{"id":1007536,"date":"2026-05-10T02:29:15","date_gmt":"2026-05-10T02:29:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1007536\/"},"modified":"2026-05-10T02:29:15","modified_gmt":"2026-05-10T02:29:15","slug":"urauffuehrung-in-muenchen-wer-schreibt-denn-heute-noch-opern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1007536\/","title":{"rendered":"Urauff\u00fchrung in M\u00fcnchen: Wer schreibt denn heute noch Opern?"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Als Wolfgang Amadeus Mozarts \u201eHochzeit des Figaro\u201c am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater uraufgef\u00fchrt wurde, war das ein Skandal. Adels-Bashing drei Jahre vor der Franz\u00f6sischen Revolution &#8211; das galt dem ein oder anderen als ziemlich gef\u00e4hrlich. Oper war Stadtgespr\u00e4ch, Oper war politisch, und noch heute d\u00fcrfte kein Opernhaus, das etwas auf sich h\u00e4lt, dauerhaft ohne Mozarts ber\u00fchmtes Werk auskommen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wenn die Bayerische Staatsoper nun an diesem Sonntag die neu komponierte Oper \u201eOf One Blood\u201c \u00fcber die K\u00f6niginnen Mary Stuart und Elizabeth I. zum allerersten Mal auf die B\u00fchne bringt, dann d\u00fcrfte &#8211; soviel spekulative Prophezeiung sei erlaubt &#8211; ein Aufschrei wie der von 1786 in Wien wohl ausbleiben.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und ob den Komponisten Brett Dean und die Librettistin Heather Betts in 240 Jahren noch jemand kennt und die gro\u00dfen Opernh\u00e4user ihr Werk dann noch spielen, das muss sich zumindest erst noch zeigen &#8211; immer vorausgesetzt, es gibt in zwei Jahrhunderten \u00fcberhaupt noch so etwas wie Theater.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eIch bin ganz hoffnungsvoll, dass unsere Oper ein Werk ist, das die Aufmerksamkeit von Opern-Liebhabern auf sich ziehen kann\u201c, sagt Dean, ein 64 Jahre alter Komponist aus Australien, der Deutschen Presse-Agentur vor der Urauff\u00fchrung seines Werkes in M\u00fcnchen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eHeutzutage w\u00fcnsche ich mir nat\u00fcrlich, dass dieses Werk einem neuen Publikum hilft, den Weg in die Oper zu finden. Das Publikum zeigt Einsatz, wenn es f\u00fcr einen ganzen Abend in unsere Welt kommt. Und es ist unsere Aufgabe, sie dort zu halten &#8211; fasziniert.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eEine Urauff\u00fchrung ist immer eine Reise in v\u00f6llig unbetretenes Land \u2013 ein Zustand, den ich liebe\u201c, sagt der Regisseur Claus Guth, der \u201eOf One Blood\u201c in M\u00fcnchen inszeniert. \u201eMan kann sich auf nichts verlassen, es gibt keine Referenzen, keine gewachsenen Traditionen. Man muss eine eigene Sprache finden, die m\u00f6glichst genau den Kern der Komposition trifft.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und um Wirkung zu erzeugen, brauche es auch keinen Skandal. \u201eFr\u00fcher standen Opern viel st\u00e4rker mitten im politischen und gesellschaftlichen Leben.\u201c Wenn ein St\u00fcck neue Ideen gezeigt oder eine bestehende Ordnung infrage gestellt habe, habe das unmittelbar Reaktionen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen \u2013 bis hin zum Skandal. \u201eHeute ist Oper st\u00e4rker Teil eines etablierten Kulturbetriebs. Viele Themen sind bekannt, vieles wird schneller eingeordnet und erkl\u00e4rt. Dadurch entsteht weniger unmittelbare Reibung\u201c, sagt Guth.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eF\u00fcr mich ist die Frage deshalb nicht, wie man einen Skandal erzeugt, sondern wie man eine andere Form von Dringlichkeit herstellt. In unserer Arbeit geht es darum, die Mechanismen sichtbar zu machen \u2013 also zu zeigen, wie Macht funktioniert, wie Entscheidungen entstehen und welche Konsequenzen sie haben. Das kann leiser sein als ein Skandal, aber nicht weniger intensiv.