{"id":1007969,"date":"2026-05-10T07:12:17","date_gmt":"2026-05-10T07:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1007969\/"},"modified":"2026-05-10T07:12:17","modified_gmt":"2026-05-10T07:12:17","slug":"verstoerend-schoen-fotos-einer-kalt-domestizierten-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1007969\/","title":{"rendered":"Verst\u00f6rend sch\u00f6n: Fotos einer kalt domestizierten Umwelt"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/metamorphosis-102.webp\" alt=\"Ein Feld mit Soalarmodulen\" title=\"&#13;&#10;&#13;&#10; | Rainer Zerback\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Bildsch\u00f6ne B\u00fccher: &#8222;Metamorphosis&#8220; von Rainer Zerback (3 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 10.05.2026 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Rainer Zerbacks Bildband &#8222;Metamorphosis&#8220; zeigt die Schw\u00e4bische Alb als k\u00fcnstlich geformte Landschaft &#8211; \u00e4sthetisch, kalt und melancholisch. So sichtbar war unser Eingriff in die Natur selten.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Janek Wiechers<\/p>\n<p class=\"\">Die Umwelt, wie wir sie kennen, hat mit urspr\u00fcnglicher Natur kaum noch etwas zu tun. Die Landschaft um uns herum ist ein Kunstprodukt, das der Mensch seit Jahrtausenden ver\u00e4ndert. Land- und Forstwirtschaft, Siedlungen, Stra\u00dfen und Industrie hinterlassen Spuren. Mit diesem Thema besch\u00e4ftigt sich k\u00fcnstlerisch der Fotograf Rainer Zerback. In seinem neuen Bildband geht es genau darum &#8211; um die Verwandlung der Landschaft.<\/p>\n<p>    Versiegelte Fl\u00e4chen statt lebendiger Natur<\/p>\n<p class=\"\">Auf einer Wiese unter grauverhangenem Himmel: hunderte Solarpanele fast bis zum Horizont. In den polierten Fl\u00e4chen spiegeln sich die Wolken. Hier und da schimmert ein wenig Rasenfl\u00e4che durch; im Hintergrund stehen ein paar karge B\u00fcsche.<\/p>\n<p class=\"\">Dann: neugebaute Einfamilienh\u00e4user. Steril wirken sie, wei\u00dfe Fassade, graue Fenster, graue Dachfl\u00e4chen. Die Siedlung ist fast komplett versiegelt: die Einfahrten gepflastert, die Stra\u00dfen asphaltiert, die Grundst\u00fccke mit grauen Betonmauern eingefasst. Penibel geschnittene Hecken.<\/p>\n<p class=\"\">Noch ein Bild: Mitten in der Feldmark liegt ein eigent\u00fcmlich deplatzierter Friedhof. Die Grabsteine sind pr\u00e4zise aufgereiht, immer im gleichen Abstand zueinander. Daneben: sorgf\u00e4ltig geharkter Kies. Auf dem tristen mit Betonsteinen gepflasterten Weg zwischen den Gr\u00e4bern w\u00e4chst kein Grashalm.<\/p>\n<p>    Die melancholische Seite der Moderne<\/p>\n<p class=\"\">Rainer Zerback zeigt uns in panoramaartigen Fotografien eine vom Menschen gepr\u00e4gte Kulturlandschaft. Sowohl die Natur &#8211; Felder, Auen, Wiesen und W\u00e4lder &#8211; als auch die von Menschenhand geschaffenen Dinge darin &#8211; bestellte \u00c4cker, Fabriken, H\u00e4user, Stra\u00dfen und Spielpl\u00e4tze -, alles strahlt eine seltsame K\u00fcnstlichkeit aus.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Rainer Zerback er\u00f6ffnet uns eine artifiziell inszenierte Fotografie, die in Ruhe provoziert &#8211; indem sie uns entzieht, was wir gewohnt sind: Seine Welt ist eine Zwischenwelt: nicht real, aber tief wahr&#8220;, schreibt der Kunsthistoriker G\u00fcnther Baumann im Begleittext. Er weist darin auf einen interessanten Umstand hin: dass tats\u00e4chlich nur in wenigen Bildern Zerbacks Menschen zu sehen sind.<\/p>\n<p>    Panoramaw\u00fcrdige und bedr\u00e4ngende Aufnahmen<\/p>\n<p class=\"\">Der Effekt ist enorm: Gerade das Fehlen von Menschen l\u00e4sst deren landschaftsformenden Einfluss umso deutlicher hervortreten. Denn nichts, was in Zerbacks Fotos zu sehen ist, w\u00e4re ohne den Einfluss menschlicher Zivilisation denkbar.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Es geht nicht um eine apokalyptische Endzeit&#8220;, so Baumann, &#8222;denn die scheinbar beil\u00e4ufige Darstellung des Menschen macht umso deutlicher, wie dieser in die teils unendlich weite, teils bebaute Landschaft eingreift &#8211; in einerseits panoramaw\u00fcrdigen und andererseits bedr\u00e4ngenden Aufnahmen sind die menschlichen Spuren erkennbar.