{"id":101310,"date":"2025-05-11T04:55:09","date_gmt":"2025-05-11T04:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/101310\/"},"modified":"2025-05-11T04:55:09","modified_gmt":"2025-05-11T04:55:09","slug":"schlafmangel-bringt-den-stoffwechsel-auf-zellebene-durcheinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/101310\/","title":{"rendered":"Schlafmangel bringt den Stoffwechsel auf Zellebene durcheinander"},"content":{"rendered":"<p>  Was passiert in unserem K\u00f6rper, wenn wir zu wenig schlafen? <\/p>\n<p class=\"headline__lead\">Schlafmangel bringt den ganzen Stoffwechsel durcheinander. Welche Folgen das f\u00fcr die Gesundheit hat, legt ein US-Forschungsteam in einer neuen Studie dar.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Einschlaf- und Durchschlafst\u00f6rungen betreffen jede dritte Person in der Schweiz.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5633\" height=\"3755\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/16d3a39d-9181-424c-951d-866713a02429.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>   Einschlaf- und Durchschlafst\u00f6rungen betreffen jede dritte Person in der Schweiz. <\/p>\n<p>Symbolbild: Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi93p861\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text\">Wer zu wenig schl\u00e4ft, f\u00fchlt sich miserabel. Schlafmangel schl\u00e4gt auf die Stimmung, schw\u00e4cht das Ged\u00e4chtnis, mindert die Konzentration, erschwert das Lernen. Er beg\u00fcnstigt \u00dcbergewicht, f\u00f6rdert Entz\u00fcndungen, erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganf\u00e4lle oder Herzinfarkte. Manche Forschende vermuten sogar einen Zusammenhang mit Demenz und Parkinson.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpi0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Ein Team um Jennifer Tudor, Biologieprofessorin an der Saint Joseph&#8217;s University in den USA, hat all diese bekannten Folgen aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Im Fachmagazin \u00abScience Signaling\u00bb berichten die Forschenden, was Schlafmangel auf zellul\u00e4rer Ebene ausl\u00f6st und wie sich die Kommunikation zwischen den Zellen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>K\u00f6rperzellen laufen auf Sparflamme<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpn0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Schon vor \u00fcber dreissig Jahren stellten Fachleute die Hypothese auf, dass Zellen bei Schlafmangel in eine Art Energiekrise geraten und in den Sparmodus schalten. Tats\u00e4chlich l\u00e4uft das Gehirn im Wachzustand auf Hochtouren und verbraucht viel Energie. Der Schlaf dient als Ladepause: Der K\u00f6rper tankt Energie, reguliert Entz\u00fcndungen, st\u00e4rkt das Immunsystem, st\u00f6sst Reparaturprozesse an. Bleibt diese Regenerationsphase aus, stellt der K\u00f6rper auf Notbetrieb um. Komplexere Aufgaben bleiben liegen, der Hormon- und Energiehaushalt ger\u00e4t aus dem Takt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Schon eine einzige Nacht mit zu wenig Schlaf reicht aus, um messbare Effekte hervorzurufen: Schlaflaborstudien zeigen, dass man bei Schlafmangel mehr Appetit und Hunger hat. Denn das Hungerhormon Ghrelin wird vermehrt ausgesch\u00fcttet, das S\u00e4ttigungshormon Leptin gehemmt. Zudem ger\u00e4t der Fettstoffwechsel durcheinander, wodurch Entz\u00fcndungsstoffe im Blut zunehmen, was Blutgef\u00e4sse langfristig sch\u00e4digt. Ausserdem reagieren K\u00f6rperzellen nach nur einer Nacht schlechten Schlafs weniger empfindlich auf Insulin.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpr0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">F\u00fcr Jennifer Tudor und ihr Team ist klar: Schlafmangel ist eine Stoffwechselst\u00f6rung \u2013 mit \u00e4hnlichen gesundheitlichen Folgen wie bei einem metabolischen Syndrom oder Diabetes.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vps0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">\u00abDas ist eine spannende Perspektive\u00bb, sagt Christine Blume, Psychologin, Schlafforscherin und -therapeutin an der Universit\u00e4t Basel. Doch sie merkt an: Viele Studien, auf die sich Tudor und ihre Kollegen st\u00fctzen, seien an M\u00e4usen durchgef\u00fchrt worden. \u00abEinige Ergebnisse lassen sich sicher auf den Menschen \u00fcbertragen \u2013 aber unklar bleibt, bis zu welchem Grad das m\u00f6glich ist.\u00bb So verlieren M\u00e4use bei Schlafmangel Gewicht, Menschen hingegen nehmen eher zu. Auch der Bewegungsdrang verhalte sich umgekehrt: M\u00e4use werden aktiver, Menschen oft tr\u00e4ger.