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Nur acht Prozent Urauff\u00fchrungen an der Oper<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dabei tut sich die zeitgen\u00f6ssische Oper in Deutschland alles andere als leicht. Laut B\u00fchnenstatistik des Deutschen B\u00fchnenvereins gab es in der Spielzeit 2023\/24 auf den B\u00fchnen des Landes 56 Opern-Urauff\u00fchrungen. Das macht einen Anteil von 8 Prozent aller Opern-Inszenierungen aus. 91.384 Zuschauer sahen diese Urauff\u00fchrungen &#8211; und damit weniger als halb so viele wie Mozarts wohl ber\u00fchmteste Oper.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zum Vergleich: Allein seine \u201eZauberfl\u00f6te\u201c sahen sich im gleichen Zeitraum deutschlandweit 189.697 Operng\u00e4nger in 19 Inszenierungen und 202 Auff\u00fchrungen an verschiedenen H\u00e4usern an.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eF\u00fcr mich hat zeitgen\u00f6ssische Oper es deshalb schwerer, weil sie anders funktioniert. Viele Werke aus dem Repertoire sind \u00fcber lange Zeit gewachsen \u2013 man kennt ihren Klang, ihre Dramaturgie, ihre Formen\u201c, sagt Regisseur Guth. \u201eBei neuen Opern ist das anders: Sie bringen ihre eigene Sprache mit, und man begegnet ihnen ohne Vergleich.\u201c\n  <\/p>\n<p>            \u201eSpielpl\u00e4ne kleben oft an der Vergangenheit\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eSpielpl\u00e4ne kleben oft an der Vergangenheit, aber das Publikum wird dabei untersch\u00e4tzt. Es hat keine Angst vor neuen Kl\u00e4ngen, nur vor Langeweile oder Belehrung\u201c, sagt Manuela Kerer, k\u00fcnstlerische Leiterin der M\u00fcnchner Biennale, eines Festival f\u00fcr zeitgen\u00f6ssisches Musiktheater, das ebenfalls an diesem Wochenende startet (bis 20.5.).\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Tats\u00e4chlich w\u00fcrden zurzeit sehr viele\u00a0Musiktheaterwerke in Auftrag gegeben, auch von gro\u00dfen H\u00e4usern. \u201eNat\u00fcrlich ist zeitgen\u00f6ssisches Musiktheater kein Selbstl\u00e4ufer, man muss das Publikum abholen, wo es eine Dringlichkeit erkennen kann.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Menschen, die sich heute &#8211; wie Dean und Betts &#8211; die M\u00fche machen, eine komplett neue Oper zu komponieren und zu texten, seien mutig, sagt die zweite k\u00fcnstlerische Leiterin der Biennale, Katrin Beck. \u201eDas sind die Komponierenden, die nicht im Elfenbeinturm Staub ansetzen wollen, sondern die Herausforderungen im Hier und Jetzt suchen.\u00a0Sie nehmen den Aufwand auf sich, weil sie sehen, wie viel Potenzial und M\u00f6glichkeiten dieses Genre hat, das uns mit allen Sinnen erfassen kann\u201c, betont sie.\n  <\/p>\n<p>            Krise? Welche Krise?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWir m\u00f6chten nicht von Opernkrise sprechen, speziell nicht im zeitgen\u00f6ssischen Bereich. Das Interesse ist absolut da. Die Vorstellung, Oper sei fr\u00fcher ein &#8222;gem\u00fctliches Ruhekissen&#8220; gewesen, ist Nostalgie.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sie sagt aber auch: \u201eAn der &#8222;Zauberfl\u00f6te&#8220; und ihrem Spitzenplatz als meist gespielte Oper wird auch in 100 Jahren schwer vorbeizukommen sein.\u201c Chancen sieht sie dennoch. \u201eAber:\u00a0definitiv ja! Moderne Opern k\u00f6nnen Wagner, Verdi, Mozart Konkurrenz machen, wenn die Spielpl\u00e4ne der Opernh\u00e4user ihre gro\u00dfe Liebe zur Verl\u00e4sslichkeit etwas aufweichen. An\u00a0Talent mangelt es nicht.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/urauffuehrung-of-one-blood.jpg\" alt=\"\u00abOf One Blood\u00bbist eine neue Oper \u00fcber Mary Stuart und Elizabeth I.\" title=\"\u00abOf One Blood\u00bbist eine neue Oper \u00fcber Mary Stuart und Elizabeth I.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    \u00abOf One Blood\u00bbist eine neue Oper \u00fcber Mary Stuart und Elizabeth I.<br \/>\n    Foto: Monika Ritterhaus\/Bayerische Staatsoper\/dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    \u00abOf One Blood\u00bbist eine neue Oper \u00fcber Mary Stuart und Elizabeth I.<br \/>\n    Foto: Monika Ritterhaus\/Bayerische Staatsoper\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Wolfgang Amadeus Mozarts \u201eHochzeit des Figaro\u201c am 1. 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