{"id":1008554,"date":"2026-05-10T13:03:17","date_gmt":"2026-05-10T13:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008554\/"},"modified":"2026-05-10T13:03:17","modified_gmt":"2026-05-10T13:03:17","slug":"zumutung-oder-geschenk-wenn-der-theaterabend-sieben-stunden-dauert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1008554\/","title":{"rendered":"Zumutung oder Geschenk?: Wenn der Theaterabend sieben Stunden dauert"},"content":{"rendered":"<p>Zumutung oder Geschenk?Wenn der Theaterabend sieben Stunden dauert<\/p>\n<p>10.05.2026, 14:07 Uhr <\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(05:53 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Das-Deutsche-Schauspielhaus-hat-die-Plaene-fuer-die-Saison-2026-27-vorgestellt.webp\" alt=\"Das-Deutsche-Schauspielhaus-hat-die-Plaene-fuer-die-Saison-2026-27-vorgestellt\"\/>Das Deutsche Schauspielhaus hat sch\u00f6ne, samtige Sitze, das l\u00e4sst sich aushalten. TeilenFolgen auf:<a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/channel\/0029Va5cdVJD8SDp5YZgYF01\" title=\"Auf WhatsApp folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/whatsapp.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAiEPMdif5mpRNxiLOeUpHCwwsqFAgKIhDzHYn-ZqUTcYiznlKRwsML?hl=de&amp;gl=DE&amp;ceid=DE%3Ade\" title=\"Auf Google News folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/google.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Viele k\u00f6nnen ja kaum 15 Minuten vom Handy lassen. Und dennoch schauen sich manche Theaterauff\u00fchrungen an, die zarte sieben oder acht Stunden dauern. Wieso macht man das?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Was man in acht Stunden machen kann? Einen Arbeitstag hinter sich bringen, mit dem ICE durch Deutschland fahren &#8211; oder man geht ins Theater. Auf Marathonabende setzen deutsche B\u00fchnen immer wieder &#8211; wie jetzt beim Theatertreffen in Berlin. Die M\u00fcnchner Kammerspiele zeigen dort &#8222;Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben G\u00e4ngen&#8220;. Dauer: sieben Stunden.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Gut, da kann man sich erst mal denken &#8222;Uff&#8220;. Aber es geht noch etwas l\u00e4nger. Die Berliner Volksb\u00fchne bringt demn\u00e4chst &#8222;Peer Gynt&#8220; zur\u00fcck. Der erste Abend dauerte acht Stunden und w\u00e4re vielleicht nach 2 Uhr noch weitergegangen, h\u00e4tte das Team nicht die Arbeitszeiten ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Ich hoffe, es ist vorbei&#8220;, sagte ein Mann damals nach mehr als sechs Stunden. Eine Frau dagegen hielt den Abend f\u00fcr ph\u00e4nomenal. Was fasziniert an superlangen Theaterabenden in einer Zeit, in der manche kaum vom Handy lassen k\u00f6nnen? Und werden Theaterabende insgesamt eigentlich l\u00e4nger?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Eine Statistik gibt es dazu beim Deutschen B\u00fchnenverein nicht. &#8222;Mit Blick auf die vergangenen Jahre zeigt sich, dass es immer mal wieder sehr lange Inszenierungen gab&#8220;, teilt eine Sprecherin mit. Zum Beispiel Luk Percevals &#8222;Schlachten&#8220; bei den Salzburger Festspielen 1999 (zw\u00f6lf Stunden) oder &#8222;Die Br\u00fcder Karamasow&#8220; am Bochumer Schauspielhaus 2023 (sieben Stunden).\u00a0&#8222;W\u00e4hrend und kurz nach der Pandemie haben die B\u00fchnen \u00fcberwiegend Auff\u00fchrungen ohne Pausen angeboten, sodass die Spieldauer deutlich k\u00fcrzer ausgefallen ist&#8220;, erkl\u00e4rt die Sprecherin.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">\u00c4hnliches beobachtet die Festivalleiterin des Berliner Theatertreffens, Nora Hertlein-Hull. Ihre erste sehr lange Inszenierung hat sie 2007 bei den Wiener Festwochen gesehen. Die New Yorker Gruppe Elevator Repair Service habe sich den Roman &#8222;Der gro\u00dfe Gatsby&#8220; vorgenommen. Und auf der B\u00fchne das komplette Buch in sieben Stunden vorgelesen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich packe mir ein Brot ein&#8220; <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Ich bin da hineingestolpert&#8220;, erz\u00e4hlt Hertlein-Hull. Aber sie sei von der Erfahrung total fasziniert gewesen. Sie nehme so etwas dann meistens sehr sportlich. &#8222;Also man richtet sich dann auch ein und sagt: Okay, ich gehe jetzt einen Tag ins Theater. Ich packe mir ein Brot ein&#8220;, sagt Hertlein-Hull.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Und dann ist es ja auch eine eigene Freude an solchen langen Auff\u00fchrungen, dass man sich dem unterwirft und sagt: &#8218;Das ist jetzt ein Marathon, den mache ich jetzt mit und ich schaue mal, was es mit mir macht&#8216;.