{"id":101140,"date":"2025-05-11T03:16:14","date_gmt":"2025-05-11T03:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/101140\/"},"modified":"2025-05-11T03:16:14","modified_gmt":"2025-05-11T03:16:14","slug":"wie-lange-kann-ich-hier-bleiben-so-geht-es-jungen-juedischen-menschen-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/101140\/","title":{"rendered":"&#8222;Wie lange kann ich hier bleiben?&#8220;: So geht es jungen j\u00fcdischen Menschen in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/muenchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a><\/strong> &#8211; M\u00fcnchen gilt als weltoffen, als Stadt des Erinnerns. Doch f\u00fcr viele junge j\u00fcdische Menschen ist sie vor allem eine Stadt der Unsicherheit geworden. Eine neue Studie zeigt, wie alltagspr\u00e4gend Antisemitismus heute wieder ist \u2013 und wie tiefgreifend der 7. Oktober 2023 ihre Lebensrealit\u00e4ten ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Studie zu Antisemitismus in M\u00fcnchen vorgestellt<\/p>\n<p>Unter dem Titel &#8222;Zwischen Verstecken und Flagge zeigen&#8220; wurden 35 Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren von einem Forschungsteam der Frankfurt University of Applied Sciences unter der Leitung von Julia Bernstein befragt. Im Zentrum stehen die Erfahrungen mit Antisemitismus vor und nach dem Angriff der <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/hamas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hamas<\/a> auf Israel \u2013 und ihr Umgang mit einem gesellschaftlichen Klima, das viele von ihnen als zunehmend feindselig empfinden. Die Fachstelle f\u00fcr Demokratie hat die Studie in Auftrag gegeben \u2013 die Ergebnisse wurden am Montag im Neuen Rathaus vorgestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/muc_silhouette_short.svg.svg+xml\"\/><\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1559439_artikelbild-75proz_1E6T5j_qnTW7g.jpg\" alt=\"Auch die Holocaust\u00fcberlebende Charlotte Knobloch (2. von rechts) ist bei der Vorstellung der Studie dabei. Anwesend waren auch: Jessica Flaster, Vorsitzende des Verbandes J\u00fcdischer Studenten in Bayern (v.l.), Leiterin der Studie Julia Bernstein, Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle f\u00fcr Demokratie, und B\u00fcrgermeister Dominik Krause (Gr\u00fcne).\" title=\"Auch die Holocaust\u00fcberlebende Charlotte Knobloch (2. von rechts) ist bei der Vorstellung der Studie dabei. Anwesend waren auch: Jessica Flaster, Vorsitzende des Verbandes J\u00fcdischer Studenten in Bayern (v.l.), Leiterin der Studie Julia Bernstein, Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle f\u00fcr Demokratie, und B\u00fcrgermeister Dominik Krause (Gr\u00fcne).\" width=\"609\" height=\"406\"\/><\/p>\n<p>      Auch die Holocaust\u00fcberlebende Charlotte Knobloch (2. von rechts) ist bei der Vorstellung der Studie dabei. Anwesend waren auch: Jessica Flaster, Vorsitzende des Verbandes J\u00fcdischer Studenten in Bayern (v.l.), Leiterin der Studie Julia Bernstein, Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle f\u00fcr Demokratie, und B\u00fcrgermeister Dominik Krause (Gr\u00fcne).<br \/>\n      \u00a9 Daniel Loeper<\/p>\n<p>    Auch die Holocaust\u00fcberlebende Charlotte Knobloch (2. von rechts) ist bei der Vorstellung der Studie dabei. Anwesend waren auch: Jessica Flaster, Vorsitzende des Verbandes J\u00fcdischer Studenten in Bayern (v.l.), Leiterin der Studie Julia Bernstein, Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle f\u00fcr Demokratie, und B\u00fcrgermeister Dominik Krause (Gr\u00fcne).<\/p>\n<p>von Daniel Loeper <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>7. Oktober 2023 markiert Z\u00e4sur<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein vielschichtiges, oft bedr\u00fcckendes Bild. Antisemitismus geh\u00f6rt f\u00fcr viele der Befragten zum Alltag \u2013 nicht nur in Form direkter Anfeindungen, sondern auch als subtile Ausgrenzung oder Schweigen in sozialen und beruflichen Kontexten.