{"id":1006324,"date":"2026-05-09T14:25:16","date_gmt":"2026-05-09T14:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1006324\/"},"modified":"2026-05-09T14:25:16","modified_gmt":"2026-05-09T14:25:16","slug":"kommunalwahlen-in-grossbritannien-derbe-niederlage-fuer-labour-und-starmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1006324\/","title":{"rendered":"Kommunalwahlen in Gro\u00dfbritannien: Derbe Niederlage f\u00fcr Labour und Starmer"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">  Nach den verheerenden Verlusten bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 7. Mai gibt es in Gro\u00dfbritannien laute Stimmen, die den R\u00fccktritt von Premierminister Keir Starmer fordern. Seine Labour Party verlor allein in England 1406 Sitze in jenen Verwaltungseinheiten, in denen zur Stimmabgabe aufgerufen worden war. Dar\u00fcber hinaus b\u00fc\u00dfte Labour auch zum ersten Mal die Mehrheit im walisischen Parlament ein und errang bei den Parlamentswahlen in Schottland lediglich die gleiche Zahl an Mandaten wie die Rechtspopulisten von Reform UK, weit hinter der siegreichen nationalistischen SNP.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Doch noch ist die Zahl der Hin\u00adter\u00adb\u00e4nk\u00adle\u00adr:in\u00adnen der Labour-Fraktion im britischen Unterhaus, die den R\u00fccktritt Starmers, der die Partei erst vor zwei Jahren zu einem historischen Sieg bei den Nationalwahlen f\u00fchrte, fordern, mit um die 20 gering. Gr\u00f6\u00dftenteils geh\u00f6ren sie dem linken Parteifl\u00fcgel und dem Lager der Gewerkschaften an. Sie verweisen auf die z\u00f6gerliche Sozialpolitik des Premierministers, die nur nach politischen Kehrtwenden zu popul\u00e4reren Ma\u00dfnahmen f\u00fchrte, sowie auf den <a href=\"https:\/\/taz.de\/Mandelson-Affaere-in-Grossbritannien\/!6172691\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mandelson-Skandal<\/a>. Von vorneherein war Keir Starmer nie ein Politiker, der Massen begeistern konnte, doch gerade das war sein Verkaufswert nach den turbulenten Jahren der vorherigen konservativen Regierungszeit.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Im britischen Guardian schrieb Starmer am Samstag nach der Labour-Wahlschlappe, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2026\/may\/08\/election-results-left-right-uk-keir-starmer\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">er wolle sich weder nach links noch nach rechts beugen<\/a>, sondern Politik f\u00fcr das ganze Land machen. Er wolle wirkliche Ver\u00e4nderungen liefern. Er erkl\u00e4rte, dass hinter den Stimmen am Donnerstag gemeinsame Sorgen und Hoffnungen von Bri\u00adt:in\u00adnen st\u00fcnden. Deshalb m\u00fcsse er sich vom Status quo der letzten Jahre ohne Ver\u00e4nderungen seit dem Brexit entfernen. Die Labourabgeordneten Clive Betts und Debbie Abrahams <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/c2k2vyw88n8o\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">schilderten jedoch gegen\u00fcber der BBC<\/a>, dass W\u00e4h\u00adle\u00adr:in\u00adnen immer wieder gesagt h\u00e4tten, sie wollten durchaus weiter f\u00fcr Labour votieren, ihr Problem liege aber bei Keir Starmer. Der Labour-Chef <a href=\"https:\/\/taz.de\/Britischer-Premier-unter-Druck\/!6170826\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hat seit einem Jahr die niedrigsten Beliebtheitswerte aller britischen Politiker<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Die stellvertretende Parteichefin Lucy Powell stimmte zu, dass \u00c4nderungen notwendig seien, machte jedoch gleichzeitig klar, dass sie gegen einen Wechsel an der Spitze der Partei sei, gerade in Krisenzeiten. Keir Starmer solle stattdessen eine vereinte Partei weiterf\u00fchren. \u201eMan muss die Arbeiterklasse mit einer Wirtschaftspolitik, die in ihrem Interesse sei, zur\u00fcckgewinnen, um Nigel Farages Aufstieg zu verhindern\u201c, sagte sie in einem BBC-Interview am Samstagmorgen.<\/p>\n<p>      Labour verliert auch in Wales<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Die politische Realit\u00e4t in Gro\u00dfbritannien hat sich nach den Wahlen am Donnerstag vollkommen ver\u00e4ndert. In Wales verlor Labour zum ersten Mal seit Einf\u00fchrung des walisischen Parlaments im Jahr 1999 die Mehrheit. Eluned Morgan, Parteichefin und bisherige Erste Ministerin von Wales, schaffte es selbst nicht mehr, einen Sitz im Sennedd zu erringen und trat am Freitagnachmittag zur\u00fcck. Reform UK gewann \u00fcberall in Wales Mandate, am st\u00e4rksten in den Grenzregionen zu England und in abgeh\u00e4ngten ehemaligen Industriegebieten wie Newport. Am Ende musste die Partei sich nur der nationalistischen Plaid Cymru geschlagen geben, die voraussichtlich den Ersten Minister stellen wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Auch <a href=\"https:\/\/taz.de\/Wahlen-in-Grossbritannien\/!6177454\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in England hatte Reform-UK-Chef Nigel Farage Grund zum Feiern<\/a>. Reform UK angelte sich alte