{"id":1013864,"date":"2026-05-12T16:51:14","date_gmt":"2026-05-12T16:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013864\/"},"modified":"2026-05-12T16:51:14","modified_gmt":"2026-05-12T16:51:14","slug":"buch-fuer-die-stadt-2026-die-schoenen-abgruende-des-kunstbetriebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013864\/","title":{"rendered":"Buch f\u00fcr die Stadt 2026: Die sch\u00f6nen Abgr\u00fcnde des Kunstbetriebs"},"content":{"rendered":"<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"0\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Und dann sitzt Constantin Marx auf einmal mit einem der bedeutendsten K\u00fcnstler der Gegenwart in dessen Auto in den Weinbergen oberhalb des Rheins und lauscht in der ARD-Bundesligakonferenz Sabine T\u00f6pperwiens Kommentierung des Spiels im Rhein-Energie-Stadion: \u201eRiesenchance im rheinischen Duell, da haben die D\u00fcsseldorfer hier in K\u00f6ln schon wieder eine dicke M\u00f6glichkeit liegen gelassen.\u201c<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"1\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Es l\u00e4uft also mal wieder nicht so richtig gut f\u00fcr den FC, und es l\u00e4uft auch nicht so recht f\u00fcr den F\u00f6rderverein des Frankfurter Museums Wendevogel, der ins malerische Rheingau aufgebrochen ist, um den \u00f6ffentlichkeitsscheuen Malerf\u00fcrsten KD Pratz zu treffen. Und dank dieser Begegnung mit dem Kunst-Weltstar auch die letzten z\u00f6gerlichen Vereinsmitglieder endg\u00fcltig von der Idee zu begeistern, den geplanten Erweiterungsbau des Museums Pratz&#8216; Werk zu widmen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"2\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Der ist schlie\u00dflich nicht irgendwer: Beuys-Sch\u00fcler, \u201edetailverliebter als Gerhard Richter, archaischer als Anselm Kiefer und expressiver als Georg Baselitz\u201c. Mit Marina Abramovi\u0107 war er auch mal liiert. Die wesentlichen Kunststr\u00f6mungen der vergangenen Jahrzehnte hat dieser KD Pratz ma\u00dfgeblich mitgepr\u00e4gt, und er taucht auf allen Top-Ten-Listen der teuersten K\u00fcnstler auf. Dumm nur, dass der Maler, der sich, wenn \u00fcberhaupt, nur im Anstreicher-Overall ablichten l\u00e4sst, nicht nur sehr zur\u00fcckgezogen auf seiner Burg Ernsteck lebt, sondern auch noch ein echter Kulturpessimist und Menschenfeind ist.\u00a0<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche des Bildungsb\u00fcrgertums<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"4\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Der Einzige, den er zumindest ein wenig an sich heranl\u00e4sst, ist eben jener Constantin Marx. Der Architekt ist eigentlich nur mitgefahren, um seine Mutter Ingeborg\u00a0\u2013 Psychotherapeutin, Vorsitzende des F\u00f6rdervereins und gl\u00fchender Fan des Malers\u00a0\u2013 zu unterst\u00fctzen. Doch getreu dem Motto \u201eTriff niemals deine Helden\u201c l\u00e4uft die Reise schnell aus dem Ruder.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"5\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Was f\u00fcr den F\u00f6rderverein zum Desaster zu werden droht, ist f\u00fcr die Leserinnen und Leser von Kristof Magnussons wunderbarer Satire \u201eEin Mann der Kunst\u201c ein gro\u00dfes Geschenk. Dieser Geschichte zu folgen, ist eine ebenso kluge wie unterhaltsame Reise ins deutsche Bildungsb\u00fcrgertum mit all seinen Widerspr\u00fcchen\u00a0\u2013 und deshalb ist Magnussons Roman in diesem Jahr das \u201eBuch f\u00fcr die Stadt\u201c.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"6\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Dem 50-J\u00e4hrigen ist ein echtes Kunstst\u00fcck gelungen. Er hat eine Satire \u00fcber die Skurrilit\u00e4ten und Abgr\u00fcnde des Kunstbetriebs geschrieben, die sich dennoch durch eine gro\u00dfe Zuneigung zu ihren Figuren auszeichnet. Er legt ihre Widerspr\u00fcche offen, f\u00fchrt sie aber nie vor.