{"id":1012930,"date":"2026-05-12T08:11:14","date_gmt":"2026-05-12T08:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012930\/"},"modified":"2026-05-12T08:11:14","modified_gmt":"2026-05-12T08:11:14","slug":"eu-einigung-mehr-wichtige-medikamente-in-europa-herstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1012930\/","title":{"rendered":"EU-Einigung: Mehr wichtige Medikamente in Europa herstellen"},"content":{"rendered":"<p>Die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europ\u00e4ische-union\/t-17281096\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Union<\/a> reagiert auf die wiederkehrenden Engp\u00e4sse bei lebenswichtigen Medikamenten mit einem umfassenden Ma\u00dfnahmenpaket. Unterh\u00e4ndler des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europaparlament\/t-17523429\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a> und der EU-Mitgliedstaaten haben sich in Br\u00fcssel auf neue Regeln geeinigt, die die Versorgungssicherheit bei kritischen Arzneimitteln verbessern und Europas Abh\u00e4ngigkeit von Herstellern au\u00dferhalb der EU verringern sollen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht dabei eine st\u00e4rkere F\u00f6rderung der europ\u00e4ischen Arzneimittelproduktion. K\u00fcnftig sollen \u00f6ffentliche Gelder gezielt eingesetzt werden k\u00f6nnen, um Produktionskapazit\u00e4ten innerhalb der EU aufzubauen oder auszubauen. Gleichzeitig wollen die Mitgliedstaaten ihre Beschaffungspolitik st\u00e4rker auf europ\u00e4ische Hersteller ausrichten.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser der Reform sind die teils dramatischen Lieferschwierigkeiten der vergangenen Jahre. In Apotheken fehlten zeitweise unter anderem Antibiotika, Schmerzmittel oder Fiebers\u00e4fte f\u00fcr Kinder. Nach Angaben der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/eu-kommission\/t-67815475\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Kommission<\/a> wurden mehr als die H\u00e4lfte aller gemeldeten Medikamentenengp\u00e4sse durch Probleme in der Produktion verursacht, etwa durch fehlende Wirkstoffe oder Produktionsausf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Der zyprische Gesundheitsminister Neophytos Charalambides, dessen Land derzeit die rotierende EU-Ratspr\u00e4sidentschaft innehat, erkl\u00e4rte: &#8222;Die Patienten sollten sich keine Sorgen dar\u00fcber machen m\u00fcssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verf\u00fcgbar sind.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Buy European&#8220; bei wichtigen Arzneimitteln<\/p>\n<p>Ein zentraler Bestandteil der neuen Regeln betrifft \u00f6ffentliche Ausschreibungen. Bei kritischen Medikamenten, deren Versorgung stark von einzelnen Drittstaaten abh\u00e4ngt, sollen k\u00fcnftig Arzneimittel bevorzugt werden, die in Europa hergestellt werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sieht die Einigung mehrere flexible Instrumente vor. So sollen Anbieter unter anderem entsprechend dem Anteil ihrer in der EU produzierten Medikamente und Wirkstoffe besser verg\u00fctet werden. Ziel ist es, Lieferketten breiter aufzustellen und die Produktion wieder st\u00e4rker nach Europa zu verlagern.<\/p>\n<p>Die neuen Vorgaben gelten insbesondere f\u00fcr sogenannte kritische Arzneimittel. Dazu z\u00e4hlen laut EU unter anderem Antibiotika, Insulin, Impfstoffe sowie Medikamente gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Leiden. Auch Arzneimittel f\u00fcr seltene Krankheiten, sogenannte Orphan Drugs, sollen von den Ma\u00dfnahmen profitieren.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"77128152\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/77128152_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"EU-Abgeordneter Tomislav Sokol\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>EU-Abgeordneter Tomislav Sokol: &#8222;Wir st\u00e4rken Europas Widerstandsf\u00e4higkeit&#8220;Bild: Dwi Anoraganingrum\/Panama Pictures\/IMAGO<\/p>\n<p>Der Berichterstatter des Europ\u00e4ischen Parlaments, der kroatische konservative Abgeordnete Tomislav Sokol, sprach von einem wichtigen Schritt f\u00fcr die europ\u00e4ische Gesundheitsversorgung: &#8222;Durch die heutige Einigung stellen wir die Interessen der Patienten klar in den Mittelpunkt, st\u00e4rken Europas Widerstandsf\u00e4higkeit und erh\u00f6hen die Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Pharmasektors.