&#8220;<\/p>\n<p>    Wenn Natur nur noch Kulisse ist<\/p>\n<p class=\"\">Zerbacks Bilder wirken gewiss nicht auf jeden Betrachter endzeitlich. Sie sind sogar h\u00e4ufig sehr \u00e4sthetisch &#8211; zugleich aber auf eine Art kalt, unbeseelt. Ein melancholischer Beigeschmack macht sich breit.<\/p>\n<p class=\"\">Das ist so beim riesigen Industriegebiet fremdartig hineinplatziert in eine weitl\u00e4ufige Landschaft. Ebenso beim unwirtlichen Parkplatz neben einer vierspurigen Autobahn, die k\u00e4rgliche Baumgruppen durchschneidet. Oder beim betonierten Skateboardplatz in einem Wohngebiet neben geradezu l\u00e4cherlich kleinen Rasenfl\u00e4chen. Immer wirkt die Natur in Zerbacks Fotografien domestiziert, an den Rand gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wissenschaft113.webp.webp\" alt=\"Aufgeschlagene B\u00fccher\" title=\"Aufgeschlagene B\u00fccher | Vladimir Melnikov fotolia, Vladimir Melnikov\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bildb\u00e4nde \u00fcber Architektur, Menschen oder Landschaften sind immer ein Genuss f\u00fcr die Augen. NDR Kultur stellt immer wieder herausragende Neuerscheinungen im Programm vor.<\/p>\n<p>    Sch\u00f6nheit oder Abgr\u00fcnde?<\/p>\n<p class=\"\">Die Fotografien entstanden alle in der Region Schw\u00e4bische Alb. Diese stehe exemplarisch auch f\u00fcr viele andere Landstriche, findet Rainer Zerback: &#8222;Sie besticht nicht nur durch ihre reizvolle Landschaft, sondern steht auch beispielhaft f\u00fcr einen tiefgreifenden Strukturwandel von einem landwirtschaftlich gepr\u00e4gten, ressourcenarmen Landstrich zu einer Region mit Industrieunternehmen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Dass der Mensch seine Umgebung massiv beeinflusst, wird hier eindringlich sichtbar. Ob die Ver\u00e4nderung der Landschaft gut oder schlecht ist? Ob das, was Zerback zeigt, \u00e4sthetisch-erbaulich ist, oder doch reichlich deprimierend? Beide Lesarten sind denkbar.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/covermetamorphosis-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/covermetamorphosis-100.webp\" alt=\"Cover: Rainer Zerback: Metamorphosis                              \" title=\"Cover: Rainer Zerback: Metamorphosis                               | Kerber\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Metamorphosis<\/p>\n<p>von Rainer\u00a0Zerback<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>150 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Bildband<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Kerber<\/dd>\n<dt>ISBN:<\/dt>\n<dd>978-3-7356-1086-7<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>42 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Bildsch\u00f6ne B\u00fccher: &#8222;Metamorphosis&#8220; von Rainer Zerback (3 Min) Stand: 10.05.2026 06:00 Uhr Rainer Zerbacks Bildband &#8222;Metamorphosis&#8220; zeigt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1007970,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,9225,9229,1797,29,214,1885,30,1794,217110,217111,215],"class_list":{"0":"post-1007969","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-bildband","10":"tag-bildbaende","11":"tag-buch","12":"tag-deutschland","13":"tag-entertainment","14":"tag-fotografie","15":"tag-germany","16":"tag-kunst-und-design","17":"tag-metamorphosis","18":"tag-rainer-zerback","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116549042209720636","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1007969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1007969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1007969\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1007970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1007969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1007969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1007969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}