{"id":1011317,"date":"2026-05-11T16:37:46","date_gmt":"2026-05-11T16:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1011317\/"},"modified":"2026-05-11T16:37:46","modified_gmt":"2026-05-11T16:37:46","slug":"wuppertaler-literatur-biennale-schriftsteller-navid-kermani-liest-aus-seinem-roman-sommer-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1011317\/","title":{"rendered":"Wuppertaler Literatur Biennale: Schriftsteller Navid Kermani liest aus seinem Roman \u201eSommer 24\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schriftsteller Navid Kermani las am Freitagabend im Rahmen der Literatur Biennale aus seinem neuen Roman \u201eSommer 24\u201c, die Moderation \u00fcbernahm die Journalistin Verena Lueken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Autor, daneben auch Essayist, Publizist, Reporter und habilitierter Orientalist, spricht auf der kleinen B\u00fchne in der Immanuelskirche auf einnehmende und zugleich bodenst\u00e4ndige Weise \u00fcber schriftstellerische Entscheidungen, \u00fcber den Zufall und die \u00fcberfordernde Wirklichkeit.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ja, es sind historische Begebenheiten, die in seinem Roman thematisiert werden: der Krieg im Gazastreifen, der zunehmende Rechtsextremismus, Trump, die Europawahlen, humanit\u00e4re Katastrophen. Dennoch stellt Navid Kermani klar: \u201eIch wollte bestimmt keinen Roman \u00fcber die politischen Ereignisse des Sommers 2024 schreiben.\u201c Die zeitliche Einordnung habe sich eben zwingend ergeben \u2013 neben der besseren Orientierung f\u00fcr den Leser ein Zeichen, dass es eben nicht ohne geht. Ohne die besorgniserregenden Dinge, die um uns herum auf der Welt passieren. Weil sie letztendlich jeden von uns in der eigenen kleinen Welt beeinflussten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr \u201eSommer 24\u201c stellte sich Kermani selbst nur wenig Regeln auf, wollte \u201enur nichts streichen, was schon geschrieben ist.\u201c Der Rest entstehe aus der Form. Die er bewusst offen h\u00e4lt, denn: \u201eF\u00fcr mich ist der Zufall das Einfallstor des Schicksals\u201c, betont der heute in K\u00f6ln wohnende Schriftsteller. Und so beginnt sein Roman mit den Worten: \u201eVon einigen Begebenheiten der letzten Monate m\u00f6chte ich berichten.\u201c Ein Satz, aus dem sich bereits ein Ton ergebe, \u201eeine an Thomas Mann gemahnende Erz\u00e4hlweise\u201c, wirft Verena Lueken ein. Und dann berichtet der Erz\u00e4hler. Von privaten Erlebnissen, \u201eallzu private vielleicht\u201c, von dem Freitod eines j\u00fcdischen Bekannten, der zum AfD-Sympathisanten wurde, von dem Besuch einer Fr\u00fchgeborenen-Station im \u00e4thiopischen Tigray. Einen Ausschnitt daraus liest er unter anderem vor \u2013 nach dem letzten Wort herrscht f\u00fcr kurze Zeit vollkommene Stille in der Immanuelskirche, so ergreifend war das zuvor Geh\u00f6rte. Eine dritte Begebenheit im Roman ist die Hochzeit der Tochter eines Freundes auf der griechischen Insel Hydra.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Navid Kermani fordert die Leser dazu auf, Partei zu ergreifen, wenn es um die vermeintliche Enteignung einer pers\u00f6nlichen Geschichte geht. Fordert sie heraus, indem er immer wieder Fiktion und wahre historische Begebenheiten miteinander verwebt, den Leser hereinlegt, ihn mit der Frage konfrontiert: Ist das real oder vollkommen erfunden? Und er geht auch kritisch mit einzelnen Figuren um, erg\u00e4nzt sie um eine Dimension, die zuvor vielleicht gefehlt hat.<\/p>\n<p>Von fehlender Linearit\u00e4t<br \/>in der Wirklichkeit      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Widerspr\u00fcche macht Navid Kermani bewusst sichtbar. Zwischen politischen Instabilit\u00e4ten und dem Alltag des Einzelnen mit all seinen Unsicherheiten will der Autor keine lineare Geschichte erz\u00e4hlen. Eine Geschichte linear zu erz\u00e4hlen, mit einem Beginn, einem Ende und einem roten Faden dazwischen, sei f\u00fcr ihn nicht die richtige Herangehensweise. Er mahnt, an die Wirklichkeitserfahrung zu denken, die doch immer \u201ekreuz und quer\u201c gehe, mit Drehungen und Wendungen. Er erkl\u00e4rt den Anwesenden: \u201eDenken Sie nur an die Geschichten, die gerade in diesem Raum sind \u2013 die in dieser Sekunde in diesem Raum stattfinden. Jeder von uns ist in den unterschiedlichsten Wirklichkeiten unterwegs.\u201c Eine einfache Nachricht, auf dem Handy, nach der Veranstaltung, k\u00f6nne einen Menschen aus seiner Wirklichkeit herauskatapultieren. Und das, betont er, sei \u201edie \u00fcberfordernde Wirklichkeit, die nicht anders als chaotisch zu nennen ist.\u201c Und dieser eine Form zu geben, das sei nicht nur sein Anspruch, sondern grunds\u00e4tzlich ein solcher der Literatur insgesamt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Wut als \u00fcbergreifendes Thema der Biennale schwingt leise und subtil im Hintergrund mit \u2013 daf\u00fcr aber best\u00e4ndig. Ist sie doch immer irgendwo Teil der chaotischen Wirklichkeit, Teil eines neuen Plottwists oder entstanden durch das Unverm\u00f6gen, eine andere Position einzunehmen. Und f\u00fcr einen kurzen Moment kann sich der Zuh\u00f6rer an diesem Abend einbilden, die Wirklichkeit mit all ihren Wirrungen und Irrungen verstanden zu haben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine \u00dcbersicht \u00fcber weitere Veranstaltungen der Literatur Biennale gibt es unter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schriftsteller Navid Kermani las am Freitagabend im Rahmen der Literatur Biennale aus seinem neuen Roman \u201eSommer 24\u201c, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1011318,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[217803,28031,3364,29,30,136482,93,132889,1209,1795,2044,217805,217804,6083,217807,217806,4418,113278],"class_list":{"0":"post-1011317","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-begebenheit","9":"tag-biennale","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-immanuelskirche","14":"tag-literatur","15":"tag-navid-kermani","16":"tag-nordrhein-westfalen","17":"tag-roman","18":"tag-schriftsteller","19":"tag-schriftstellerische","20":"tag-ueberfordernde","21":"tag-wirklichkeit","22":"tag-wirklichkeitserfahrung","23":"tag-wlbiennale","24":"tag-wuppertal","25":"tag-zufall"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116556925909530623","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1011317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1011317"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1011317\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1011318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1011317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1011317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1011317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}