{"id":1010448,"date":"2026-05-11T08:20:21","date_gmt":"2026-05-11T08:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1010448\/"},"modified":"2026-05-11T08:20:21","modified_gmt":"2026-05-11T08:20:21","slug":"ukraine-debattiert-ueber-ein-neues-waffengesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1010448\/","title":{"rendered":"Ukraine debattiert \u00fcber ein neues Waffengesetz"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein Autofahrer in der ukrainischen Hauptstadt Kiew schie\u00dft auf einen anderen Fahrer. Niemand wird verletzt, die Polizei ermittelt zu den Hintergr\u00fcnden. In der Gro\u00dfstadt Dnipro kommt es zu einem Streit zwischen mehreren Menschen. Jemand zieht eine Waffe, dr\u00fcckt ab. Ein Video des Vorfalls landet im Netz. In der Hafenstadt Odessa schie\u00dft ein Mann nahe einem Spielplatz in die Luft, in Charkiw feuert ein Betrunkener in einer Metrostation ebenfalls in die Luft.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Es sind Nachrichten aus den vergangenen Tagen, die von einem beunruhigenden Trend zeugen: In der Ukraine mehren sich die F\u00e4lle von Schusswaffengewalt. Und nicht immer gehen sie glimpflich aus. Als Mitte April ein Mann im Kiewer Stadtteil Holossijiwskyj zun\u00e4chst auf der Stra\u00dfe das Feuer er\u00f6ffnete und sich anschlie\u00dfend mit Geiseln in einem Supermarkt verschanzte, wurden sieben Menschen get\u00f6tet, sieben weitere mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Der T\u00e4ter wurde von den Einsatzkr\u00e4ften get\u00f6tet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Seitdem ist eine Debatte \u00fcber die Regeln f\u00fcr den privaten Besitz von Waffen entbrannt, auch weil zwei Polizisten dabei gefilmt wurden, wie sie mutma\u00dflich vom Tatort flohen.\u00a0Infolge des Skandals trat der Chef der Streifenpolizei zur\u00fcck. Bef\u00fcrworter von privatem Waffenbesitz argumentieren nun, dass bewaffnete Passanten den Angreifer in Kiew h\u00e4tten aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Innenminister: Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Das Grundproblem ist, dass es in der Ukraine kein umfassendes Gesetz zum Umgang mit Waffen f\u00fcr Zivilisten gibt. Bisher regelt dies das Innenministerium per Verordnung. Schon vor der russischen Vollinvasion stand das Thema auf der Agenda des Parlaments, nicht zuletzt, weil ein Waffengesetz Teil des Assoziierungsabkommens mit der Europ\u00e4ischen Union war. Ein entsprechender Gesetzentwurf schaffte es allerdings nur durch die erste Lesung \u2013 am 23. Februar 2022, dem Tag vor dem Gro\u00dfangriff.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ihor Fris, Abgeordneter der Regierungspartei \u201eDiener des Volkes\u201c, hatte den Entwurf damals mit ausgearbeitet. Er k\u00fcndigte nach der Tat von Kiew an, dass demn\u00e4chst die zweite Lesung stattfinden soll. Er vertritt die Meinung,\u00a0 man k\u00f6nne den Ukrainern durchaus den Besitz von Kurzwaffen zu Hause erlauben \u2013 zur Selbstverteidigung.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Damit liegt Fris auf der Linie des ukrainischen Innenministers Ihor Klymenko. Dieser sagte kurz nach dem Attentat, die Menschen sollten ein Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung und den Besitz von Schusswaffen haben. Er verwies dabei auch auf die Erfahrungen zu Beginn des russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine im Februar 2022.<\/p>\n<p>Nach Kriegsbeginn wurden Waffen an Zivilisten ausgegeben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Damals wurden Waffen an Zivilisten ausgegeben, um Widerstand gegen die Angreifer zu leisten. Zudem wurde sp\u00e4ter das\u00a0Verfahren zur Erlangung der Erlaubnis von Waffenbesitz vereinfacht. Sie kann online beantragt werden. Dem Antrag m\u00fcssen lediglich ein Nachweis \u00fcber den Umgang mit Waffen, ein \u00e4rztliches Attest sowie Kopien des Reisepasses und die Meldeadresse beigef\u00fcgt werden. Au\u00dferdem richtete das Innenministerium ein einheitliches Waffenregister ein.