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Dr. Christine BlumeSchlafforscherin\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"748\" height=\"748\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>   <strong>Dr. Christine Blume<br \/><\/strong>Schlafforscherin <\/p>\n<p>Bild: zvg<\/p>\n<p> Kausalit\u00e4t ist oft unklar<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpu0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Hinzu kommt, dass Menschen nicht im K\u00e4fig oder in einem Schlaflabor leben. Und Schlafmangel wirkt sich nicht nur auf den Stoffwechsel aus, sondern auch auf das Verhalten: Wer zu wenig schl\u00e4ft, greift zu mehr, vor allem zu kalorienreichem Essen. \u00abDie Stoffwechselver\u00e4nderungen sind also teils biologisch bedingt, teils durch das Verhalten\u00bb, sagt Blume.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vpv0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Was die Forschung zus\u00e4tzlich erschwert: Ursache und Wirkung sind schwer zu trennen. F\u00fchrt schlechter Schlaf zu Depression \u2013 oder ist es umgekehrt? Sind Schlafprobleme ein Vorbote von Demenz \u2013 oder ein Mitverursacher? Wahrscheinlich ist es immer eine Mischung von beidem.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vq00\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Klar ist hingegen: Die Zahl der Menschen mit Schlafst\u00f6rungen nimmt in der Schweiz laut Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) zu. Rund ein Drittel der Bev\u00f6lkerung leidet darunter. Besonders stark betroffen sind junge Frauen. Zwischen 1997 und 2022 hat sich die H\u00e4ufigkeit krankhafter Schlafst\u00f6rungen bei ihnen von 3 auf 8 Prozent fast verdreifacht.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vq10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Woran das liegt, ist nicht abschliessend gekl\u00e4rt. Zumindest zeigt die Statistik des BFS, dass Personen, die mehr als zwei Stunden t\u00e4glich vor Bildschirmen verbringen, h\u00e4ufiger unter Schlafst\u00f6rungen leiden. M\u00f6glich ist, dass der damit einhergehende Bewegungsmangel, die st\u00e4ndige Erreichbarkeit, der ununterbrochene Nachrichtenfluss, insbesondere von schlechten Nachrichten, sich auf den Schlaf auswirken.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vq30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Christine Blume vermutet noch einen weiteren Grund: eine gestiegene Sensibilit\u00e4t. \u00abBetroffene suchen heute wom\u00f6glich schneller Hilfe.\u00bb Was an sich erfreulich sei. Wenn es nur gen\u00fcgend Angebote g\u00e4be. Derzeit mangele es an Fachpersonen.<\/p>\n<p>Besser schlafen dank Schlaf-Apps<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi97auf1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">In Deutschland k\u00f6nnen sich Patientinnen und Patienten inzwischen eine Schlaftherapie-App verschreiben lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen \u00fcbernehmen die Kosten. \u00abEs gibt gepr\u00fcfte Apps, mit denen sich in Studien \u00e4hnlich gute Erfolge erzielen lassen wie mit klassischer Therapie\u00bb, sagt Blume. Solche digitalen L\u00f6sungen k\u00f6nnten helfen, die Wartezeit bis zu einem Therapieplatz zu \u00fcberbr\u00fccken. \u00abIch finde das sehr sinnvoll und sehe keinen Grund, warum das nicht auch in der Schweiz m\u00f6glich sein sollte.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqivnub10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Zentral sei aber auch, sich nicht verr\u00fcckt zu machen. Viele Menschen mit Insomnie untersch\u00e4tzen ihre Schlafdauer. Und: Acht Stunden Schlaf pro Nacht seien kein Muss f\u00fcr jeden Menschen, die ben\u00f6tigte Schlafdauer sei individuell. Ein gewisser Schlafmangel lasse sich auch ausgleichen. Der K\u00f6rper mache das ganz automatisch, erkl\u00e4rt Blume: \u00abEr vertieft den Schlaf, reduziert leichtere Phasen, und vielleicht schlafen wir auch etwas l\u00e4nger.\u00bb Dennoch betont sie: \u00abIm Idealfall schlafen wir in den meisten N\u00e4chten ausreichend.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iqi95vq60\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Und sie sagt auch: \u00abSchlaf ist ein Mosaikstein. Ein wichtiger, aber eben nicht der einzige.\u00bb Ern\u00e4hrung, Bewegung, Genetik \u2013 all das tr\u00e4gt wesentlich zur Gesundheit bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was passiert in unserem K\u00f6rper, wenn wir zu wenig schlafen? Schlafmangel bringt den ganzen Stoffwechsel durcheinander. 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