{"id":1012247,"date":"2026-05-12T01:44:14","date_gmt":"2026-05-12T01:44:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012247\/"},"modified":"2026-05-12T01:44:14","modified_gmt":"2026-05-12T01:44:14","slug":"ehe-aus-mit-30-scheidung-machte-mich-staerker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012247\/","title":{"rendered":"Ehe-Aus mit 30: \u201eScheidung machte mich st\u00e4rker\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eMich hat die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Scheidung\" title=\"Scheidung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Scheidung<\/a> selbstbestimmter, selbstbewusster und st\u00e4rker gemacht\u201c, fasst es Sofia zusammen. Die junge Stuttgarterin ist Anfang 30, als sie und ihr damaliger Mann beschlie\u00dfen, sich nach nur einem Jahr <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Ehe\" title=\"Ehe\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ehe<\/a> wieder scheiden zu lassen. Was dann aus dem n\u00e4chsten Umfeld der beiden folgt, beschreibt Sofia mit: \u201eDrama 1000. Schuldzuweisungen, Anschuldigungen, Unverst\u00e4ndnis.\u201c Ihr wurde gesagt, sie w\u00fcrde zu viel vom Leben erwarten und wenn sich das nicht \u00e4ndern w\u00fcrde, w\u00fcrde sie einsam sterben. \u201eDen Satz werde ich nie vergessen. Menschen k\u00f6nnen so garstig und verletzend sein, selbst wenn es daf\u00fcr keinen Grund gibt. Das ist mein Leben und ich kann es gestalten wie ich will\u201c, sagt die junge Frau heute selbstbewusst.<\/p>\n<p>Auf drei Hochzeiten kommt eine Scheidung <\/p>\n<p>Wie f\u00fchlt es sich an, geschieden zu sein, w\u00e4hrend die meisten noch nicht einmal Ja gesagt haben? Mit Anfang 20 zu heiraten, das war vor einigen Jahrzehnten noch ganz \u00fcblich. Im Gegensatz zu heute, wo das durchschnittliche Heiratsalter bei Frauen bei 32,3 Jahren liegt. M\u00e4nner heiraten im Durchschnitt mit knapp 34,8 Jahren. Und auch bei der Scheidung sind Frauen mit 44,7 Jahren im Durchschnitt etwas j\u00fcnger als M\u00e4nner, deren durchschnittliches Alter 2022 bei 47,8 Jahren lag. Noch mehr Zahlen gef\u00e4llig? Im Jahr 2022 betrug die Scheidungsrate in Deutschland etwa 35,5 Prozent. Auf drei Hochzeiten kam damit rechnerisch eine Scheidung. Die Dauer der Ehen unterscheidet sich dabei ziemlich stark: Im Jahr 2022 betrug sie durchschnittlich rund 15,1 Jahre.<\/p>\n<p>Die meisten Scheidungen wurden von Paaren vollzogen, die mehr als 26 Jahre miteinander verheiratet waren \u2013 h\u00e4lt eine Ehe also nur kurz , staunt das Umfeld meist sehr, wenn es zur <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Trennung\" title=\"Trennung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trennung<\/a> kommt. So auch bei Sofia. \u201eEine Kollegin hat mich gefragt, wie es sich anf\u00fchlen w\u00fcrde versagt zu haben und gescheitert zu sein. Das fand ich sehr sinnbildlich f\u00fcr die gesellschaftliche Wahrnehmung. Man scheitert nicht als Mensch, sondern die Beziehung scheitert.\u201c<\/p>\n<p>Sie und ihr Ex-Mann waren ein Jahr verheiratet. Anschlie\u00dfend kam das Pflicht-Wartejahr und dann die Scheidung. \u201eIn der Retrospektive h\u00e4tten wir nie heiraten d\u00fcrfen. Ich war sehr unreflektiert und hatte mich nie damit auseinandergesetzt, was die Gesellschaft von einem erwartet und ob ich das wirklich will. Single sein wird d\u00e4monisiert und heiraten romantisiert\u201c, sagt die blonde Stuttgarterin.<\/p>\n<p>Heiraten, weil es alle von einem erwarten <\/p>\n<p>Vor der Hochzeit waren die beiden sieben Jahre ein Paar und es schien der logische n\u00e4chste Schritt zu sein. \u201eWeil man das eben so macht\u201c, sagt Sofia lachend. Die beiden wurden st\u00e4ndig gefragt , wann es bei ihnen so weit sein w\u00fcrde. Dann kam der Antrag, den die 34-J\u00e4hrige unpers\u00f6nlich fand \u2013 dann aber trotzdem ja gesagt hat, obwohl sie Zweifel hatte. \u201e Alle anderen haben auf meine Zweifel reagiert, als sei ich verr\u00fcckt, also habe ich es durchgezogen\u201c, erz\u00e4hlt die junge Frau. Die Vorstellung, f\u00fcr immer in einem spie\u00dfigen Leben gefangen zu sein, versetzte sie aber in Panik. Als sie ihre \u00c4ngste und W\u00fcnsche \u00e4u\u00dferte, wurde ihr gesagt, sie solle pflanzliche Antidepressiva nehmen. \u201eDa war mir klar, dass sich nichts \u00e4ndern wird, also habe ich mich getrennt\u201c, sagt Sofia, die ihre Entscheidung nie bereut hat.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr immer?