00f6ffnete Jake Shivery Blue Moon Camera and Machine im Portlander Stadtteil St. John&#8217;s. Damals gab es bereits elf weitere Fotol\u00e4den in der Stadt, doch Shivery wagte den Schritt trotzdem. Der Start war ern\u00fcchternd \u2013 bis ein Zeitungsartikel an Heiligabend f\u00fcr den Durchbruch sorgte und seither, so Shivery, der Laden nicht mehr zur Ruhe gekommen sei.<\/p>\n<p>Was Blue Moon besonders macht, ist nicht eine einzelne Sache, sondern die Summe: gebrauchte Kameras, neuer Film, Entwicklung und Abz\u00fcge, ein internationales Kameramuseum \u2013 und vor allem eine Haltung. In seinem Manifest verspricht der Laden nichts Geringeres als die \u201evollst\u00e4ndige Wiederherstellung der taktilen Sinne\u201c und versteht Analogfotografie als Technik und Lebenshaltung \u2013 als Bekenntnis zu Sorgfalt statt Bequemlichkeit.<\/p>\n<p>Besonders sch\u00f6n: Der Kurzfilm wurde, mit Unterst\u00fctzung von Kodak, komplett auf 16mm-Kinofilm produziert \u2013 passender geht es kaum. Und auch die Belegschaft kommt zu Wort. Verk\u00e4ufer Arthur Ruckle bringt im Film auf den Punkt, was den Laden ausmacht: Blue Moon sei das \u201eNiemand\u201c in dem Satz \u201eNiemand macht das mehr.\u201c Niemand tr\u00e4gt mehr Krawatte zur Arbeit. Niemand fotografiert auf Film. Niemand geht ans Telefon, wenn es klingelt. Niemand schickt einem die Sachen am selben Tag zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Und technisch? Laut Mitarbeiter David Malenborg entwickelt Blue Moon nahezu jeden Filmtyp \u2013 von Kodachrome \u00fcber moderne Filme bis zu 60 Jahre altem Material. Wenn kein Prozess existiert, wird einer erfunden.<\/p>\n<p>Ein Film, der zeigt, warum analoge Fotografie mehr ist als Retro-Nostalgie \u2013 und warum es solche Orte braucht. Genau das richtige Gegengift zu einer Woche voller Pulitzer-Tr\u00e4nen und weiteren KI-Skandalen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:tho@heise.de\" title=\"Thomas Hoffmann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">tho<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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