{"id":1012085,"date":"2026-05-12T00:09:16","date_gmt":"2026-05-12T00:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012085\/"},"modified":"2026-05-12T00:09:16","modified_gmt":"2026-05-12T00:09:16","slug":"dresden-hamburg-wenn-der-beruf-die-psyche-fordert-was-beim-abschalten-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012085\/","title":{"rendered":"Dresden\/Hamburg | Wenn der Beruf die Psyche fordert: Was beim Abschalten hilft"},"content":{"rendered":"<p>Dresden\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Eine Pflegekraft h\u00e4lt die Hand eines Sterbenden. Eine Polizistin wird bei einem Einsatz angespuckt. Ein Rettungssanit\u00e4ter kann ein Kind nicht retten. Manche Berufe fordern mehr als Fachwissen \u2013 sie fordern die Psyche. Das Erlebte gedanklich mit nach Hause zu nehmen, kann aber ernsthafte Folgen f\u00fcr die Gesundheit haben. Wie l\u00e4sst sich das verhindern? Antworten auf wichtige Fragen.\u00a0<\/p>\n<p>Welche Berufe gelten als emotional belastend?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs sind Berufe, in denen man sehr viel Kontakt mit anderen Menschen hat \u2013 aber nicht als Kollegen, sondern als Dienstleistende\u00bb, sagt Johannes Wendsche, Diplom-Psychologe bei der Bundesanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Das betrifft Jobs etwa in der Pflege, im Rettungsdienst oder bei Polizei und Justiz, aber auch T\u00e4tigkeiten im Kundenservice.\u00a0<\/p>\n<p>Die emotionale Belastung entsteht laut Wendsche, wenn Arbeitnehmende mit dem Leid anderer konfrontiert sind \u2013 etwa nach einem Unfall oder im Umgang mit kranken und hilfebed\u00fcrftigen Menschen. Stark belastend kann es aber auch sein, wenn Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleute Bel\u00e4stigung erfahren \u2013 etwa durch Anspucken. Oder Gewalt in Form von Tritten und Schl\u00e4gen.<\/p>\n<p>Was erh\u00f6ht den Druck zus\u00e4tzlich?<\/p>\n<p>Herausfordernde Bedingungen wie Unterbesetzung und \u00dcberstunden k\u00f6nnen den Druck verst\u00e4rken. \u00abDie teils enorme Anspannung entsteht, wenn Besch\u00e4ftigte den Eindruck haben, dass sie angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen die Qualit\u00e4t ihrer Arbeit nicht gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen\u00bb, sagt Sabine Gregersen, Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Berufsgenossenschaft f\u00fcr Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).<\/p>\n<p>\u00abEs kann aber auch emotional sehr belastend sein, wenn Besch\u00e4ftigte im Job ihre Gef\u00fchle unterdr\u00fccken m\u00fcssen\u00bb, so Wendsche. Ein Kontrolleur in der Bahn m\u00fcsse immer freundlich und gelassen bleiben, obgleich er innerlich vor Wut kocht \u00fcber einen Fahrgast, der ihn grob beschimpft und beleidigt hat.<\/p>\n<p>Woran erkennt man, dass es zu viel wird?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abTypisch sind Gr\u00fcbelschleifen\u00bb, sagt Wendsche. Die Gedanken drehen sich um Erlebnisse bei der Arbeit, kehren immer wieder. Ein weiteres Signal k\u00f6nnen Schlafprobleme sein. Betroffene h\u00e4tten Probleme, ein- oder durchzuschlafen. Andere reagieren dauerhaft gereizt oder ziehen sich im privaten Umfeld zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00abManche vernachl\u00e4ssigen auch Hobbys, haben Stimmungsschwankungen oder f\u00fchlten sich innerlich leer\u00bb, z\u00e4hlt Gregersen weitere m\u00f6gliche Signale f\u00fcr \u00dcberlastung im Beruf auf. Darauf k\u00f6nnten auch Konzentrationsst\u00f6rungen oder eine verminderte Leistungsf\u00e4higkeit hindeuten. \u00abSolche Warnsignale sollten Betroffene ernst nehmen\u00bb, sagt Wendsche.<\/p>\n<p>Warum ist Abgrenzung so wichtig?