\u201c <\/p>\n<p>Die Angst, im falschen Leben festzustecken, hatte Oli nie. Seine ehemalige Partnerin lernte der Stuttgarter Ingenieur bereits auf der Schule kennen. \u201eWir waren beide im gleichen Leistungskurs und merkten schnell, dass da mehr war\u201c, erz\u00e4hlt der 30-J\u00e4hrige, der seit zwei Jahren wieder geschieden ist. Die beiden machen Abi, teilen sich ein WG-Zimmer, dann kommt die erste gemeinsame Wohnung, Jobs, Praktika, die erste Festanstellung \u2013 und auch die Frage: Wie machen wir eigentlich weiter? \u201eEs gab nicht wirklich Druck, aber von unseren Familien kam schon oft die Frage, wie lang wir noch in wilder Ehe leben wollen. Wir seien doch f\u00fcreinander bestimmt\u201c, erz\u00e4hlt Oli von den famili\u00e4ren Ansprachen zu Weihnachten und dem subtilen Druck, den sie erzeugt hatten.<\/p>\n<p>Im Urlaub macht Oli seiner Freundin dann den Antrag, alle sind begeistert und planen die Hochzeit auf einem Weingut in der N\u00e4he der Eltern. \u201eAnfangs lief alles noch gut, wir kannten uns ja in- und auswendig und ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass sie etwas anderes will als ich \u2013 beziehungsweise mich\u201c, erz\u00e4hlt der junge Mann. Doch dann kam die Planung des gro\u00dfen Tages und etwas mehr Stress, als der Beziehung gut tat. Seine Ex-Partnerin trat zur gleichen Zeit eine neue Stelle an, die von ihr viel Einsatz forderte.<\/p>\n<p> \u201eIch war fassungslos\u201c <\/p>\n<p>Als die Hochzeit dann endlich rum war, und Ruhe einkehren sollte, wurde es noch stressiger. \u201eSie machte st\u00e4ndig \u00dcberstunden, hatte kaum noch Freizeit und war irgendwie ver\u00e4ndert\u201c, erinnert sich Oli. Dass der Grund f\u00fcr die langen B\u00fcrotage eigentlich ein Kollege war, konnte der Ingenieur nicht ahnen. Etwa sieben Monate nach dem Beginn der Aff\u00e4re beichtet seine Frau ihm von dem anderen. \u201eIch war fassungslos\u201c, berichtet Oli und sagt, dass er seiner Partnerin nach den ersten Schrecksekunden schon verziehen hatte. Dass sie die Trennung wollte, entsetzte den 30-J\u00e4hrigen umso mehr.<\/p>\n<p>Olis Umfeld reagiert zuerst ungl\u00e4ubig, dann w\u00fctend. So kurz nach der Hochzeit trennt man sich doch nicht, sagen seine Eltern. Seine Freund:innen und die Trauzeugen brechen sogar den Kontakt mit seiner Ex-Partnerin ab. \u201eAlle waren sauer auf sie\u201c, erinnert er sich. Und er selbst? \u201eIch stand unter Schock, konnte nicht schlafen, nicht essen, mir gingen tausend Gedanken durch den Kopf.\u201c Die Zeit danach mit dem Trennungsjahr und der endg\u00fcltigen Scheidung erlebt er wie in einem Film. \u201eAlles lief einfach so ab, ich musste funktionieren und konnte eigentlich nur auf das, was mir angetan wurde, reagieren.\u201c Mit seiner Ex hat er heute keinen Kontakt mehr.<\/p>\n<p> Wie eine normale Trennung \u2013 nur mit mehr Papierkram? <\/p>\n<p>Anders als Oli erlebte Sofia die Zeit nach der Trennung. \u201eF\u00fcr mich pers\u00f6nlich war die Zeit nach der Scheidung gar nicht schlimm. Es ist eine ganz normale Trennung, wie jede andere auch, nur mit mehr Papierkram\u201c, sagt die Stuttgarterin, die genauso wie ihr Ex wieder verheiratet ist. \u201eMein Ex-Mann hat seit letzten Herbst auch einen Sohn. Ich g\u00f6nne ihm das sehr, dieses Leben h\u00e4tte ich nie f\u00fchren wollen und so haben wir beide genau das, was uns gl\u00fccklich macht\u201c, sagt Sofia.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist es ihr egal, erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, dass sie schon mal verheiratet war. Irgendwann habe sie verstanden, dass sie sich vor niemandem rechtfertigen muss und es ihr auch egal sein kann, was Menschen von ihr denken, sagt Sofia. Dass Menschen durch Druck von au\u00dfen l\u00e4nger in ungesunden Beziehungen bleiben als n\u00f6tig, findet sie bescheuert. \u201eManche Trennung sollte man feiern, statt mit dem Finger darauf zu zeigen.\u201c Sporadisch hat sie noch Kontakt zu ihrem ehemaligen Mann, aber nur dann, wenn es notwendig ist und man alte Sachen im Keller findet. \u201eMein Ex m\u00f6chte das nicht, weil es alte Wunden aufrei\u00dfen w\u00fcrde, was ich schade finde, aber respektiere.\u201c<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel erschien erstmals 2024 und wurde im Mai 2026 aktualisiert.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eMich hat die Scheidung selbstbestimmter, selbstbewusster und st\u00e4rker gemacht\u201c, fasst es Sofia zusammen. 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