<\/p>\n<p>Der 7. Oktober 2023, der Terrorangriff der Hamas auf Israel, markiert dabei eine Z\u00e4sur: &#8222;Viele Interviewte berichten von einem tiefen Bruch, der ihr Vertrauen in die Gesellschaft ersch\u00fcttert hat \u2013 das Sicherheitsgef\u00fchl ist verschwunden, die Sichtbarkeit der eigenen Identit\u00e4t wird zum Risiko&#8220;, so die Soziologin Bernstein. Eine befragte Person sagt, es g\u00e4be seit dem 7. Oktober ein \u201eDavor\u201c und ein \u201eDanach\u201c.\u00a0 Die Reaktionen auf diese Z\u00e4sur reichten von &#8222;R\u00fcckzug und Angst bis zu Wut, Resilienz und einem gest\u00e4rkten j\u00fcdischen Selbstverst\u00e4ndnis&#8220;, so Bernstein.<\/p>\n<p>Junge j\u00fcdische Menschen haben mit Drohungen im Alltag zu k\u00e4mpfen<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Befragte seien die oft verharmlosenden Reaktionen des eigenen Umfelds belastend. &#8222;Oh, hast du das gesehen, was da passiert ist? Ganz, ganz schlimm, aber &#8230;&#8220; So schildert ein Befragter eine Unterhaltung aus seinem Umfeld. &#8222;Dieses Aber war schon am ersten Tag da&#8220;, sagt er. Es war sein erster Arbeitstag nach dem Angriff.<\/p>\n<p>Die Befragten erz\u00e4hlen, dass sie immer wieder mit verharmlosenden Bemerkungen, Relativierungen und teilweise sogar mit Angriffen zu k\u00e4mpfen hatten. Eine Betroffene erz\u00e4hlt von Online-Drohungen, dass man &#8222;sie finden&#8220; w\u00fcrde. Kurz darauf erhielt sie eine Nachricht mit dem Foto ihrer Arbeitsstelle und weitere Drohungen.<\/p>\n<p>Antisemitismus an Schulen und Universit\u00e4ten<\/p>\n<p>Eine weitere Person berichtet von Beleidigungen auf Instagram als &#8222;Kinderm\u00f6rder&#8220; oder &#8222;Teufel&#8220;. Auch am Arbeitsplatz trafen die Interviewten auf judenfeindliche Haltungen. In einem Aufzug stand das Wort &#8222;Jude&#8220;. Es war durchgestrichen.<\/p>\n<p>Betroffene berichten von antisemitischen Stickern an der Universit\u00e4t oder Schmierereien auf Schulb\u00e4nken mit dem Spruch &#8222;Juden sind Schweine&#8220;. &#8222;Es kann nicht sein, dass du aus Israel bist, wir hassen Israel&#8220;, sagt eine Kommilitonin zu einer j\u00fcdischen Studentin.<\/p>\n<p>2024 gab es 1515 antisemitische Vorf\u00e4lle in Bayern<\/p>\n<p>Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Bayern dokumentiert in ihrem Jahresbericht f\u00fcr 2024 im Freistaat 1515 antisemitische Vorf\u00e4lle. Das sind fast doppelt so viele wie 2023 \u2013 da waren es 761. Dabei habe es sich in 80 Prozent aller F\u00e4lle um israelbezogenen Antisemitismus gehandelt.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/politik\/antisemitismus-im-klassenzimmer-was-lehrer-tun-koennen-art-960868\" title=\"Antisemitismus im Klassenzimmer: Was Lehrer tun k\u00f6nnen\" data-mrf-recirculation=\"Artikel-Link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1424877_kampf-gegen-antisemitismus_mehrzumthema_1BQVk2_UDr0tg.jpg\" alt=\"In W\u00fcrzburg lernen Lehramtsstudierende, wie sie mit Antisemitismus im Klassenzimmer umgehen k\u00f6nnen.\" title=\"In W\u00fcrzburg lernen Lehramtsstudierende, wie sie mit Antisemitismus im Klassenzimmer umgehen k\u00f6nnen.\" width=\"696\" height=\"390\"\/><\/a><\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/politik\/antisemitismus-im-klassenzimmer-was-lehrer-tun-koennen-art-960868\" title=\"Antisemitismus im Klassenzimmer: Was Lehrer tun k\u00f6nnen\" data-mrf-recirculation=\"Artikel-Link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antisemitismus im Klassenzimmer: Was Lehrer tun k\u00f6nnen        <\/a><\/p>\n<p>                X<\/p>\n<p>Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugef\u00fcgt. <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/meine-az\/merkliste\/\" title=\"Zur Merkliste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                zur Merkliste<br \/>\n                <\/a>  <\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/muenchen\/an-muenchner-schulen-rechtsextreme-verteilen-flyer-an-schueler-art-1054899\" title=\"An M\u00fcnchner Schulen: Rechtsextreme verteilen Flyer an Sch\u00fcler\" data-mrf-recirculation=\"Artikel-Link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1559323_gegen-rechts-und-nazis_mehrzumthema_1E6Qg7_iHH9WK.jpg\" alt=\"Gegen Nazis? An M\u00fcnchner Schulen werben Rechtsextreme mit einer Flyer-Aktion um Nachwuchs. Die Polizei spricht von sieben Einrichtungen.