{"id":1013872,"date":"2026-05-12T16:56:26","date_gmt":"2026-05-12T16:56:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013872\/"},"modified":"2026-05-12T16:56:26","modified_gmt":"2026-05-12T16:56:26","slug":"palaestinacamp-in-hamburg-ein-protestcamp-spaltet-die-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1013872\/","title":{"rendered":"Pal\u00e4stinacamp in Hamburg: Ein Protestcamp spaltet die Stadt"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Wie bei einem Mexican Standoff stehen sie sich auf der Hamburger Moorweide gegen\u00fcber. Hier ein Dutzend Menschen hinter einem Banner mit der Aufschrift: \u201eIn Hamburg ist kein Platz f\u00fcr Antisemitismus und Israelhass\u201c. Sie blicken in Richtung der Zelte, die etwa 50 Meter von ihnen entfernt aufgeschlagen sind. Dort einige j\u00fcngere Menschen, auch sie halten ein Banner: \u201e76 Jahre Nakba, 76 Jahre Widerstand\u201c. Das Banner ist zwei Jahre alt. Einer mit Pal\u00e4stinaflagge in der Hand sagt: \u201eF\u00fcr die da dr\u00fcben reicht\u2019s.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Das-palaestinensische-Fluechtlingsproblem\/!6101654\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nakba, arabisch f\u00fcr \u201eKatastrophe\u201c<\/a>, meint die Flucht und Vertreibung der meisten Pa\u00adl\u00e4s\u00adti\u00adnen\u00adse\u00adr:in\u00adnen aus dem heutigen Staatsgebiet Israels. Die Organisatoren des Camps \u201eBridges of Resistance\u201c sind der Meinung, dass diese Vertreibung bis heute andauere \u2013 78 Jahre nach Beginn des ersten arabisch-israelischen Krieges. Sie sehen Hamburg mit seinem Hafen als wichtigen logistischen Knotenpunkt deutscher Unterst\u00fctzung f\u00fcr Israels Kriege. Auf diese \u201eMitt\u00e4terschaft\u201c, so sagt es ein Sprecher, wollen sie in einer Aktionswoche auf der Moorweide aufmerksam machen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Vor Beginn der Aktionswoche kritisierte die J\u00fcdische Gemeinde die Wahl des Ortes als \u201ezynische Verh\u00f6hnung der Opfer der Schoa\u201c. Im Nordwesten der Moorweide befindet sich der Platz der J\u00fcdischen Deportierten. Von dort wurden Tausende J\u00fcdinnen und Juden deportiert. Die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/stefan.hensel.125\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">J\u00fcdische Gemeinde schrieb in einem offenen Brief<\/a>, das Camp werde von Gruppierungen organisiert, \u201edie nachweislich antisemitische Positionen vertreten\u201c. Gemeint ist die Gruppe \u201eThawra Hamburg\u201c, die der Verfassungsschutz beobachtet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Die Versammlungsbeh\u00f6rde untersagte das Camp zun\u00e4chst, die Organisatoren sollten ihre Zelte im Schanzenpark aufschlagen. Die Organisatoren legten Beschwerde ein, das Verwaltungsgericht gab ihnen recht. Die Argumentation der Stadt, dass es auf der Moorweide zu Konflikten mit \u201eMeinungsgegnern\u201c kommen k\u00f6nnte, sei nicht tragf\u00e4hig.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Die Mahnwache richtet sich mit ihrem Protest auch an B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD). Von ihm stammt die Aussage, dass in Hamburg kein Platz f\u00fcr Antisemitismus sei. Die Mahnenden w\u00fcnschen sich von ihm mehr Haltung. Sie w\u00e4ren auch in den Schanzenpark gegangen, sagt eine der Beteiligten. Aber das Camp an diesem Ort, der Moorweide, das sei schon eine besondere Provokation.<\/p>\n<p>      Erste gro\u00dfangelegte Deportation von Juden aus Hamburg<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Mehr als 1.000 J\u00fcdinnen und Juden deportierten die Nationalsozialisten im Oktober 1941 aus Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt. Schriftlich wurden die Verfolgten von der Gestapo aufgefordert, zum sogenannten Logenhaus in der Moorweidenstra\u00dfe 36 zu kommen. Dort mussten die Menschen eine Nacht ausharren, bevor sie zum Hannoverschen Bahnhof am Hamburger Oberhafen gebracht wurden. Es sei die erste gro\u00dfangelegte Deportation von Juden aus Hamburg gewesen, sagt Oliver von Wrochem, der Leiter der KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme. Weitere folgten, etwa nach Minsk und Riga.