&#8220;<\/p>\n<p>Schnellere Genehmigungen und F\u00f6rdermittel<\/p>\n<p>Besondere Bedeutung erhalten sogenannte strategische Projekte. Dabei handelt es sich um Industrievorhaben innerhalb der EU, mit denen Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr kritische Medikamente geschaffen, modernisiert oder erweitert werden sollen.<\/p>\n<p>Unternehmen, die daf\u00fcr nationale oder europ\u00e4ische F\u00f6rdermittel erhalten, m\u00fcssen bestimmte Auflagen erf\u00fcllen. Dazu geh\u00f6rt insbesondere, die Versorgung des EU-Marktes zu priorisieren. Im Gegenzug sollen die Projekte schneller genehmigt werden und leichter Zugang zu Finanzhilfen erhalten.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"77128182\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/77128182_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"EU-Abgeordneter Adam Jarubas\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>EU-Abgeordneter Adam Jarubas: &#8222;Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Reindustrialisierung und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU&#8220;Bild: Wiktor Dabkowski\/ZUMA\/IMAGO<\/p>\n<p>Nach Ansicht des Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Europaparlament, Adam Jarubas, ist das Gesetz ein wichtiger Bestandteil der europ\u00e4ischen Gesundheitsstrategie. &#8222;Der Critical Medicines Act schlie\u00dft eine wichtige L\u00fccke in der europ\u00e4ischen Antwort auf Arzneimittelengp\u00e4sse&#8220;, sagte der polnische Politiker. Zugleich sei das Vorhaben &#8222;eine wesentliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Reindustrialisierung und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU&#8220;.<\/p>\n<p>Gemeinsame Eink\u00e4ufe durch mehrere Staaten<\/p>\n<p>Ein weiterer Baustein der Reform ist die st\u00e4rkere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Beschaffung von Medikamenten. K\u00fcnftig soll die EU-Kommission verpflichtet werden, gemeinsame Einkaufsverfahren einzuleiten, wenn mindestens f\u00fcnf Mitgliedstaaten dies verlangen. Auch auf eigene Initiative kann die Kommission L\u00e4nder zu gemeinsamen Beschaffungen zusammenbringen.<\/p>\n<p>Vor allem bei Medikamenten f\u00fcr seltene Erkrankungen soll dies helfen, Versorgungsl\u00fccken zu schlie\u00dfen. Nach Einsch\u00e4tzung der EU-Kommission versagt in diesem Bereich h\u00e4ufig der Markt, weil die Nachfrage in einzelnen L\u00e4ndern zu gering ist.<\/p>\n<p>Europa weiterhin stark abh\u00e4ngig von Asien<\/p>\n<p>Hintergrund der Initiative ist die hohe Abh\u00e4ngigkeit Europas von asiatischen Produktionsstandorten. Nach Angaben von EU-Gesundheitsministern stammen rund 80 bis 90 Prozent der in Europa verwendeten Medikamente aus Asien, insbesondere aus <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/china\/t-17281386\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a>. Die Corona-Pandemie hatte die Schw\u00e4chen dieser globalen Lieferketten deutlich offengelegt.<\/p>\n<p>Mit dem neuen Gesetzespaket verfolgt die EU deshalb nicht nur gesundheitspolitische Ziele, sondern auch industriepolitische. Der Pharmasektor besch\u00e4ftigt nach Angaben der Kommission bereits heute rund 800.000 Menschen in Europa.<\/p>\n<p>Bevor die neuen Regeln in Kraft treten k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie noch formal vom Europ\u00e4ischen Parlament und den Mitgliedstaaten best\u00e4tigt werden. Nach der Einigung der Unterh\u00e4ndler gilt das jedoch als wahrscheinlich.<\/p>\n<p>pgr\/wa (dpa,\u00a0europarl.europa.eu)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Europ\u00e4ische Union reagiert auf die wiederkehrenden Engp\u00e4sse bei lebenswichtigen Medikamenten mit einem umfassenden Ma\u00dfnahmenpaket. 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