&#8220; Ihr mache es Freude, sich dann auch selbst zu beobachten: Was passiert mit einem bei Stunde f\u00fcnfeinhalb? Was mache die Dauer mit der eigenen Seherfahrung?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Man brauche die Bereitschaft, sich auf einen solchen Abend einzulassen. &#8222;Man wird dann belohnt&#8220;, findet Hertlein-Hull. &#8222;Dieses Durchhalten hat einen Befriedigungsfaktor. Das Publikum jubelt ja meistens am Ende einer Marathonauff\u00fchrung. Die, die noch da sind, sind so stolz auf sich und empfinden dann auch Euphorie. &#8218;Wir haben das jetzt gemeinsam durchgemacht.&#8216; Das hat noch mal so ein extra erhabenes Moment.&#8220;<\/p>\n<p>Was sich nach der Pandemie zeigte<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Beim Theatertreffen &#8211; einem der wichtigen B\u00fchnenfestivals &#8211; l\u00e4dt eine Jury jedes Jahr die zehn &#8222;bemerkenswertesten&#8220; Inszenierungen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz nach Berlin ein. Das Festival l\u00e4uft vom 1. bis 17. Mai. Viele Tickets waren schnell weg, auch f\u00fcr den &#8222;Wallenstein&#8220;. &#8222;Also die L\u00e4nge scheint niemanden abzuhalten&#8220;, sagt Hertlein-Hull. Sie r\u00e4t: Vorher etwas essen. Es gibt auch Catering, denn in den sieben Stunden sind drei Pausen eingeplant.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Nach der Pandemie habe man gemerkt, dass das Theatergef\u00fchl &#8222;vernetflixt&#8220; worden sei. Nach ihrer Beobachtung kamen Theaterabende auf die B\u00fchne, die sehr konsumierbar und k\u00fcrzer waren. Man habe ein Angebot machen m\u00fcssen, das mit der Unterhaltung auf dem heimischen Sofa habe mithalten k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Das durfte vielleicht auch nicht zu anstrengend sein oder nicht zu fordernd. So konnte man die Leute dann auch wieder zur\u00fcckgewinnen. Und jetzt kann man vielleicht wieder ein bisschen mehr Experimente wagen.&#8220; Jetzt traue man sich wieder mehr, Theater als ausladendes Live-Event anzusetzen.<\/p>\n<p>Seit wann es lange Inszenierungen gibt<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Ich w\u00fcrde das verorten mit der Geburt des sogenannten Regietheaters in den 1970er-, 1980er-Jahren. Eben dort, wo der kreative Zugriff einer Regieperson an Bedeutung gewinnt&#8220;, sagt Hertlein-Hull. Das Theater sei aus seiner Unterhaltungs- und Bildungsfunktion herausgehoben und in einen eigenen \u00e4sthetischen Anspruch, einen eigenen gesellschaftlichen Ausdruck \u00fcberf\u00fchrt worden, f\u00fcr den man sich dann auch Zeit genommen habe. Beispiele seien Regie-Titanen von Peter Stein bis Frank Castorf. Robert Wilsons &#8222;Einstein on the Beach&#8220; von 1976 habe auch vier, f\u00fcnf Stunden gedauert.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Dem Zuschauer etwas zumuten wollen &#8211; dieses Gef\u00fchl schwingt da auch mit. Weil es ist ja eine Zumutung, von jemandem sechs Lebensstunden zu erwarten im Theater&#8220;, sagt Hertlein-Hull. &#8222;Ich habe wirklich gro\u00dfen Respekt und eine gro\u00dfe Liebe zu dem Publikum, das sich dem unterwerfen m\u00f6chte, das auf so etwas Lust hat. Es ist wirklich ein Geschenk, dass man von jemandem diese Lebenszeit bekommt, um diese Art von Kunst pr\u00e4sentieren zu d\u00fcrfen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de, Julia Kilian, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zumutung oder Geschenk?Wenn der Theaterabend sieben Stunden dauert 10.05.2026, 14:07 Uhr Artikel anh\u00f6ren(05:53 min) Das Deutsche Schauspielhaus hat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1008555,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[29,214,30,984,215],"class_list":{"0":"post-1008554","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-international","12":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116550422420958939","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1008554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1008554"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1008554\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1008555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1008554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1008554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1008554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}