nord\u00f6stliche Labour-Hochburgen, in denen 2016 mehrheitlich f\u00fcr den Brexit gestimmt wurde, wie Sunderland. Die Partei holte in der nordwestlichen Agglomeration von Manchester das Council von St. Helen, in Yorkshire siegte Reform UK in Wakefield und Barnsley. In Ostengland gewann Farages Partei Suffolk und Essex, in Ostlondon die Au\u00dfenbezirke Havering und Thurrock. Weiter erzielte Reform UK vielerorts den h\u00f6chsten Stimmenanteil, etwa in der s\u00fcdenglischen K\u00fcstenstadt Plymouth, konnte dies dort jedoch aufgrund des absoluten Mehrheitswahlrechts nicht in Gewinne umsetzen. In zahlreichen Kommunen rund um Manchester, etwa in Wigan, bleibt Labour nur an der Macht, weil Wahlen nur in einem Drittel der Bezirke abgehalten wurden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">In Schottland erntete Reform UK immerhin 17 Sitze, nachdem die Partei bisher nur mit einem Abgeordneten im Holyrood, dem Parlament in Edinburgh vertreten war. Somit hat sich Reform UK aus dem Nichts als wichtigste oppositionelle Stimme in England, Wales und Schottland etabliert. Farage nannte die Entwicklung zu Recht als historisch.<\/p>\n<p>      SNP gewinnt in Schottland<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Die SNP siegte bei den Wahlen zum schottischen Parlament zum sechsten Mal in Folge. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neuer-SNP-Parteichef-John-Swinney\/!6008573\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SNP-Partei Chef und Schottlands Erster Minister John Swinney<\/a> verk\u00f6rpert diesen Erfolg pers\u00f6nlich. Allerdings verfehlte die SNP aufgrund des Verlusts von sechs Sitzen und mit insgesamt 58 Abgeordneten die absolute Regierungsmehrheit. Eine Koalition mit den Gr\u00fcnen, die in Schottland 15 Sitze ergatterten, w\u00e4re denkbar.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">In England feierten die Gr\u00fcnen insbesondere im Ostlondoner Bezirk Hackney, wo ihre Spitzenkandidatin Zo\u00eb Garbett zur B\u00fcrgermeisterin gew\u00e4hlt wurde und sie nun die Kommunalregierung von Labour \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Der Londoner Bezirk Waltham Forest, die Stadt Norwich und der s\u00fcdenglische K\u00fcstenort Hastings gingen ebenfalls an die Gr\u00fcnen, die in England insgesamt auf 515 Sitze kamen, ein Plus von 374. Zudem gewannen die Gr\u00fcnen in Wales zwei Mandate im Sennedd.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Die Li\u00adbe\u00adral\u00adde\u00admo\u00adkra\u00adt:in\u00adnen konnte ebenfalls eine positive Bilanz ziehen, mit einem Plus von 161 Mandaten und mit insgesamt 834 aller Sitze, die zur Wahl standen. Sie gewannen alle Wahlbezirke im Londoner Stadtteil Richmond und absolute Mehrheiten in s\u00fcdenglischen St\u00e4dten und Regionen wie Winchester, Surrey und Tunbridge Wells, South Cambdrigeshire, sowie im Norden in Stockport. Zudem konnten sie der SNP zwei Holyrood-Mandate in den schottischen Highlands abringen. In Wales blieb es allerdings wie gehabt bei einem einzigen Senedd-Sitz, den die Chefin der walisischen Liberaldemokraten einnehmen wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Birmingham, die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Gro\u00dfbritanniens, und auch Swindon im S\u00fcden Englands haben ab sofort einen Stadtrat ohne eindeutige Mehrheiten. Labour verlor au\u00dferdem die Kontrolle \u00fcber den zentralen Londoner Bezirk Westminster an die Tories. In der britischen Hauptstadt stellt Labour aber weiterhin die Mehrheit in Camden, die Heimat von Keir Starmer, in Greenwich und Islington. Auch in Reading im S\u00fcdwesten Englands und im Norden um Liverpool und Manchester herum, etwa in Salford, konnte sich die Partei trotz Verluste behaupten. In Schottland holte sie Mandate in Dumbarton, S\u00fcd-Edinburgh und \u00fcberraschend auf den \u00c4u\u00dferen Hebriden. Der Chef der schottischen Labour Party, Anas Sarwar, hatte nach der Ausz\u00e4hlung der Stimmen jedoch seinen Holyrood-Sitz verloren, will aber zun\u00e4chst auf seinem Posten bleiben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Auch 199 Unabh\u00e4ngige konnten bei den Wahlen in Stadt- und County-Parlamente gelangen, davon viele, die sich als eine Stimme f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit Gaza verstehen, so etwa allein drei Kandidaten in Kirklee (Batley East).<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Das Ergebnis zeigt, dass nach der jahrzehntelangen Dominanz des Zweiparteiensystems und trotz des absoluten Mehrheitswahlrechts (first-past-the post), Gro\u00dfbritannien heutzutage eine Pluralit\u00e4t der politischen M\u00f6glichkeiten aufweist. Sozialdemokraten und Konservative sind nun, \u00e4hnlich wie in anderen L\u00e4ndern, nicht mehr die selbstverst\u00e4ndlichen Optionen f\u00fcr die W\u00e4hler:innen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach den verheerenden Verlusten bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 7. 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