{"id":1013143,"date":"2026-05-12T10:13:32","date_gmt":"2026-05-12T10:13:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013143\/"},"modified":"2026-05-12T10:13:32","modified_gmt":"2026-05-12T10:13:32","slug":"judenverfolgung-razzia-des-gruenen-zettels-in-paris-1941","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013143\/","title":{"rendered":"Judenverfolgung: Razzia des Gr\u00fcnen Zettels in Paris 1941"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">\u201eDie <a data-rtr-index=\"18\" title=\"Razzia\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/razzia\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Razzia<\/a> des gr\u00fcnen Zettels hat mein Leben f\u00fcr immer ver\u00e4ndert. Mein Vater wurde vorgeladen und ist nie mehr nach Hause zur\u00fcckgekehrt\u201c, berichtet die 91 Jahre alte Holocaust\u00fcberlebende Liliane Ryszfeld. Als Sechsj\u00e4hrige hatte sie ihn mit ihrer Mutter zur Polizei in einem Pariser Vorort begleitet. Viele Jahrzehnte hat sie vergeblich auf die R\u00fcckkehr des Vaters gewartet. Am Montag wird sie ihre Geschichte Berliner Sch\u00fclern erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Gemeinsam mit der Claims Conference hat die franz\u00f6sische Botschaft in Berlin eine immersive Ausstellung gestaltet, die ein einmaliges Zusammenspiel von transparenten Fotofolien an den riesigen Fenstern zum Innenhof und eindrucksvollen Fotos pr\u00e4sentiert. Auf kleinen Tischen finden sich Audioger\u00e4te mit Berichten von Zeitzeugen sowie kleine Apparate mit Dias zur Ansicht. 98 Fotos der kaum bekannten ersten Razzia gegen Juden im von Deutschland besetzten Paris werden von Sonntag an erstmals in Paris und von Dienstag bis 9. Juli w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten der franz\u00f6sischen Botschaft in Berlin gezeigt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die \u201eRafle du Billet Vert\u201c, die Razzia des gr\u00fcnen Zettels, j\u00e4hrt sich am 14. Mai dieses Jahres zum 85. Mal. Ohne einen spektakul\u00e4ren Fund im Jahr 2020 w\u00fcsste man so gut wie nichts von der ersten Massenverhaftung der Wehrmacht in Kollaboration mit dem Vichy-Regime. Zwei Sammler entdeckten 2020 bei einem Tr\u00f6delh\u00e4ndler 98 Kontaktabz\u00fcge, sorgf\u00e4ltig nummeriert und auf graue Kartons geklebt. Sie haben die Bedeutung dieses Fundes erkannt und die Abz\u00fcge der Pariser Gedenkst\u00e4tte M\u00e9morial de la Shoah \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Fotos stammen von Harry Croner, der f\u00fcr die Wehrmacht arbeitete. Sie wurden als Kontaktstreifen erst 2020 bei einem Tr\u00f6delh\u00e4ndler gefunden, danach langsam ausgewertet und werden nun erstmals in ihrer Gesamtheit in Paris und Berlin gezeigt.\" height=\"2966\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/die-fotos-stammen-von-harry.webp\" width=\"2048\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Die Fotos stammen von Harry Croner, der f\u00fcr die Wehrmacht arbeitete. Sie wurden als Kontaktstreifen erst 2020 bei einem Tr\u00f6delh\u00e4ndler gefunden, danach langsam ausgewertet und werden nun erstmals in ihrer Gesamtheit in Paris und Berlin gezeigt.M\u00e9morial de la Shoah<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Bilder stammen von dem\u00a0 Berliner Fotografen Harry Croner, der f\u00fcr die Propagandaabteilung der Wehrmacht arbeitete. Einer der engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns, Theodor Dannecker, war im September 1940 zum Leiter des Judenreferats der Gestapo in Paris geworden und lie\u00df im Mai des folgenden Jahres insgesamt 3800 ausl\u00e4ndische Juden verhaften und in die Lager Pithiviers und Beaune-la-Rolande bringen. Vor allem M\u00e4nner aus Polen und Tschechien, die im gr\u00f6\u00dften Judenviertel im 11. Arrondissement in Paris wohnten, folgten am 14. Mai 1941 der auf einen gr\u00fcnen Zettel gedruckten Aufforderung, zur Turnhalle Japy zu kommen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die nichtsahnend dorthin geeilten Juden erfuhren erst in der Turnhalle, dass sie \u201ezwei Decken, ein Leintuch, Wechselw\u00e4sche, eine Garnitur Besteck, eine Sch\u00fcssel, ein Trinkglas, Toilettenartikel, Nahrungsmittelmarken, Lebensmittel f\u00fcr 24 Stunden\u201c brauchten und sich von ihrer Familie trennen mussten. Frauen und Kinder eilten nach Hause, holten alles N\u00f6tige und standen mit den B\u00fcndeln f\u00fcr die V\u00e4ter vor der Turnhalle, wo Croner sie fotografierte.<\/p>\n<p>Einf\u00fchlsame Bilder der Opfer<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Es waren keine Bilder aus der Perspektive der T\u00e4ter, sondern menschliche Perspektiven auf die Opfer in ihrer W\u00fcrde und Individualit\u00e4t. Croner war von Dannecker beauftragt worden, die Kollaboration der franz\u00f6sischen Polizei bei den Razzien zu dokumentieren. Auf einem der Bilder, die nun in der franz\u00f6sischen Botschaft in Berlin zu sehen sind, ist der Pariser Polizeipr\u00e4fekt Fran\u00e7ois Bard neben Dannecker zu sehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Erst am Sammelpunkt erfuhren die M\u00e4nner, dass sie von ihren Familien getrennt werden sollten.