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein Gegner der massenhaften Legalisierung ist der B\u00fcroleiter des ukrainischen Pr\u00e4sidenten Kyrylo Budanow, der fr\u00fchere Chef des Milit\u00e4rgeheimdienstes. Er meint, dass dies keinen wirklichen Schutz biete, sondern eher zu einer deutlichen Zunahme von Waffengewalt\u00a0f\u00fchren k\u00f6nne. Die Zahlen geben ihm recht: Laut Generalstaatsanwaltschaft\u00a0wurden 2025 in der Ukraine 821 Straftaten mit Schusswaffen begangen, darunter 187 Morde. Im Jahr 2021 waren es noch 300, darunter 41 Morde.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Laut Angaben der Nationalpolizei sind in der Ukraine knapp 1,2 Millionen Waffen registriert. Die Zahl der nicht registrierten Waffen sch\u00e4tzte das Innenministerium im Jahr 2024 auf zwei bis f\u00fcnf Millionen; manche vermuten bis zu sieben Millionen aus. Der Krieg macht es schwieriger, den \u00dcberblick zu behalten, auch weil Milit\u00e4rangeh\u00f6rige h\u00e4ufig Waffen von der Front mit nach Hause nehmen. Polizei und Milit\u00e4r wollen die Kontrollen daher versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Wer gek\u00e4mpft hat, bef\u00fcrwortet Waffen eher<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Um sich eine \u00dcbersicht \u00fcber die im Umlauf befindlichen Waffen zu verschaffen, f\u00fchrten die Beh\u00f6rden ein Meldesystem f\u00fcr gefundene und erworbene Waffen ein. Bislang wird es jedoch kaum genutzt. Laut Innenministerium wurden bis Ende 2025 lediglich 15.000 Waffen sowie knapp acht Millionen Schuss Munition gemeldet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Laut Umfragen hat sich im Krieg auch die Einstellung der Ukrainer zum Waffenbesitz ver\u00e4ndert. Laut dem Schweizer Forschungsprojekt Small Arms Survey (SAS) war ein Gro\u00dfteil der Ukrainer vor 2022 strikt gegen die Liberalisierung des Waffenbesitzes. Das \u00e4nderte sich nach dem russischen \u00dcberfall. Im Mai 2022 ergab eine Umfrage der Rating Group, dass 58 Prozent der Befragten das Recht von Zivilisten auf den Besitz von Schusswaffen bef\u00fcrworteten, w\u00e4hrend nur 39 Prozent dagegen waren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Eine nicht repr\u00e4sentative Umfrage der Regierung kam vor vier Jahren zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis. Danach unterst\u00fctzten 59 Prozent der Teilnehmer\u00a0das Recht von Zivilisten auf den Besitz von Schusswaffen. Die Zustimmungswerte sind seitdem jedoch r\u00fcckl\u00e4ufig. Voriges Jahr sprachen sich in einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.smallarmssurvey.org\/sites\/default\/files\/resources\/SAS-Report-2025-Ukraine-small-arms-proliferation-final-EN.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SAS-Umfrage\u00a0<\/a>nur noch zw\u00f6lf Prozent der Befragten f\u00fcr eine Liberalisierung aus. 56 Prozent hingegen w\u00fcnschten sich strengere Regeln. Die Umfrage ergab zudem, dass Menschen, die im Krieg gek\u00e4mpft haben, sich deutlich st\u00e4rker f\u00fcr den Besitz von Waffen aussprechen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Viele Ukrainer sorgen sich, welche Folgen die vielen Waffen in einer vom Krieg traumatisierten Gesellschaft mit sich bringen. Die geltenden Regeln sind eigentlich durchaus streng, doch es fehlt an Kontrollen.\u00a0So war es wohl auch im Fall des Attent\u00e4ters von Kiew. Er hatte eine registrierte Waffe. Warum er trotz offensichtlicher psychischer Probleme die notwendigen \u00e4rztlichen Atteste zur Verl\u00e4ngerung seiner Waffenbesitzerlaubnis erhielt, m\u00fcsse nun untersucht werden, sagte Innenminister Klymenko.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Autofahrer in der ukrainischen Hauptstadt Kiew schie\u00dft auf einen anderen Fahrer. 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