\" title=\"Gegen Nazis? An M\u00fcnchner Schulen werben Rechtsextreme mit einer Flyer-Aktion um Nachwuchs. Die Polizei spricht von sieben Einrichtungen.\" width=\"696\" height=\"390\"\/><\/a><\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/muenchen\/an-muenchner-schulen-rechtsextreme-verteilen-flyer-an-schueler-art-1054899\" title=\"An M\u00fcnchner Schulen: Rechtsextreme verteilen Flyer an Sch\u00fcler\" data-mrf-recirculation=\"Artikel-Link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">An M\u00fcnchner Schulen: Rechtsextreme verteilen Flyer an Sch\u00fcler        <\/a><\/p>\n<p>              <img decoding=\"async\" alt=\"AZ-Plus\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/badge-azplus.svg.svg+xml\"\/>                <\/p>\n<p>                X<\/p>\n<p>Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugef\u00fcgt. <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/meine-az\/merkliste\/\" title=\"Zur Merkliste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                zur Merkliste<br \/>\n                <\/a>  <\/p>\n<p>&#8222;Kann ich hier bleiben und wie lange noch?&#8220;<\/p>\n<p>In nahezu allen Interviews der Studie wird eine tiefe Verunsicherung im Hinblick auf die Zukunft deutlich. Keiner der befragten M\u00fcnchner k\u00f6nne sich eine sorglose Zukunft vorstellen, in der j\u00fcdische Identit\u00e4t offen gelebt werden kann. F\u00fcr viele stellt sich die Frage: &#8222;Kann ich hier bleiben und wie lange noch so?&#8220;<\/p>\n<p>Die Studie zeigt auch: Antisemitismus passiert nicht nur bei gro\u00dfen Vorf\u00e4llen, sondern auch in den kleinen, allt\u00e4glichen Momenten \u2013 durch Worte, Verhalten oder das vage Gef\u00fchl, nicht dazuzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das w\u00fcnschen sich j\u00fcdische Menschen in M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Als Lichtblick wird von vielen Befragten die \u00f6ffentliche Solidarit\u00e4tsbekundung der Stadt M\u00fcnchen wahrgenommen. Trotzdem bleibe der Wunsch nach tiefergreifenden Ma\u00dfnahmen bestehen. &#8222;Was die Befragten sich w\u00fcnschen, ist klar: mehr Empathie, ein fundierteres gesellschaftliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Antisemitismus in seinen vielf\u00e4ltigen Formen \u2013 besonders in Bezug auf Israel \u2013 sowie sichtbare und glaubw\u00fcrdige Solidarit\u00e4t bei konkreten Vorf\u00e4llen&#8220;, sagt Julia Bernstein.<\/p>\n<p>Zweiter B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/person\/dominik-krause\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dominik Krause<\/a> (Gr\u00fcne) erg\u00e4nzt: &#8222;Die Stadt M\u00fcnchen f\u00fchlt sich der Sichtbarkeit und Sicherheit j\u00fcdischen Lebens in besonderem Ma\u00dfe verpflichtet. Wir werden Antisemitismus \u2013 egal, in welcher Form er auftritt \u2013 auch weiterhin geschlossen und entschieden entgegentreten.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen &#8211; M\u00fcnchen gilt als weltoffen, als Stadt des Erinnerns. Doch f\u00fcr viele junge j\u00fcdische Menschen ist sie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":101141,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[712,772,29,40299,30,411,1597,1268,2218,40298,40297,11748],"class_list":{"0":"post-101140","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-antisemitismus","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-fachstelle-fuer-demokratie","12":"tag-germany","13":"tag-israel","14":"tag-juden","15":"tag-muenchen","16":"tag-rathaus","17":"tag-rias","18":"tag-soziologie","19":"tag-studie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114487033055462433","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101141"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}