\" height=\"1973\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erst-am-sammelpunkt-erfuhren.webp\" width=\"2923\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Erst am Sammelpunkt erfuhren die M\u00e4nner, dass sie von ihren Familien getrennt werden sollten.M\u00e9morial de la Shoah<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">13 Monate wurden die M\u00e4nner in einem verschlammten, eigentlich f\u00fcr deutsche Kriegsgefangene gedachten unfertigen Lager festgehalten. Auch von diesen erb\u00e4rmlichen Lebensbedingungen zeugen Croners Fotos. Es gab anfangs nicht einmal Stroh auf den Holzpritschen, auch keine Fenster. Von den franz\u00f6sischen Zwischenlagern aus wurden die internierten M\u00e4nner nach Auschwitz-Birkenau transportiert und ermordet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Von den 3800 Verhafteten konnten 700 fliehen, weniger als 100 der 3100 nach Auschwitz Deportierten \u00fcberlebten. Die Nazis benutzten nur wenige der Aufnahmen \u2013 die mit einem roten Kreuz markiert wurden \u2013 f\u00fcr ihre Propaganda. Alle \u00fcbrigen sind das einzige Zeitzeugnis f\u00fcr die erste Razzia gegen Juden im besetzten Frankreich, der eine zweite bekanntere brutale Massenfestnahme von 8000 j\u00fcdischen Frauen, M\u00e4nnern und Kindern im Juli 1942 im Pariser Wintervelodrom folgen sollte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In einer historischen Rede im Jahr 1995 hatte Jacques Chirac als erster Pr\u00e4sident die Mitverantwortung Frankreichs f\u00fcr die Grausamkeiten der Razzien beim Namen genannt: \u201eFrankreich, die Heimat der Aufkl\u00e4rung und der Menschenrechte, das Aufnahme- und Asylland, hat an jenem Tag das nicht wieder gut zu Machende begangen.\u201c<\/p>\n<p>Claims Conference sieht Parallelen zum Heute<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der 1940 zur Wehrmacht eingezogene Croner wurde wegen seines j\u00fcdischen Vaters nach 18 Monaten als \u201ewehrunf\u00e4hig\u201c eingestuft und 1944 in einem Arbeitslager an der franz\u00f6sischen Kanalk\u00fcste interniert. Im M\u00e4rz 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde im April 1946 freigelassen. Er kehrte damals nach Berlin zur\u00fcck und wurde ein gesch\u00e4tzter Presse- und Theaterfotograf, der viele Portr\u00e4taufnahmen machte und 1992 in Berlin starb.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die festgenommenen Juden wurden in \u00dcbergangslager gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert, wo die meisten ermordet wurden.\" height=\"2011\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/die-festgenommenen-juden.webp\" width=\"2976\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Die festgenommenen Juden wurden in \u00dcbergangslager gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert, wo die meisten ermordet wurden.M\u00e9morial de la Shoah<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Berliner Repr\u00e4sentant der Claims Conference in Europa, R\u00fcdiger Mahlo, hebt die historische und moralische Bedeutung der erstmals in Deutschland gezeigten Bilder hervor: \u201eHeute erleben wir in mehreren europ\u00e4ischen Gesellschaften erneut Anf\u00e4nge der Ausgrenzung von J\u00fcdinnen und Juden \u2013 diese Bilder sind f\u00fcr uns zugleich Mahnung und Verpflichtung.\u201c Der franz\u00f6sische Botschafter Frankreichs, Fran\u00e7ois Delattre, erhofft sich von der Ausstellung, \u201edass die aufgekl\u00e4rte Kenntnis der dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte heute die Grundlage der Wertegemeinschaft bildet, die Frankreich und Deutschland verbindet\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Wer in den lichten Innenhof der franz\u00f6sischen Botschaft tritt, begibt sich auf einem stra\u00dfen\u00e4hnlichen gepflasterten Gang selbst in die damaligen Ereignisse hinein. Der Betrachter nimmt die zun\u00e4chst ahnungslosen j\u00fcdischen Familien vor der Deportation wahr, die Zuschauer aus den Fenstern der Nachbargeb\u00e4ude der Turnhalle in Japy, die j\u00fcdischen M\u00e4nner am Bahnhof Austerlitz, die sich dort wie vor einer harmlosen Reise sammeln, und die ver\u00e4ngstigten Gesichter der j\u00fcdischen Familienv\u00e4ter im Augenblick der Trennung, die f\u00fcr viele Frauen und Kinder zu einem lebenslangen Albtraum wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDie Razzia des gr\u00fcnen Zettels hat mein Leben f\u00fcr immer ver\u00e4ndert. 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