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abNat\u00fcrlich ist es in emotional belasteten Berufen h\u00e4ufig wichtig, Empathie zu zeigen, also mit anderen mitzuf\u00fchlen\u00bb, sagt Gregersen. Ebenso wichtig sei aber, sich abzugrenzen \u2013 also nicht mitzuleiden. Denn das ziehe einen mental nach unten. Die Folgen k\u00f6nnen etwa Ersch\u00f6pfung, Lustlosigkeit oder Burn-out sein.\u00a0<\/p>\n<p>Um das zu verhindern, m\u00fcssen Besch\u00e4ftigte auch lernen, zu erkennen, wo die eigene Verantwortung endet und die des anderen beginnt. \u00abDie Abgrenzung ist zentral, damit Erholung stattfinden kann\u00bb, sagt Wendsche. Nur so k\u00f6nnten Besch\u00e4ftigte den n\u00e4chsten Arbeitstag mit neuer Energie angehen.<\/p>\n<p>Was hilft beim Abgrenzen und Abschalten?<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigte in einem emotional belastenden Beruf sollten nach der Arbeit m\u00f6glichst einen klaren Schlussstrich unter den Joballtag ziehen. \u00abManchen hilft es schon, die Dienstkleidung abzulegen und Alltagskleidung anzuziehen\u00bb, sagt Gregersen. Andere Optionen: Nach der Arbeit Spazierengehen und bewusst die Natur erleben. Oder Sport treiben: K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t hilft dabei, Stresshormone abzubauen.<\/p>\n<p>Auch mentale Techniken k\u00f6nnen helfen. Zum Beispiel, indem man im Bus oder in der Bahn belastende Gedanken aufschreibt und sie in einem Tagebuch mit Verschluss quasi \u00abeinschlie\u00dft\u00bb, wie Wendsche vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wie viel Austausch nach der Arbeit tut gut?<\/p>\n<p>\u00abGespr\u00e4che nach der Arbeit \u00fcber Erlebtes im Job k\u00f6nnen Betroffene enorm entlasten\u00bb, so Wendsche. Oft sorge Reden daf\u00fcr, dass sich angestaute Emotionen l\u00f6sen und Gedanken sich ordnen.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig seien Gespr\u00e4chspartner, die gut zuh\u00f6ren und Anteilnahme zeigen, ohne zu bewerten. \u00abIdeal ist es, wenn der Austausch einem guttut und Unterst\u00fctzung bietet\u00bb, so Wendsche. Wer sich nach solchen Gespr\u00e4chen energielos f\u00fchlt, sollte besser auf andere Strategien setzen.\u00a0<\/p>\n<p>Und: Auch wer zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, kann sich austauschen. \u00abIn aller Regel ist es m\u00f6glich, ein Erlebnis anonymisiert zu erz\u00e4hlen, also, ohne dass die Gegenseite R\u00fcckschl\u00fcsse auf eine bestimmte Person ziehen kann\u00bb, so der Psychologe.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen Team und Arbeitgeber tun?<\/p>\n<p>\u00abWichtig ist eine offene Gespr\u00e4chskultur\u00bb, sagt Gregersen. Im Team m\u00fcsse es m\u00f6glich sein, Belastungen offen anzusprechen, ohne sich S\u00e4tze anh\u00f6ren zu m\u00fcssen wie \u00abDas geh\u00f6rt zum Job dazu\u00bb oder \u00abAch, du bist eine Memme\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs ist weder eine Schw\u00e4che noch Unprofessionalit\u00e4t, wenn jemand sagt, dass er zu stark belastet mit der Arbeit ist und damit nicht klarkommt, sondern eine normale Reaktion\u00bb, so Gregersen.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssten f\u00fcr klare Grenzen sorgen und etwa \u00dcberstunden begrenzen. Ist ein Team unterbesetzt, sollte die Leitungsebene gemeinsam mit dem Team eine Priorit\u00e4tenliste erstellen, welche Aufgaben in jedem Fall zu erledigen sind. Zudem sollten F\u00fchrungskr\u00e4fte mit jedem Teammitglied regelm\u00e4\u00dfig im Austausch bleiben \u2013 idealerweise viertelj\u00e4hrlich. So lassen sich Stressfaktoren identifizieren sowie Arbeitsabl\u00e4ufe optimieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dresden\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Eine Pflegekraft h\u00e4lt die Hand eines Sterbenden. Eine Polizistin wird bei einem Einsatz angespuckt. 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