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"7\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Da ist die selbstbewusste Feministin Ingeborg, die sich dennoch f\u00fcr diesen Typus des Gro\u00dfk\u00fcnstlers mit vorsichtig formuliert schwierigem Frauenbild begeistert. Da reisen bildungsbeflissene Akademiker an, die sich f\u00fcr ihre Diskussionskultur und Konfliktf\u00e4higkeit feiern, um sich dann von einem griesgr\u00e4migen Maler mit schlechten Manieren beschimpfen zu lassen, der \u00fcberall den Kulturverfall wittert und im Internet das \u00dcbel der Welt vereint sieht. W\u00fcrde diese Fr\u00fcher-war-alles-besser-N\u00f6rgelei bei anderen alten wei\u00dfen M\u00e4nnern als Zeichen ihrer R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit gedeutet, wird sie hier zum Beleg gro\u00dfer Intellektualit\u00e4t verkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Kein K\u00fcnstler-, sondern ein Kunstliebhaberroman<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"9\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Die Auswirkungen des Patriarchats, auch und gerade auf die Kunstwelt, Sexismus, Klassismus und Generationendebatten behandelt Magnusson wie scheinbar nebenbei und wirft auch die grunds\u00e4tzliche Frage auf, was Kunst heute noch erreichen kann oder sollte. Dabei ist stets zu sp\u00fcren, wie dankbar er denen ist, die immer noch an ihre Macht glauben. Deshalb ist sein Roman im engeren Sinne gar\u00a0kein K\u00fcnstlerroman, auch wenn es zun\u00e4chst so scheint, sondern vielmehr ein Kunstliebhaberroman.\u00a0<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"10\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Es ist kein Wunder, dass der Halb-Isl\u00e4nder Magnusson nicht nur als \u00dcbersetzer und Romanautor arbeitet, sondern seine Texte auch sehr erfolgreich f\u00fcr die B\u00fchne adaptiert oder neue St\u00fccke schreibt. Er hat ein gro\u00dfes Talent f\u00fcr scharfe Beobachtungen, ungemein unterhaltsame Dialoge und kluge Pointen, was \u00fcbrigens auch ganz wunderbar beim H\u00f6rbuch des Romans, gelesen von Devid Striesow, deutlich wird.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"11\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Um dieses Talent wei\u00df auch Schauspiel-Intendant Kay Voges, der mit \u201eIn bester Lage\u201c von Magnusson und Gunnar Klack, einer Kom\u00f6die \u00fcber das \u201eTrauerspiel im Eigentum\u201c, im September das neue Haus am Offenbachplatz er\u00f6ffnen wird.\u00a0Sein Weg wird Kristof Magnusson in diesem Jahr also noch h\u00e4ufiger an den Rhein f\u00fchren. Und vielleicht l\u00e4sst er dann ja in seinem n\u00e4chsten Roman auch den 1.\u00a0FC K\u00f6ln das Derby gewinnen.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"13\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Das \u201eBuch f\u00fcr die Stadt\u201c ist eine Literaturaktion von Literaturhaus K\u00f6ln, \u201eK\u00f6lner Stadt-Anzeiger\u201c und \u201eK\u00f6lnische Rundschau\u201c. Die Jury bildeten Bettina Fischer (Literaturhaus K\u00f6ln), Hildegund Laaff (Lengfeld&#8217;sche Buchhandlung), Martin Oehlen (Literaturblog \u201eB\u00fccher-Atlas\u201c) und Anne Burgmer (\u201eK\u00f6lner Stadt-Anzeiger\u201c). Die Sonderausgabe des Romans erscheint am 14. September im Goldmann Verlag.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"14\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Vom 22. bis 29. November wird es eine Aktionswoche in K\u00f6ln und der gesamten Region geben. Die Matinee mit Kristof Magnusson am 22. November im Schauspiel K\u00f6ln bildet den Auftakt der Aktionswoche, die bis zum 29. November l\u00e4uft. Sie sind herzlich eingeladen, in der Woche eine Veranstaltung beizusteuern. Wir werden bald eine Seite freischalten, auf der Sie diese eintragen k\u00f6nnen. Unterst\u00fctzt wird die Initiative vom Unternehmen JTI.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Und dann sitzt Constantin Marx auf einmal mit einem der bedeutendsten K\u00fcnstler der Gegenwart in dessen Auto in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1013865,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,30,1420,1209],"class_list":{"0":"post-1013864","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-koeln","11":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116562643417286598","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1013864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1013864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1013864\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1013865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1013864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1013864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1013864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}