{"id":1008396,"date":"2026-05-10T11:25:17","date_gmt":"2026-05-10T11:25:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008396\/"},"modified":"2026-05-10T11:25:17","modified_gmt":"2026-05-10T11:25:17","slug":"volksentscheid-berlin-autofrei-die-verkehrswende-ist-noch-nicht-verloren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008396\/","title":{"rendered":"Volksentscheid Berlin autofrei: Die Verkehrswende ist noch nicht verloren"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">E s war eine sch\u00f6ne Vorstellung: Vom Westend bis zum Ostkreuz bl\u00fchende Landschaften, spielende Kinder, Fahr\u00adrad\u00adfah\u00adre\u00adr:in\u00adnen und Fu\u00df\u00adg\u00e4n\u00adge\u00adr:in\u00adnen in harmonischer Eintracht. Kein SUV weit und breit, nur ab und zu ein Rettungswagen und Transportsprinter, der die Eintracht st\u00f6rt. Doch Berlin autofrei ist so gut wie gescheitert. Bis einschlie\u00dflich 8. Mai konnten die Ak\u00adti\u00advis\u00adt:in\u00adnen nur 140.000 Unterschriften beim Landeswahlamt einreichen, wie sie am Samstagmorgen mitteilten. N\u00f6tig gewesen w\u00e4ren 174.000. Woran hat es gelegen?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Grunds\u00e4tzlich: Das Scheitern von <a href=\"https:\/\/taz.de\/Volksbegehren-in-Berlin\/!6168952\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin autofrei<\/a> ist kein Ja f\u00fcr das Auto und kein Nein f\u00fcr die Verkehrswende. Vielmehr d\u00fcrften viele Ber\u00adli\u00adne\u00adr:in\u00adnen skeptisch gegen\u00fcber dem von der Initiative vorgeschlagenen Weg sein. Denn die Verkehrswende l\u00e4sst sich nicht herbeiverbieten, sondern ben\u00f6tigt einen gro\u00dfangelegten Umbau der Infrastruktur: sichere Radwege, weniger Parkpl\u00e4tze, mehr \u00d6PNV.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Der Kern des Volksentscheids war ein Gesetzesvorschlag, der die Zahl der Autos innerhalb des S-Bahn-Rings drastisch reduzieren wollte. Die innerst\u00e4dtischen Stra\u00dfen sollten grunds\u00e4tzlich nur noch von Rettungskr\u00e4ften, Taxen, Bussen und Elektrokleinstfahrzeugen genutzt werden k\u00f6nnen. Ber\u00adli\u00adne\u00adr:in\u00adnen h\u00e4tten nur an 12 frei w\u00e4hlbaren Tagen im Jahr im Berliner Zentrum herumfahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Dar\u00fcber hinaus sah das Gesetz gro\u00dfz\u00fcgige Ausnahmeregelungen vor, etwa f\u00fcr mobilit\u00e4tseingeschr\u00e4nkte Menschen und den G\u00fcter- und Wirtschaftsverkehr. Auch eine H\u00e4rtefallregelung hatte es in den Gesetzesentwurf geschafft. Etwa, wenn sich der Arbeitsweg unzumutbar um mehr als 30 Minuten verl\u00e4ngert h\u00e4tte. Oder wenn zum Beispiel Frauen sich nachts auf ihrem Arbeitsweg nicht mehr sicher f\u00fchlen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Kurz: Die In\u00aditia\u00adto\u00adr:in\u00adnen des Volksentscheids haben versucht, jede Eventualit\u00e4t mitzudenken. Das Gesetz sollte nur jene Kraftfahrzeuge aus der Innenstadt verbannen, die tats\u00e4chlich einfach durch Fahrrad und \u00d6ffis ersetzbar sind.<\/p>\n<p>      Wer h\u00e4tte kontrolliert?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Ob das Gesetz bei einer erfolgreichen Abstimmung die gew\u00fcnschte Wirkung erzielt h\u00e4tte, ist fraglich. <a href=\"https:\/\/www.statistik-berlin-brandenburg.de\/news\/2026\/faktencheck-berlin-autofrei\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Bereits jetzt ist nach Zahlen des Statistischen Bundesamts knapp ein Viertel der innerhalb des S-Bahn-Rings zugelassenen Kraftfahrzeuge gewerblich.<\/a> Mit der Einf\u00fchrung des Gesetzes w\u00e4re dieser Anteil wom\u00f6glich deutlich gestiegen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Auch erfordert ein derart rigoroses Gesetz strenge und h\u00e4ufige Kontrollen, damit es nicht einfach ignoriert wird. Aus Erfahrungen wei\u00df man: Au\u00adto\u00adfah\u00adre\u00adr:in\u00adnen parken \u00fcberall dort, wo es nicht bestraft wird, und nicht, wo es explizit erlaubt ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Ausufernde B\u00fcrokratie und anlasslose Verkehrskontrollen sind zwei Nebeneffekte, die den Volksentscheid nicht unbedingt sexy gemacht haben. Dabei sind die Ziele der Initiative \u2013 eine weitgehend autofreie Innenstadt, mehr Fl\u00e4chengerechtigkeit, Verkehrssicherheit und Luftreinheit \u2013 durchaus mehrheitsf\u00e4hig. Berlin hat mit 329 privaten Pkw pro 1.000 Ein\u00adwoh\u00adne\u00adr:in\u00adnen die geringste Autodichte in Deutschland \u2013 nicht nur innerhalb des Rings. Trotz der autofreundlichen CDU-Politik ist die Zahl in den letzten Jahren zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Auch