{"id":1009542,"date":"2026-05-10T22:56:15","date_gmt":"2026-05-10T22:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1009542\/"},"modified":"2026-05-10T22:56:15","modified_gmt":"2026-05-10T22:56:15","slug":"muenchen-hamburg-einsam-auftanken-wann-sozialer-rueckzug-schaden-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1009542\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen\/Hamburg | Einsam auftanken? Wann sozialer R\u00fcckzug schaden kann"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Ein Abend alleine auf der Couch, eine abgesagte Party, lieber alleine zu Hause bleiben, statt ins Caf\u00e9 zu gehen: Manche Menschen ziehen sich zur\u00fcck \u2013 bewusst oder unbewusst. Manchmal ist das nur eine Phase, die helfen kann, die sozialen Akkus wieder aufzuladen. Manchmal dauert diese Phase aber an und kann zum Problem f\u00fcr die Gesundheit werden.<\/p>\n<p>Klar, in einigen Situationen braucht man etwas Zeit f\u00fcr sich selbst: nach einer Party oder in stressigen Lebensphasen zum Beispiel. Sich eine Zeit lang oder regelm\u00e4\u00dfig ein, zwei Abende in der Woche bewusst zur\u00fcckzuziehen, um Hobbys nachzugehen oder sich auszuruhen, sei ganz normal, betont Tatjana Reichhart. Die \u00c4rztin f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie ist in M\u00fcnchen als Coach und Trainerin t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Sie sagt: \u00abWenn der R\u00fcckzug selbst gew\u00e4hlt ist und wir die Zeit absichtsvoll f\u00fcr uns selbst verwenden, w\u00fcrden wir aber nicht von sozialem R\u00fcckzug sprechen, sondern eher von Me-Time.\u00bb Und: Diese sogenannte Me-Time gibt Energie und hilft, die Batterien wieder aufzuladen.<\/p>\n<p>Wann sozialer R\u00fcckzug ein Problem wird<\/p>\n<p>Problematisch wird es, wenn man abends nach der Arbeit regelm\u00e4\u00dfig so ersch\u00f6pft ist, dass man weder Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Hobbys noch Treffen mit Freunden hat und v\u00f6llig erledigt vor dem Fernseher h\u00e4ngt, beschreibt Reichhart. \u00abDas ist keine qualitativ hochwertig genutzte Zeit und die bringt in der Regel auch nicht die Energie zur\u00fcck.\u00bb<\/p>\n<p>Aber nicht nur das macht sozialen R\u00fcckzug problematisch. Es geht auch darum, was man damit erreichen m\u00f6chte. \u00abSozialer R\u00fcckzug kann auch eine Vermeidungsstrategie sein, mit der man negativen Gef\u00fchlen aus dem Weg gehen will\u00bb, erkl\u00e4rt der Psychologe Klaus Nuyken.\u00a0<\/p>\n<p>Wer aus\u00a0Angst vor der Bewertung durch andere\u00a0(\u00abDie finden mich bestimmt doof\u00bb) ein Treffen absagt, verh\u00e4lt sich\u00a0dysfunktional. Kurzfristig\u00a0sinkt zwar die Angst\u00a0durch das\u00a0Vermeidungsverhalten. Langfristig wird sie aber\u00a0verst\u00e4rkt\u00a0und damit aufrechterhalten\u00a0und verschlimmert sich sogar, was zu einer weiteren Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie R\u00fcckzug und psychische Erkrankungen zusammenh\u00e4ngen<\/p>\n<p>Mitunter ger\u00e4t man in einen Teufelskreis: Wer sich von anderen zur\u00fcckzieht, erh\u00e4lt auch kein positives Feedback mehr. Das k\u00f6nne den R\u00fcckzug weiter verst\u00e4rken, wie Nuyken erkl\u00e4rt. \u00abSozialer R\u00fcckzug h\u00e4ngt eng mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstst\u00f6rungen zusammen und ist in aller Regel ein Symptom der Krankheit.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Bei der Depression liegt das vor allem an der typischen Antriebslosigkeit und daran, dass Betroffene kaum noch Freude empfinden. Bei der Angstst\u00f6rung spielt vor allem die Vermeidung eine Rolle. Aber auch als Folge eines Traumas oder im Zusammenhang mit bestimmten Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen kann sozialer R\u00fcckzug ein Symptom sein.<\/p>\n<p>Betroffene merken in der Regel zun\u00e4chst gar nicht, dass sie sich zur\u00fcckziehen und dass ihnen das nicht guttut. \u00abWichtig ist es daher, sich zu reflektieren und zum Beispiel zu \u00fcberlegen: Wie zufrieden und erholt bin ich vor einem Abend alleine vor dem Fernseher und wie ist es danach?