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Die Wiese vor dem Logenhaus, auf der sich die Menschen versammeln mussten, ist nicht identisch mit dem Veranstaltungsort des \u201eBridges of Resistance\u201c-Camps. Zwischen den beiden Orten liegt heute das Hauptgeb\u00e4ude der Universit\u00e4t Hamburg. Bis ins 19. Jahrhundert hingen die beiden Teile zusammen. Der Nordwestzipfel vor dem Logenhaus hei\u00dft mittlerweile \u201ePlatz der J\u00fcdischen Deportierten\u201c. Auf dem deutlich gr\u00f6\u00dferen Abschnitt s\u00fcdlich der Uni haben die Pa\u00adl\u00e4s\u00adti\u00adna\u00adak\u00adti\u00advis\u00adt:in\u00adnen ihre Zelte errichtet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Ak\u00adti\u00advis\u00adt:in\u00adnen in gelben Plastikponchos huschen \u00fcber den provisorischen Zeltplatz auf den Regentropfen prasseln. Am Rande des Camps haben sie ein St\u00fcck Stoff aufgespannt, das auf die Geschichte des Ortes hinweist. Die Deportationen seien \u201eeine Mahnung f\u00fcr die \u00dcberlebenden\u201c, steht darauf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Die Organisatoren sind der Ansicht, dass der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit f\u00fcr Pa\u00adl\u00e4s\u00adti\u00adnen\u00adse\u00adr:in\u00adnen nicht im Widerspruch zum Gedenken an j\u00fcdische Opfer und zum Kampf gegen Antisemitismus stehe, sagt Nikodem Kaddoura, der Sprecher der Gruppe. \u201eUnser Camp ist keine Provokation.\u201c Es sei vielmehr ein Protest gegen jeden Genozid. Den Ort habe man bewusst gew\u00e4hlt, um auf historische \u201eKontinuit\u00e4ten\u201c aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>      J\u00fcdische Gemeinde will dauerhaften Gedenkort<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">\u201ePositionen, die davon ausgehen, in der deutschen Regierungspolitik gegen\u00fcber Israel zeige sich eine Kontinuit\u00e4t zu deutscher NS-T\u00e4terschaft, stellen absurde Analogien her\u201c, sagt hingegen Oliver von Wrochem. \u201eSie sind nicht nur antizionistisch, sondern h\u00e4ufig auch antisemitisch motiviert.\u201c<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Eigentlich gibt es keinen Ort in Hamburg, der nicht mit den NS-Verbrechen verbunden ist<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n<p>            Oliver von Wrochem, Leiter der KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Die J\u00fcdische Gemeinde forderte in ihrem offenen Brief, die gesamte Moorweide dauerhaft als gesch\u00fctzten Gedenkort anzuerkennen und politische Kundgebungen dort generell auszuschlie\u00dfen. Daf\u00fcr m\u00fcsste die Moorweide die Bedingungen des Versammlungsgesetzes erf\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Nach diesem Gesetz kann man eine Versammlung verbieten, wenn sie an einer Gedenkst\u00e4tte \u201evon historisch herausragender, \u00fcberregionaler Bedeutung\u201c an die NS-Opfer erinnert. F\u00fcr das Konzentrationslager Neuengamme hat Hamburg eine solche Regelung getroffen. Ob die gesamte Moorweide ebenfalls ein solcher Ort ist, m\u00fcssten Fachleute entscheiden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"15\">\u201eEs braucht vor allem eine gr\u00f6\u00dfere Sensibilisierung daf\u00fcr, dass solche Orte eine Geschichte haben\u201c, sagt Gedenkst\u00e4ttenleiter von Wrochem. Er sei daher skeptisch, ob es der richtige Weg sei, ganze Areale gro\u00dffl\u00e4chig unter Schutz zu stellen. \u201eEigentlich gibt es keinen Ort in Hamburg, der nicht mit den NS-Verbrechen verbunden ist.\u201c Einen positiven Wandel kann er sich eher durch geschichtspolitische Bewusstseinsbildung vorstellen als durch Verbote.<\/p>\n<p>      Geschichte des Ortes nicht allen bewusst<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">Als vor zwei Jahren schon einmal ein Camp der pal\u00e4stinasolidarischen Bewegung auf der Moorweide stattfand, gab es laute Kritik. Der Ort des Camps wurde allerdings kaum diskutiert. Die regionale Verankerung der NS-Verbrechen sei viel zu wenig bekannt, sagt von Wrochem. \u201eDas hat etwas mit der zeitlichen Distanz zu tun, aber auch mit der deutschen Nachkriegsgeschichte; insbesondere mit der Verweigerung, sich intensiv mit dem Thema deutscher T\u00e4terschaft vor Ort zu besch\u00e4ftigen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"18\">Ein Mann radelt \u00fcber den schmalen Parkweg, der Mahnwache und Camp trennt. Er bleibt stehen, schaut sich interessiert um und fragt dann, ob es denn Stress gebe mit dem Camp. Als er von der Diskussion \u00fcber die Moorweide erf\u00e4hrt, ist er sichtlich \u00fcberrascht. Er sei politisch interessiert, habe selbst jahrelang in Israel gewohnt, doch von der Geschichte des Orts habe er nichts gewusst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie bei einem Mexican Standoff stehen sie sich auf der Hamburger Moorweide gegen\u00fcber. 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