ist die Zustimmung f\u00fcr die von CDU und SPD ausgebremste Verkehrswende weiter hoch. Eine repr\u00e4sentative Studie der NGO Clean Cities im Januar ergab, das 59 Prozent der Ber\u00adli\u00adne\u00adr:in\u00adnen eine Umwandlung von Autospuren in Bus- oder Tramspuren bef\u00fcrworten, wenn der \u00d6PNV dadurch schneller und zuverl\u00e4ssiger wird. 67 Prozent w\u00fcnschen sich bessere und effizientere Parkraumregelungen, damit gro\u00dfe und schwere Autos nicht so viel Platz wegnehmen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Der Gesetzesentwurf von Berlin autofrei z\u00e4umte das Pferd von hinten auf \u2013 erst das Verbot, dann der Umbau der Infrastruktur. Doch es sind eben jene kleinteiligen, aufw\u00e4ndigen und oft teuren Ma\u00dfnahmen, die die Mobilit\u00e4tswende voranbringen und f\u00fcr mehr Lebensqualit\u00e4t sorgen: Autospuren umwidmen, Parkpl\u00e4tze entsiegeln, ein sicheres, zusammenh\u00e4ngendes Netz aus Fahrradwegen bauen, autofreie Kiezblocks errichten und f\u00fcr einen dicht getakteten, zuverl\u00e4ssigen und g\u00fcnstigen \u00d6PNV sorgen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Zus\u00e4tzliche Einnahmequellen k\u00f6nnten h\u00f6here Parkgeb\u00fchren und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Strassengebuehr-fuer-Innenstaedte\/!5593842\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine City-Maut<\/a> liefern, beides weniger radikale und einfacher umzusetzende Ma\u00dfnahmen als ein generelles Autoverbot.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Brauchen wir also eine neue Volksentscheidinitiative, die es besser macht und einen konsequenten Umbau der Infrastruktur fordert? Die gab es bereits 2016 mit dem Volksentscheid Fahrrad, aus dem 2018 das bis heute g\u00fcltige Mobilit\u00e4tsgesetz entstand. Doch das Gesetz haben CDU und SPD in ihrer Amtszeit konsequent ignoriert und entkernt. Ebenso wie den erfolgreichen Volksentscheid Deutsche Wohnen und Co. enteignen, der seit 2021 auf seine Umsetzung wartet.<\/p>\n<p>      Volksentscheide im Dilemma<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Das Scheitern von Berlin autofrei offenbart daher auch ein grunds\u00e4tzliches Dilemma des Instruments Volksentscheid. Ber\u00adli\u00adne\u00adr:in\u00adnen haben immer weniger das Gef\u00fchl, sie k\u00f6nnten mit Volksentscheiden tats\u00e4chlich selbst Politik machen. Das wirkt sich nicht nur auf die Menge an Menschen aus, die bereit sind zu unterschreiben, sondern auch auf die Aktiven, die ihre Freizeit opfern, um mit Unterschriftenlisten von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr zu ziehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Die letzte selbstwirksame Erfahrung der Ber\u00adli\u00adne\u00adr:in\u00adnen durch einen erfolgreichen Volksentscheid war die Rettung des Tempelhofer Feldes 2014. Und selbst das wollen CDU und SPD wieder bebauen. Wichtiger als ein gewonnener Volksentscheid ist also eine Regierungsmehrheit, die sich an bestehende Gesetze und Klimaschutzziele h\u00e4lt und die Verkehrswende entschlossen voranbringt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">Hoffnungsvoll, dass eine solche Politik auch Mehrheiten gewinnen kann, stimmt indes <a href=\"https:\/\/taz.de\/Franzoesische-Kommunalwahlen\/!6165144\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das Beispiel Paris<\/a>. Ende M\u00e4rz best\u00e4tigten die Pa\u00adri\u00adse\u00adr:in\u00adnen den Fahrrad- und fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlichen Kurs der langj\u00e4hrigen B\u00fcrgermeisterin Anne Hidalgo. Ihre Politik, die die CDU hierzulande als \u201eautofeindlich\u201c bezeichnen w\u00fcrde, sorgte daf\u00fcr, dass Paris zu einer lebenswerteren Stadt f\u00fcr alle geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"E s war eine sch\u00f6ne Vorstellung: Vom Westend bis zum Ostkreuz bl\u00fchende Landschaften, spielende Kinder, Fahr\u00adrad\u00adfah\u00adre\u00adr:in\u00adnen und Fu\u00df\u00adg\u00e4n\u00adge\u00adr:in\u00adnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1008397,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-1008396","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116550036983210153","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1008396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1008396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1008396\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1008397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1008396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1008396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1008396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}