\u00bb, r\u00e4t Reichhart. Das k\u00f6nnte man dann gedanklich vergleichen: Wie w\u00e4re das nach einem Abend mit einer Freundin oder einem Freund oder wenn ich meinem Hobby nachgehe?<\/p>\n<p>Raus aus dem R\u00fcckzug: Wieder in Kontakt kommen<\/p>\n<p>Gerade wenn man sich schon l\u00e4nger zur\u00fcckgezogen hat, kann es schwer sein, wieder mit anderen in Kontakt zu kommen. Steckt eine psychische Erkrankung dahinter, sollten Betroffene sich Unterst\u00fctzung suchen und eine Depression etwa im Rahmen einer Therapie behandeln lassen.<\/p>\n<p>Ist das nicht der Fall, r\u00e4t Tatjana Reichhart, sich erst mal einen \u00dcberblick \u00fcber das eigene Netzwerk zu verschaffen: Wen habe ich? Mit wem m\u00f6chte ich den Kontakt wieder aufnehmen? Auch gemeinsame Interessen wie zum Beispiel Sport k\u00f6nnen gute Wege sein, um Kontakte wieder aufleben zu lassen. Sie r\u00e4t au\u00dferdem, Zeit f\u00fcr soziale Kontakte fest im Kalender einzuplanen. Sonst wird diese Zeit im stressigen Alltag meist als Erstes gestrichen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind kleine Schritte der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Wiedereinstieg. \u00abStatt einer Party kann man mit einem Treffen mit einer einzelnen, vertrauten Person starten oder erstmal eine Nachricht schicken\u00bb, r\u00e4t Klaus Nuyken. Und statt jemanden zu sich nach Hause einzuladen, trifft man sich am besten in einem Caf\u00e9. So kann man besser bestimmen, wie lange das Treffen dauert &#8211; ohne jemanden vor die T\u00fcr zu setzen.<\/p>\n<p>Struktur vor Lust<\/p>\n<p>Au\u00dferdem r\u00e4t Nuyken, eine Technik zu nutzen, die eigentlich Bestandteil der Depressionstherapie ist: Struktur vor Lust. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel vornimmt, morgen um 10 Uhr eine Nachricht an einen alten Bekannten zu schicken, auch wenn man sich eigentlich nicht danach f\u00fchlt.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDas erm\u00f6glicht positive Erfahrungen\u00bb, erkl\u00e4rt Nuyken. Wenn man erst auf die Motivation wartet, k\u00f6nne sich das Problem verst\u00e4rken. \u00abDenn in der Regel kommt die nicht\u00bb, so der Psychologe.\u00a0<\/p>\n<p>Was bei den ersten Kontakten auch helfen kann, nennt Nuyken Koexistenz. Damit meint er Treffen, bei denen man zwar zusammen ist, aber nicht unbedingt die ganze Zeit miteinander reden muss. Eine Verabredung im Kino zum Beispiel. \u00abEtwas gemeinsam erleben, was nicht mit tiefen Gespr\u00e4chen verbunden ist.\u00bb<\/p>\n<p>Wichtig ist auf jeden Fall, wieder mit anderen in Kontakt zu kommen, wie Tatjana Reichhart betont. Denn Einsamkeit gilt als Risikofaktor f\u00fcr viele Krankheiten, nicht nur psychische. \u00abWir Menschen sind soziale Wesen und Beziehungen zu anderen Menschen sind unser Lebenselixier.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Ein Abend alleine auf der Couch, eine abgesagte Party, lieber alleine zu Hause bleiben, statt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1009543,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[12004,2632,29,13112,553,113116,30,1724,141,692,13353,25158,20900],"class_list":{"0":"post-1009542","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-beziehungen","9":"tag-brcmj","10":"tag-deutschland","11":"tag-einsamkeit","12":"tag-familie","13":"tag-freundschaften","14":"tag-germany","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-gesundheit","17":"tag-hamburg","18":"tag-psychologie","19":"tag-rueckzug","20":"tag-tmn0305"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116552754407391501","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1009542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1009542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1009542\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1009543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1009542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1009542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1009542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}