{"id":1008488,"date":"2026-05-10T12:26:34","date_gmt":"2026-05-10T12:26:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008488\/"},"modified":"2026-05-10T12:26:34","modified_gmt":"2026-05-10T12:26:34","slug":"drei-stolpersteine-erinnern-an-ermordete-dresdner-diakonissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008488\/","title":{"rendered":"Drei Stolpersteine erinnern an ermordete Dresdner Diakonissen"},"content":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang waren ihre Schicksale vergessen. Nun erinnern drei Stolpersteine auf dem Gel\u00e4nde der Diakonissenanstalt Dresden an Helene Gr\u00fcnert, Emma Hartmann und Helene Rost \u2013 drei Diakonissen, die Opfer der nationalsozialistischen \u201eEuthanasie\u201c-Verbrechen wurden.<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2026-05-10-Pflastersteineverlegen.jpg\" alt=\"Stolpersteinverlegung im Hof des Diakonissenkrankenhauses - Foto: Anton Launer\" width=\"2400\" height=\"1350\" class=\"size-full wp-image-237692\"  \/>Stolpersteinverlegung im Hof des Diakonissenkrankenhauses \u2013 Foto: Anton Launer\n<\/p>\n<p>\u201eMan stolpert nicht mit den F\u00fc\u00dfen, man stolpert mit den Gedanken\u201c, sagte Superintendent Albrecht Nollau w\u00e4hrend der feierlichen Veranstaltung am 7. Mai. Vor dem k\u00fcnftigen \u201eTreffpunkt Museum\u201c an der Ecke Bautzner Stra\u00dfe\/Wolfsgasse wurden drei Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Helene Gr\u00fcnert, Emma Hartmann und Helene Rost \u2013 drei Frauen, die an psychischen Erkrankungen litten und zwischen 1939 und 1941 im NS-T\u00f6tungssystem ermordet wurden.\n<\/p>\n<p>Erst bei Recherchen f\u00fcr das zuk\u00fcnftige Museum der Diakonissenanstalt kamen ihre Geschichten ans Licht. Historikerin Bettina Westfeld stie\u00df in alten Unterlagen auf Hinweise, die sie misstrauisch machten. Weitere Recherchen in Archiven und der Gedenkst\u00e4tte Pirna-Sonnenstein best\u00e4tigten sp\u00e4ter: Alle drei Schwestern wurden Opfer der NS-\u201eEuthanasie\u201c.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2026-05-10-Nollau.jpg\" alt=\"Superintendent Albrecht Nollau - Foto: Anton Launer\" width=\"2400\" height=\"1350\" class=\"size-full wp-image-237694\"  \/>Superintendent Albrecht Nollau \u2013 Foto: Anton Launer\n<\/p>\n<p>Schwestern versuchten, Menschen zu sch\u00fctzen<\/p>\n<p>Besonders ersch\u00fctternd: Die Diakonissen hatten zuvor selbst kranke und pflegebed\u00fcrftige Menschen begleitet und versorgt. Einige Dresdner Schwestern mussten damals miterleben, wie Bewohnerinnen und Bewohner aus Pflegeeinrichtungen von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Dokumente zeigen zudem, dass Schwestern versuchten, Betroffene zu sch\u00fctzen und Angeh\u00f6rige zu warnen.<\/p>\n<p>\u201eDass drei unserer Schwestern selbst Opfer der NS-Euthanasie geworden sind, hat unsere Gemeinschaft tief betroffen gemacht\u201c, sagte Oberin Esther Selle w\u00e4hrend der Gedenkveranstaltung. Die Stolpersteine seien ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung und Mahnung.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2026-05-10-OberschwesterSelle.jpg\" alt=\"Oberin Esther Selle - Foto: Anton Launer\" width=\"2400\" height=\"1350\" class=\"size-full wp-image-237695\"  \/>Oberin Esther Selle \u2013 Foto: Anton Launer\n<\/p>\n<p>Bei der Verlegung wurden die Lebensgeschichten der drei Frauen verlesen. Superintendent Albrecht Nollau sprach ein kurzes geistliches Gedenken. Au\u00dferdem beteiligten sich Auszubildende der Berufsfachschulen f\u00fcr Pflegeberufe an der Veranstaltung.\n<\/p>\n<p>Historikerin Bettina Westfeld warnte in ihrem Gru\u00dfwort davor, den Wert von Menschen nach Gesundheit, Leistungsf\u00e4higkeit oder vermeintlichem Nutzen zu beurteilen. Die nationalsozialistischen Krankenmorde seien Ausdruck genau dieses Denkens gewesen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2026-05-10-Stolpersteine.jpg\" alt=\"Stolpersteine f\u00fcr die drei ermordeten Diakonissen - Foto: Anton Launer\" width=\"2400\" height=\"1350\" class=\"size-full wp-image-237691\"  \/>Stolpersteine f\u00fcr die drei ermordeten Diakonissen \u2013 Foto: Anton Launer\n<\/p>\n<p>Die Lebensgeschichten der drei Diakonissen<br \/>\nHelene Rost<\/p>\n<p>Helene Rost wurde 1891 in Cossengr\u00fcn geboren. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als Krankenschwester unter anderem in Chemnitz und Gera-Ernsee. Ab 1930 verschlechterte sich ihr psychischer Gesundheitszustand zunehmend. 1941 starb sie in der Landesheil- und Pflegeanstalt Unterg\u00f6ltzsch an den Folgen von Mangelern\u00e4hrung und Medikamenten. Sie wurde 50 Jahre alt.<\/p>\n<p>Emma Hartmann<\/p>\n<p>Emma Hartmann kam 1887 in Dahlen zur Welt und arbeitete in Krankenh\u00e4usern sowie in der Gemeindepflege. Wegen einer schweren psychischen Erkrankung wurde sie 1935 nach Pirna-Sonnenstein gebracht. Dort ermordeten die Nationalsozialisten sie am 3. September 1940 im Rahmen der \u201eAktion T4\u201c. Sie wurde 52 Jahre alt.\n<\/p>\n<p>Helene Gr\u00fcnert<\/p>\n<p>Helene Gr\u00fcnert wurde 1877 bei Fl\u00f6ha geboren und arbeitete viele Jahre in der Gemeindepflege, unter anderem in Bockwa bei Zwickau. Ende der 1920er Jahre verschlechterte sich ihr psychischer Gesundheitszustand. Sie wurde mehrfach in Einrichtungen eingewiesen. 1939 starb sie in der Landesheil- und Pflegeanstalt Hochweitzschen an den Folgen gezielter Unterern\u00e4hrung. Sie wurde 62 Jahre alt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Diakonisse-Helene-Marie-Gruenert_Quelle-Foto_StA-L_20049-Nr.-1409.jpg\" alt=\"Diakonisse Helene Marie Gr\u00fcnert - Foto: S\u00e4chisches Staatsarchiv Leipzig \" width=\"705\" height=\"1087\" class=\"size-full wp-image-237690\"  \/>Diakonisse Helene Marie Gr\u00fcnert \u2013 Foto: S\u00e4chisches Staatsarchiv Leipzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jahrzehntelang waren ihre Schicksale vergessen. 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